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Mit Sicherheit ein Streitfall - Die DFL will ein Konzept zum Schutz der Zuschauer durchpauken

Der Streit über ein neues Sicherheitskonzept droht den deutschen Fußball zu spalten. Kurz vor der möglicherweise entscheidenden Sitzung der Profiklubs der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Mittwoch (12. Dezember) zu den umstrittenen Plänen zeichnete sich bei den Vereinen keine einheitliche Linie ab. Fürsprecher und Kritiker brachten sich am Dienstag erneut in Stellung.

Die DFL-Mitgliederversammlung will in Frankfurt am Main über die 16 Anträge des Papiers "Sicheres Stadionerlebnis" befinden. Ziel der Maßnahmen ist unter anderem, dass "Zuschauer sicher und zügig in das Stadion und zu ihren Plätzen gelangen, erforderliche Kontrollen im Interesse aller Besucher sicher, ohne unnötige Verzögerung zumutbar und angemessen durchgeführt werden und dass sich Zuschauer überall im Stadion sicher fühlen können".

Kritiker stören sich vor allem an der mangelnden Einbindung der Fans und an der Eile, mit der das Konzept auf Druck der Länderinnenminister verabschiedet werden soll. Doch das ficht die DFL-Entscheider bislang nicht an. "Das Konzept wird eindeutig am Mittwoch verabschiedet, da habe ich keine Zweifel", sagte Andreas Rettig, der im Januar Geschäftsführer des Ligaverbandes werden soll.

Die DFL-Vordenker ließen sich auch durch die Fan-Proteste nicht beirren. "Wir verstehen deren Reaktionen nicht", sagte Rettig. Auf Vorhaltungen, die Fußball-Funktionäre hätten sich beim Thema Sicherheitsmaßnahmen vor den Karren einiger Politiker spannen lassen, erwiderte der designierte DFL-Geschäftsführer: "Natürlich wirkt einiges etwas populistisch. Schließlich hat die Liga auf Vorgabe der Politik gehandelt. Aber es hilft nicht, rückwärts zu schauen. Jetzt müssen wir sagen: Die Vereine tragen die Verantwortung."

"Murks bleibt Murks"

Doch die Klubs sind gespalten. Während Klubs wie der Hamburger SV auf mehr Zeit und mehr Dialog mit den Fans setzten, signalisierte Eintracht Frankfurt Zustimmung. Mit dem nun überarbeiteten Konzept könne der Verein das Papier in vielen Punkten bejahen, sagte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann in der Sportsendung "Heimspiel" des Hessischen Rundfunks. Der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, Wolfgang Holzhäuser, sprach sich für die bei Fans besonders umstrittenen Ganzkörperkontrollen am Stadioneingang aus. Wenn dringender Tatverdacht vorliege, müsse er als Hausherr das Recht haben, die Leute zu untersuchen oder ihnen den Eintritt zu verwehren, sagte Holzhäuser der "Rheinischen Post". Diese Kontrollen als obligatorische Maßnahme einzuführen, lehnte er aber ab.

Wie der HSV setzte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf eine stärkere Einbindung der Anhängerschaft. "Denn wenn man das nicht macht, dann wird es weitere Auseinandersetzungen geben", warnte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut im dapd-Gespräch. "Dann wird es vielleicht eine weitere Eskalation geben."

Der Fan-Forscher Harald Lange rügte derweil das Vorgehen der Politik, die damit droht, die Polizeipräsenz in den Stadien zu verstärken, sollte das Sicherheitspapier scheitern. Die Kosten dafür sollen die Vereine tragen. "Der Druck der Politik ist überzogen", sagte der Professor für Sportwissenschaften an der Universität Würzburg der dapd. Die Gewaltproblematik im Fußball werde häufig aufgebauscht, die jüngsten Polizei-Statistiken seien nicht so eindeutig. Der Berliner Fan-Anwalt René Lau hält die DFL-Pläne gar für überflüssig: Sie seien zwar nachgebessert worden, sagte der 47-Jährige der dapd. "Aber geholfen hat das nicht. Murks bleibt Murks."

Von Detlef Vetten und Sebastian Engel

(dapd)


 


 

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