Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Finanzen Finanz-News
Weitere Artikel
Ackermann-Nachfolge

Deutsche-Bank-Aktionäre erhöhen Druck auf Aufsichtsratschef Börsig

(bo/dapd). Aktionäre der Deutschen Bank haben auf der Hauptversammlung eine rasche Weichenstellung für die Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann angemahnt. Ackermann will spätestens im Mai 2013 aufhören. Aber schon heute belasteten die Spekulationen Deutschlands größte Bank, kritisierten Investoren und Aktionärsschützer am Donnerstag in Frankfurt am Main.

Sie forderten den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig zum Handeln auf Börsig sagte, Ackermann selbst sei in die Suche nach seinem Nachfolger "voll eingebunden". Aber es gebe keine Eile. Der Nachfolger werde in einem strukturierten Prozess gesucht und zu gegebener Zeit bekanntgegeben werden. Der 63-jährige Schweizer Ackermann steht seit 2002 an der Spitze der Deutschen Bank und hatte eigentlich schon vor einem Jahr gehen wollen, aber mangels Nachfolger seinen Vertrag bis 2013 verlängert. Nachfolge als "alles beherrschende Frage" Der Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding, sagte, die Nachfolge sei jetzt "die alles beherrschende Frage". Börsig müsse den ins Kraut schießenden Spekulationen den Boden entziehen. Er könne nur hoffen, dass Börsig diesmal den richtigen Kandidaten finde. Ackermann gebühre das "große Verdienst, unser Schiff Deutsche Bank gut durch die Finanzkrise gesteuert zu haben", sagte der Aktionärsschützer. Aber wer demnächst in seine Fußstapfen treten könnte, lasse sich nur mutmaßen: Der frühere Bundesbank-Präsident Axel Weber mit seinem Netzwerk von nationalen und internationalen Kontakten oder Investmenbanking-Chef Anshu Jain, "der weiß, wie man mit der Bank Geld verdient", oder vielleicht auch Risikovorstand Hugo Bänziger, "der weiß, wie man das Geldverdienen am Ende auch überlebt". Könnten sich die Aktionäre einen Bankchef backen, "hätte er von jedem etwas", sagte Nieding.

Ausweg Doppelspitze

Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger (VIP) kritisierte Börsig: "Das bisherige Vorgehen bei der Nachfolgesuche schadet nicht nur möglichen Kandidaten, sondern auch dem Unternehmen Deutsche Bank." Mit einer Doppelspitze habe die Bank früher gute Erfahrungen gemacht, betonte er. Wolfgang Packeisen von der ADP - Banque LB Lux warf dem Investmentbanker Jain vor, er habe ideologisch "Pate gestanden bei der Havarie des Weltfinanzsystems". Der ebenfalls als Kandidat gehandelte Finanzvorstand Stefan Krause habe bisher "keine Visitenkarte für unternehmerisches Talent" abgegeben.

Auf Rekordkurs

Dass Ackermann die Deutsche Bank "klar auf Zielkurs" zu einem operativen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro in diesem Jahr sieht, nahmen die Aktionäre wohlwollend zur Kenntnis. Mit 3,5 Milliarden Euro im ersten Quartal sei "ein gutes Stück des Weges hin zu diesem Ziel bereits zurückgelegt", sagte Ackermann. Mit der Übernahme der Postbank habe die Deutsche Bank gesät, "in diesem und in den nächsten Jahren wollen wir die Ernte einfahren". Zum Investmentbanking, das bisher 80 Prozent der Gewinne einfährt, soll das Privatkundengeschäft zu einem gleich starken zweiten Standbein heranwachsen. Der angepeilte Rekordgewinn sei daher kein Gipfel, sondern "das Fundament für ein nachhaltiges höheres Ertragsniveau unserer Bank in der Zukunft", sagte der Vorstandschef.

Saubere Geschäfte

beschworen Allerdings ermöglichten nur saubere Geschäfte nachhaltigen Erfolg, betonte Ackermann. Die Finanzkrise habe viel Vertrauen zerstört, und zugleich seien die Erwartungen der Öffentlichkeit gestiegen. "Kein Geschäft ... ist es wert, diesen guten Ruf und die Glaubwürdigkeit der Bank aufs Spiel zu setzen", sagte er. Die Geschäftsbeziehungen zu Mischkonzernen, die in Teilbereichen mit Streubomben zu tun hätten, stünden auf dem Prüfstand. "Alle unsere Geschäfte müssen nicht nur rechtlich, sondern auch ethisch einwandfrei sein", sagte Ackermann. Bei den Klagen wegen leerstehender Häuser in den USA sehe sich die Deutsche Bank aber zu Unrecht am Pranger und werde sich zur Wehr setzen.

(Michael Winckler und Claudia Pietsch/dapd)


 


 

Nachfolger
Ackermann
Deutsche Bank
Geschäfte
Bank
Börsig
Kandidat

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Nachfolger" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: