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Beabsichtigter Kauf

Deutsche Bank will Postbank komplett schlucken

(ddp.djn). Die Deutsche Bank will sich nach Informationen von eingeweihten Personen nicht mit einem Minderheitsanteil an der Postbank zufrieden geben, sondern sie komplett schlucken. "Mit dem beabsichtigten Kauf von 25 bis 30 Prozent an der Post-Tochter will sich die Deutsche Bank zunächst eine Tür öffnen, durch die sie dann auch gehen will", sagte eine informierte Person am Donnerstag zu Dow Jones Newswires. Allerdings habe sich das Schwergewicht unter den deutschen Banken bei den Verhandlungen mit der Post nicht zu einer Übernahme verpflichtet, sondern sich lediglich hierfür die Option offen gehalten.

Auch die Deutsche Post denkt offenbar schon einen Schritt weiter. "Für den Logistiker macht es keinen Sinn, den verbliebenen Anteil von rund 20 Prozent zu behalten", sagte die Person. Daher stehen die Zeichen für eine spätere Einigung gut. Diese wäre, wie auch der Kauf des Minderheitsanteils, stark abhängig vom Preis. Bei der inzwischen auf knapp 7,6 Milliarden Euro geschmolzenen Marktkapitalisierung der Postbank muss die Deutsche Bank bereits jetzt nicht mehr ganz so tief in die Tasche greifen. Ein kompletter Kauf, so die informierte Person, würde auch wesentlich von der weiteren Kursentwicklung der Postbank-Aktie abhängen. Denn an diesem bemisst sich die Höhe des Mindestangebots an die Postbank-Aktionäre.

Mit dem Kauf eines Anteils von zunächst unter 30 Prozent vermeidet die Deutsche Bank ein Pflichtangebot. "Damit hat die Bank einen wesentlichen Schritt gemacht, ohne aus regulatorischer Sicht den ganzen Weg gehen zu müssen", sagte die informierte Person. Während bei der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank alle Aufsichtsräte der Beteiligten zusammengetrommelt wurden, habe es bei der Deutschen Bank kein außerordentliches offizielles Treffen des Gremiums gegeben, sagte eine dem Aufsichtsrat nahestehende Person.

Analysten sehen eine komplette Übernahme jedoch auch kritisch. "Die beiden Banken passen nicht gut zueinander", sagte ein Analyst von equinet. Er rechnet beim Kaufpreis mit einem Aufschlag auf den gegenwärtigen Kurs um gut zehn Prozent. Zuletzt kostete eine Postbank-Aktie 46 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent.

Dagegen kann nach Einschätzung von WestLB-Analyst Georg Kanders die Deutsche Bank die größten Synergien erst durch einen Mehrheitsanteil erzielen. Zumal sie mit der Norisbank bereits eine Zwei-Marken-Strategie fahre. "Eine Deutsche Bank wird sich zudem nicht mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden geben", sagte der Analyst. Daher werde sie sich wohl Vorkaufsrechte sichern. Sollte die Deutsche Bank die Postbank mehrheitlich übernehmen, rechnet der Analyst ab dem dritten Jahr mit jährlichen Synergien von rund einer halben Milliarde Euro.

Nachdem es lange Zeit um die Postbank ruhig geworden war, ist das Rennen um die Post-Tochter am Tag vor der Aufsichtsratssitzung der Post am Freitag noch einmal richtig spannend. Plötzlich wurde die spanische Bank Santander wieder ins Spiel gebracht. Die Spanier, so schrieb das "Handelsblatt", wollten die Postbank komplett übernehmen. "Für ein Gebot von Santander wäre es jetzt reichlich spät", sagte die eingeweihte Person zu Dow Jones Newswires.

Auch Analysten schüttelten den Kopf. "Die Synergien für Santander sind erheblich geringer als für die Deutsche Bank, auch wenn die Spanier mit der CC-Bank bereits einen Fuß in Deutschland haben", erklärte Kanders. Dagegen könnte die Deutsche Bank mehr Synergien erzielen und über die Postbankschalter mit ihren Produkten die Masse erreichen.

Damit dürfte auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, liebäugeln. Seiner Meinung nach passen die Post-Tochter und die Deutsche Bank gut zusammen. Und auch der Preis, der nach wiederholten Aussagen des Bankers stimmen muss, wird nach der gesunkenen Marktkapitalisierung seinen Vorstellungen wohl entsprechen. Wie ernst es ihm ist, ließ er jedenfalls am Mittwoch zu später Stunde über eine Ad-hoc-Meldung verbreiten. Darin bestätigte die Deutsche Bank die fortgeschrittenen Gespräche mit der Post über eine Beteiligung an der Postbank. Seinem Ziel, bei einer Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft nicht abseits stehen zu wollen, rückt Ackermann damit deutlich näher.

(rheinmain)


 


 

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