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Ex-Ikea-Bauleiter legt Geständnis ab

Der Hauptbeschuldigte in der Korruptionsaffäre steht seit Donnerstag in Frankfurt vor Gericht

(bo/ddp-hes). In der Korruptionsaffäre um das schwedische Einrichtungshaus Ikea muss sich seit Donnerstag der Hauptbeschuldigte verantworten. Zum Prozessauftakt vor dem Frankfurter Landgericht zeigte sich der ehemalige Projektleiter von Ikea in vollem Umfang geständig. Dem 52-Jährigen wird Untreue in 48 Fällen und in 21 Fällen Bestechlichkeit vorgeworfen.

Insgesamt soll der Angeklagte von 2002 bis 2005 Geld- undSachleistungen in Höhe von rund 700 000 Euro von zwei Auftragnehmernseines ehemaligen Arbeitgebers erhalten haben. Eine für Rohausbauzuständige Firma aus Hamburg zahlte ihm 87 000 Euro in bar. Von einerDüsseldorfer Firma für Innenausbau soll er weitere 100 000 Euro inbar bekommen haben. Außerdem bezahlte ihm die Firma die Renovierungund Neuausstattung seines Hauses in Rosbach für weitere 514 000 Euro.Pikanterweise erhielt der leitende Ikea-Mitarbeiter die Anregungenfür die luxuriöse Ausstattung seines Hauses nach eigenen Angaben aufBaustellen der Auftragnehmer seines Arbeitgebers.Im Gegenzug stellten die Firmen mit Einverständnis desBeschuldigten überhöhte Rechnungen an Ikea. Allein beim Bau derIkea-Filiale in Duisburg soll dem Unternehmen dadurch ein Schaden von780 000 Euro entstanden sein. Weitere 630 000 Euro Schaden entstandenIkea durch überhöhte Rechnungen bei Instandhaltungsarbeiten in denFilialen in Köln, Essen, Dortmund und Hamburg.Als Grund für seine Machenschaften nannte der 52-JährigeGeldsorgen nach seiner Scheidung. Bei den hohen Unterhaltszahlungenfür seine Frau und die beiden Töchter habe sich der «Aufwand» fürseinen Arbeitgeber kaum noch gelohnt. Die Idee sei ihm gekommen, weildie Bestechlichkeit unter seinen Kollegen zu dieser Zeit «gang undgäbe» gewesen sei.Der frühere Bauleiter gilt allerdings als der Hauptbeschuldigteunter den neun verdächtigen ehemaligen Ikea-Mitarbeitern. NachAngaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft gibt es in dem weitverzweigten Korruptionsskandal insgesamt 64 Beschuldigte, wobeizahlreiche Verfahren bereits nach Zahlungen von Strafbefehleneingestellt wurden.Der erste Korruptionsverdacht bei Ikea war im August 2005aufgekommen. Damals hatten Ermittler die Deutschland-Zentrale derMöbelhauskette in Hofheim sowie Büros und Privaträume in 21 Ortendurchsucht. Einer der Hauptverdächtigen, ein 56 Jahre alterehemaliger Bauleiter des Möbelkonzerns, erhängte sich im September2005 während der Untersuchungshaft in seiner Zelle.Auf den 52-Jährigen kommen neben einer zu erwartenden Haftstrafeauch noch zivilrechtliche Forderungen zu. So gab sein Verteidiger amDonnerstag an, Ikea habe in dem Verfahren Schadensersatzansprüche von1,7 Millionen Euro angemeldet. So sollen das luxuriöse Haus desAngeklagten sowie eine Eigentumswohnung demnächst zwangsversteigertwerden.Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Das Urteilist für den 13. November geplant.

(rheinmain)


 


 

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