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Arbeitnehmer kritisieren Bankenübernahme

Die Commerzbank soll für die Dresdner weitergehende Beschäftigungsgarantien geben

(bo/ddp.djn). Gegen die Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank durch die Commerzbank regt sich Widerstand bei den Arbeitnehmern. Der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte am Montag weitergehende Beschäftigungsgarantien. Die Arbeitnehmervertreter sollen nach einem Medienbericht gegen die Übernahme gestimmt haben. Dagegen lobten Aktionärsschützer das Geschäft. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnete mit günstigeren Krediten besonders für Firmenkunden.

Die Aufsichtsräte von Allianz und Commerzbank hatten dem Verkauf
für 9,8 Milliarden Euro am Sonntag zugestimmt. Der Fusion sollen etwa
9000 der rund 67 000 Stellen bei Dresdner und Commerzbank zum Opfer
fallen, davon rund 6500 in Deutschland. Die Zahl der Filialen der
beiden Banken soll von derzeit rund 1900 auf zirka 1200 reduziert
werden.

Der ver.di-Vertreter im Commerzbank-Aufsichtsrat, Uwe Foullong,
forderte einen Integrationsvertrag, der neben weitergehenden
Beschäftigungszusagen auch Standortzusagen enthält. Die
Online-Ausgabe der Zeitung «Die Welt» berichtete, sowohl bei der
Allianz als auch bei der Commerzbank habe es von Arbeitnehmerseite
Widerstand gegen die Übernahme gegeben. Bei der Allianz sei es bei
der Abstimmung im Aufsichtsrat zu einem Patt gekommen. Alle
Arbeitgebervertreter hätten das Geschäft abgelehnt, weil ihnen die
Zusagen für die Belegschaft der Dresdner Bank nicht ausgereicht
hätten. Nur die Entscheidungsstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden
Henning Schulte-Noelle habe die Transaktion gerettet.
Commerzbank-Betriebsratschef Uwe Tschäge sagte: «Der Kündigungsschutz
bis Ende 2011 war die Grundlage für unsere Zustimmung zu dieser
Transaktion.». Nun komme es darauf an, dass in den nächsten Monaten
gemeinsam mit den Dresdner-Bank-Betriebsräten weitere Zugeständnisse
erreicht werden könnten.

Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger
sagte: «Die Übernahme ist eine gute Lösung für den Standort
Deutschland.» Damit habe Deutschland neben der Deutschen Bank ein
zweites international wettbewerbsfähiges Kreditinstitut. Zudem sei
vorerst die Gefahr gebannt, dass die Commerzbank selbst ins Visier
einer Übernahme geraten könnte. Am Arbeitsplatzabbau in beiden Banken
führe wohl kein Weg vorbei. «Es ist nun einmal auch Sinn von
Übernahmen, Synergieeffekte zu erzielen», sagte er.

IW-Chef Michael Hüther sagte: «Wenn sich zwei Banken zusammentun
und dadurch ihre Verwaltungskosten senken, haben sie größere
Spielräume für wettbewerbsfähige Konditionen.» Privatkunden und
Mittelständler würden vom Verkauf der Dresdner Bank an die
Commerzbank profitieren. «Eine solche Übernahme kann Kredite eher
billiger als teurer machen», sagte Hüther. Außerdem trage die Fusion
dazu bei, das Bankensystem in Deutschland zukunftsfest zu machen.
Beide Häuser bildeten zusammen eine stabilere Struktur.

Nach einem Bericht der «Frankfurter Rundschau» (Montagausgabe)
soll die Commerzbank künftig zwei gleichberechtigte Chefkontrolleure
bekommen. Dem bisherigen Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller solle
der Allianz-Chef Michael Diekmann als gleichberechtigter
Co-Aufsichtsratschef zur Seite gestellt werden, schrieb die Zeitung.
Da die Commerzbank die Dresdner Bank zum Teil mit eigenen Aktien
bezahlt, wird die Allianz größte Einzelaktionärin des fusionierten
Instituts. In dieser Rolle könne sie den Anspruch erheben, den
Aufsichtsratschef zu bestimmen, schrieb das Blatt. Herbert Walter,
Noch-Chef der Dresdner Bank, solle nach der Fusion als einfaches
Mitglied dem weiterhin von Martin Blessing geführten Vorstand der
Commerzbank angehören. Für welches Ressort er die Verantwortung
übernehmen soll, stehe noch nicht fest.

(Weitere Quellen: Foullong in der «Frankfurter Rundschau»; Kunert
in der «Berliner Zeitung»; Hüther in der der «Welt» (Montagausgaben);
Tschäge bei «Welt Online»)

(rheinmain)


 


 

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