Börsenkompass
Die tägliche Einschätzung der Börse
Rhein-Main. Topthema des Tages ist die Konjunkturschwäche, die Inflationserwartungen begrenzt. Gemessen am Preisindex des statistischen Bundesamtes sind die Verbraucherpreise in Deutschland im März um 0,1% gegenüber dem Vormonat angestiegen.
Rentenmarkt & Konjunktur
Als erstklassig geltende Staatsanleihen wurden gestern im Laufe des Tages gestärkt, während italienische und spanische Papiere leicht unter Druck gerieten.
Makrodaten standen gestern lediglich aus der zweiten Reihe auf der Tagesordnung, untermauerten jedoch ein stützendes Umfeld für den Rentenmarkt.
Der Economic Sentiment Indikator für den Euroraum fiel von revidierten 94,5 Punkten im März auf 92,8 im April stärker als erwartet. Zwar besteht ein großes Gefälle zwischen den Kern- und Peripherieländern, allerdings trüben sich die Konjunkturaussichten auch in den Kernländern wieder ein. Das Unternehmervertrauen in Italien büßte ebenfalls ein und fiel im April auf 89,5 Punkte (März revi-diert 91,1). Die Inflationsrate in Deutschland ist im März auf 2,0% (Y/Y) leicht zurückgegangen (Siehe Topthema). Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosengeld in den USA stiegen wieder leicht an, blieben aber mit 388.000 unter der Marke von 400.000. Die schwebenden Hausverkäufe hingegen lieferten ein weiteres Indiz für die Erholung auf dem US-Immobilienmarkt, sie stiegen im März um 4,1%(M/M). In der Nacht senkte S&P das spanische Rating um zwei Stufen von A auf BBB+. Hintergrund sind Konjunktursorgen, sowie die gestiegene Wahr-scheinlichkeit einer erneuten staatlichen Stützung des Bankensektors.
Der Markt wird heute zunächst Sicherheit nachfragen und gespannt auf die Primärmarktaktivitäten von Italien, sowie auf die Daten zum Bruttoinlandsprodukt der USA für das erste Quartal 2012 schauen.
Aktienmarkt
Die europäischen Aktienmärkte zeigten gestern eine uneinheitliche Entwicklung mit negativem Grundton. Hin und hergerissen zwischen überwiegend guten Unternehmensdaten und einigen schwachen Makrodaten (Wirtschaftsstimmung Euroraum, US-Arbeitsmarkt) konnten sich die Märkte nicht für eine klare Richtung entscheiden. Banken (-1,1%) verloren in diesem Umfeld deutlich, wenngleich sich auch defensive Sektoren wie die Telekoms (-0,6%) mit relativer Schwäche zeigten. Letztere litten u.a. unter den Zahlen des belgischen Mobilfunkbetreibers Mobistar (-14%). Überraschend positiv fielen dagegen die Zahlen von VW (+8,7%) aus, die auch die anderen deutschen Autobauer nach oben zogen und den Sektor (+2,7%) zum klaren Tagesgewinner machten, wenngleich Fiat (-5,1%) mit schwachen Zahlen die Gewinne begrenzte. Ebenfalls stark beachtet war die die Aktie von Fresenius, die nach der Meldung des Übernahmeangebotes für Rhön Klinikum erst um rd. 7% einbrach um am Ende mit +2,8% aus dem Markt zu gehen. Die Vorgaben aus Europa sorgten für einen schwachen Start an den US-Märkten, die sich u.a. dank guter Daten vom Immobilienmarkt davon aber erholen konnten und deutlich im Plus schlossen. Von der Unternehmensseite kamen dagegen wenig positive Impulse. Exxon (-0,8%), Dow Chemical (-3,4%) und Pepsi (-0,4%) konnten mit den Quartalszahlen nicht überzeugen. Nachbörslich gelang dies aber Amazon (+14%) und Expedia (+18%), während Starbucks (-4,2%) schwächelte. An den asiatischen Märkten bewegen sich die Indizes per saldo nur wenig. Am jap. Markt sorgte u.a. die mit Enttäuschung aufgenommenen weiteren monetären Unterstützungsmaßnahmen der Bank of Japan für Volatilität.
Topthema des Tages
Konjunkturschwäche begrenzt die Inflationserwartungen
Gemessen am Preisindex des statistischen Bundesamtes sind die Verbraucherpreise in Deutschland im März um 0,1% gegenüber dem Vormonat angestiegen. Die Inflationsrate, d.h. die Preisveränderung innerhalb der letzten zwölf Monate ist von 2,1% auf 2,0% gefallen, da sich der Preisauftrieb bei den Energiepreisen abgeflacht hat.
Ein Blick auf die Umfragen unter Konjunkturforschern zeigt, dass die Forscher ihre Preiserwartungen für 2011 in den letzten Monaten schrittweise nach oben angepasst haben. Der Anstieg der Energiepreise mag hier einen Ausschlag gegeben haben. Aber auch die expansive Geldpolitik der EZB hat si-cher einen Einfluss auf die Erwartungen der Konjunkturanalysten. Vermutlich wären die Preiserwartungen sogar stärker angestiegen, wenn sich die vorlaufenden Konjunkturindikatoren in den letzten Monaten nicht abgeschwächt hätten. So aber ist kaum zu erwarten, dass sich die Kapazitätsauslastung in Deutschland deutlich verbessern wird und damit dürfte auch der Preisdruck dieses Jahr nur verhalten zunehmen.
Die langfristige Preisentwicklung ist naturgemäß schwieriger zu prognostizieren. Wird sich die EZB an der Konjunktur in den Peripherieländern orientieren und mit ihrer Geldpolitik für einen unerwünschten Anstieg der Inflation in Deutschland sorgen? Oder bleiben die Preissetzungsspielräume der Unternehmen so gering, dass ein Inflationsanstieg ausbleiben wird? Die Mehrheit der Konjunkturanalysten geht davon aus, dass auch 2013 die Inflationsrate um die 2% verharren wird. Nach unserer Einschätzung nehmen die Risiken aber zu, schaut man noch weiter nach vorne.
(ots / Commerzbank AG)
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