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Am Rande einer Rezession

Deutschland von Konjunkturschwäche besonders stark betroffen

(bo/ddp.djn). Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Ansicht führender Wirtschaftsforschungsinstitute am Rande einer Rezession. Deutschland sei von der internationalen Konjunkturschwäche in besonderem Maße betroffen, teilten die Institute in ihrem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Herbstgutachten mit. Schließlich sei das Land als Exportnation von der rückläufigen Nachfrage nach Investitionsgütern stark belastet. Wirtschaftsverbände zeigten sich trotzdem zuversichtlich, dass sich die Märkte stabilisieren.

Die Weltwirtschaft befindet sich der Gemeinschaftsprognose zufolge
in einem Abschwung, ausgelöst durch einen weltweiten
rohstoffpreisbedingten Inflationsschub, Korrekturen auf den
Immobilienmärkten und die globale Finanzmarktkrise. Das Ausmaß der
Finanzmarktkrise sei noch nicht absehbar.

Nach Angaben des Konjunkturexperten des Instituts für
Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Udo Ludwig, macht zumindest das von
der Bundesregierung für die Finanzbranche beschlossene Rettungspaket
wahrscheinlich, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach 1,8 Prozent
in diesem Jahr um 0,2 Prozent im kommenden Jahr zulegen wird. In
ihrem Frühjahrsgutachten waren die Experten für 2009 noch von einem
Plus von 1,4 Prozent ausgegangen.

Die Bundesregierung will ihre aktuelle Prognose am Donnerstag in
Berlin vorstellen. Bereits am Montag hatte Bundeskanzlerin Angela
Merkel (CDU) gesagt, dass die bisherigen Annahmen nicht einzuhalten
seien. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires
rechnet die Regierung für 2009 nur noch mit einem BIP-Plus von 0 bis
0,25 Prozent statt bislang 1,2 Prozent. Im vergangenen Jahr war die
deutsche Wirtschaft noch um 2,5 Prozent gewachsen.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI),
Jürgen R. Thumann, äußerte großes Vertrauen, dass sich die Märkte
stabilisieren. Thumann wie auch DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin
Wansleben warnten jedoch vor Konjunkturprogrammen.
«Anti-Rezessionsprogramme lehnen wir ab», betonte Wansleben. Sie
seien teuer und brächten nichts. Bundeswirtschaftsminister Michael
Glos (CSU) zufolge ist es jetzt «die Aufgabe aller Beteiligten - der
Unternehmen, Banken, der Tarifparteien und des Staates», ein
Abgleiten in eine ausgeprägte Rezession zu verhindern.

Nach Einschätzung des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger wurde bei
der Finanzmarktkrise der Boden erreicht. Das Rettungspaket greife,
was sich auch an den Börsen zeige, sagte Bofinger dem Fernsehsender
n-tv.

Kritischer äußerte sich der Generalsekretär des Zentralverbands
des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer: «Von den
bisherigen Antriebskräften der Investitions- und der Exportnachfrage
sind keine positiven Impulse mehr zu erwarten und der private Konsum
bleibt schwach». Das Handwerk werde in besonderem Maße betroffen
sein. Alle Planungen, die zu mehr Belastungen für die Wirtschaft und
für die Bürger führten, gehörten auf den Prüfstand.

(Redaktion)


 


 

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