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Vom Bergbauunternehmen zum Global Player

Der Kasseler Düngemittelhersteller K+S ist der erste Rohstoffwert im DAX

(bo/ddp.djn). Der Börsenkurs hat in den vergangenen Monaten die gleiche Richtung genommen wie die Unternehmensentwicklung schon seit Jahren: bergauf, und zwar steil. Noch Anfang 2007 standen die Aktien des Kasseler Düngemittelherstellers K+S bei rund 20 Euro. Derzeit ist es weit mehr als das Dreifache: Am Donnerstagmittag wurden die Papiere in Frankfurt für 71,81 Euro gehandelt. Mit dem explosionsartig gestiegenen Marktwert und damit auch Börsenumsatz katapultierte sich das Unternehmen ganz nach oben: Als erster Rohstoffwert wurde K+S am Mittwochabend in den deutschen Leitindex DAX aufgenommen.

«Das bedeutet einerseits natürlich einen Pluspunkt auf der
Image-Seite», sagt Unternehmenssprecher Ulrich Göbel. «Andererseits
ist es aber auch eine Herausforderung, dass wir jetzt zu diesem
erlauchten Kreis gehören.» Schließlich sei man damit einer erhöhten
Aufmerksamkeit ausgesetzt - sowohl des Finanzmarkts als auch der
Politik und der breiteren Öffentlichkeit. «Mancher nimmt vielleicht
jetzt erstmals von uns Notiz.» Doch an einer derartigen
Herausforderung könne ein Unternehmen ja auch wachsen.

Und das hat K+S in den vergangenen Jahren üppig getan. Der
Aufstieg in die Börsenbundesliga krönt die beeindruckende Entwicklung
des nordhessischen Kali- und Salzproduzenten vom klassischen
Bergbauunternehmen zum Global Player. Erst 1993 war die heutige
K+S-Gruppe durch die deutsch-deutsche Kalifusion entstanden: Die
damalige Kali und Salz AG, die mehrere Bergwerke in Osthessen
betrieb, übernahm die thüringischen Gruben der Mitteldeutschen Kali
AG und schlug einen harten Sanierungskurs ein.

Trotz Fördergeldern der Treuhandgesellschaft in Höhe von mehr als
500 Millionen Euro wurde in Ost und West jeder dritte der vormals 11
000 Arbeitsplätze gestrichen. Gegen die Schließung der Kaligrube im
thüringischen Bischofferode protestierten die Kumpel vergeblich mit
einem langen und spektakulären Hungerstreik. Gleichzeitig aber
investierte K+S in den Folgejahren kräftig in die maroden Werke. Mit
Erfolg: 1997 wurden erstmals schwarze Zahlen geschrieben, und schon
ein Jahr später folgte die Aufnahme in den Aktienindex MDAX, in dem
mittelgroße Unternehmen gelistet sind.

«Wachstum» lautete fortan die Maxime: K+S stieg mit der Übernahme
von COMPO und Fertiva ins Düngemittelgeschäft ein, gründete mit der
European Salt Company (Esco) den größten Salzanbieter Europas und
kaufte zuletzt 2006 den chilenischen Salzproduzenten Sociedad Punta
de Lobos. Heute arbeiten weltweit gut 12 000 Menschen für die
K+S-Gruppe, mehr als 10 000 davon an den 20 deutschen Standorten des
Unternehmens. Und sie bescheren dem DAX-Aufsteiger, der nach eigenen
Angaben zu den weltweit führenden Anbietern von Dünger,
Pflanzenpflege und Salzprodukten zählt, Rekordgewinne: Für das
laufende Geschäftsjahr wird bei einem geplanten Umsatz von bis zu 5,5
Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von bis zu 1,6 Milliarden
Euro erwartet - mehr als das Vierfache des Vorjahres.

«In den vergangenen Jahren hat das starke Wachstum insbesondere in
den Schwellenländern die Nachfrage nach Rohstoffen und damit auch
nach mineralischen Düngemitteln spürbar erhöht», erklärt das
Unternehmen. K+S hat aber nicht zuletzt auch von den explosionsartig
gestiegenen Lebensmittelpreisen profitiert: Je mehr Geld sich mit der
Herstellung von Agrarprodukten verdienen lässt, desto mehr wird auch
für Dünger ausgegeben. Zwar ist mit den derzeit sinkenden
Getreidepreisen auch der Aktienkurs , der zwischenzeitlich ein
Rekordhoch von fast hundert Euro erreicht hatte, wieder gefallen. Das
Unternehmen erwartet aber weiter eine «positive Entwicklung», wie
Sprecher Göbel sagt. «Wir haben seit über einem Jahr sehr stabile
Trends.»

In der Region löst K+S freilich nicht nur Begeisterung aus. Denn
das Unternehmen plant eine 63 Kilometer lange Pipeline von der
Kaligrube in Neuhof bei Fulda zur Werra, um noch mehr salzhaltige
Abwässer in den Fluss zu leiten als bislang. Dagegen hat sich
parteiübergreifender Protest gebildet. Sogar eine Strafanzeige wegen
Gewässerverunreinigung gegen den K+S-Vorstand wurde von der Gemeinde
Witzenhausen gestellt. Das Ermittlungsverfahren ruht allerdings. «Es
wurde vorläufig eingestellt, bis die Verwaltungsgerichtsbarkeit
entschieden hat, ob die Einleitung rechtens ist oder nicht», sagt
Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung. Um den Konflikt zu befrieden,
wurde vor einigen Monaten sogar ein Runder Tisch ins Leben gerufen.

www.k-plus-s.com

(rheinmain)


 


 

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