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Zwischen Pragmatismus und Galgenhumor

Die Opel-Mitarbeiter am Stammsitz Rüsselsheim geben sich betont gelassen

(bo/ddp-hes). Seit über 30 Jahren arbeitet Arnulf Graef (Name geändert) bei Opel in Rüsselsheim an der Pforte. In dieser Zeit hat er einiges erlebt: Streiks, Kurzarbeitswellen, Entlassungen, aber auch die Einweihung des neuen Werks vor acht Jahren. Die derzeitige Krise bei dem Rüsselsheimer Autobauer nimmt er mit Galgenhumor. «Es geht seit mehr als sechs Monaten drunter und drüber bei uns», sagt Graef. Angst davor, dass er bald entlassen wird, habe er nicht. «Der Werksschutz macht das Licht aus. Wir sind die Letzten, die gehen.»

(Der Autohersteller Opel befürchtet, dass die von der Insolvenz
bedrohte US-Konzernmutter General Motors (GM) Forderungen in
Milliardenhöhe nicht mehr nachkommen könnte. GM schuldet seiner
deutschen Tochter Berichten zufolge derzeit zwei Milliarden Euro.
Deswegen ist laut Opel die Genehmigung von Krediten gefährdet, die
die Entwicklung von 20 neuen Automodellen bis 2012 sicherstellen
sollen. Und deshalb hatten Opel-Vorstand und Betriebsrat in einem
Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um eine Bürgschaft
ersucht. Laut Betriebsrat hat Opel keine Liquiditätsprobleme, die
Bürgschaft sei «eine reine Vorsorgemaßnahme».

Am Montagnachmittag empfing Merkel Opel-Vertreter im Kanzleramt,
um sich über die Lage des Autobauers zu informieren. Das hessische
Kabinett billigte unterdessen einen Gesetzentwurf zur Rettung der
angeschlagenen Automobilindustrie. Ministerpräsident Roland Koch
(CDU) will der Autoindustrie Bürgschaften von bis zu 500 Millionen
Euro gewähren. Am Dienstag wollen Bund und Länder gemeinsam auf einem
Krisentreffen über Finanzhilfen für die Autoindustrie beraten.

Emil Fuchs (Name geändert) lässt sich von diesen Meldungen nicht
aus der Ruhe bringen. Erst seit einer Woche ist der gelernte
Kfz-Mechaniker als Zeitarbeitskraft bei Opel beschäftigt. Gerade die
Arbeitsplätze von Zeitarbeitern gelten als gefährdet, sollte es zum
Stellenabbau kommen. «Ich habe keine Angst. Wenn es bei Opel nicht
mehr geht, dann kommt eben etwas Neues», sagt Fuchs betont gelassen.
Vorher habe er bereits einmal als Vermögensberater gearbeitet. Und:
«Wenn in Deutschland gar nichts mehr geht, muss ich eben auswandern.»

Auch Zeitarbeiter Kurt Pusze ist seit zwei Wochen bei Opel. Bevor
er zum Autokonzern nach Rüsselsheim kam, hat der 46-Jährige bei einer
fleischverarbeitenden Firma gejobbt. Als die Aufträge dort
ausblieben, ging er zu Opel. «Man hört viel in den Medien. Was die
Frau Merkel jetzt daraus macht, das muss man abwarten», sagt Pusze.
Er befürworte die Bürgschaft von Bund und Ländern, weil dadurch
Arbeitsplätze gesichert würden.

Für Pförtner Graef ist das größte Problem die Abhängigkeit von GM.
Eine staatliche Bürgschaft reiche nicht aus, sagt Graef. «Wenn die
Politik schlau wäre, würde der Staat sich an Opel beteiligen, ähnlich
wie bei VW», sagt er. Als eigenständiges Unternehmen könne Opel dann
seine Autos auch wieder weltweit verkaufen und müsse nicht immer
«Bitte-Bitte in den USA machen».

(rheinmain)


 


 

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