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Digitale Arbeitswelt

Hochschulbildung 4.0: Unis müssen bei der Vorbereitung auf die Arbeitswelt umdenken

Die Digitalisierung verändert alle Bereiche der Gesellschaft, auch die akademische Berufswelt. Betroffen sind zunehmend technikferne Berufe, viele akademische Tätigkeiten lassen sich künftig durch Automatisierung ersetzen. Hochschulen bereiten die Studierenden jedoch nicht ausreichend genug auf die neuen Anforderungen einer Arbeitswelt 4.0 vor. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer Studie von Stifterverband und McKinsey.

Der Stifterverband und das Wirtschaftsberatungsunternehmen McKinsey haben die aktuelle Ausgabe des „Hochschul-Bildungs-Reports 2020“ am 6. Juni 2016 in Berlin vorgestellt. Der diesjährige Report mit dem Schwerpunkt „Hochschulbildung für die Arbeitswelt 4.0“ basiert nach Angaben der Initiatoren unter anderem auf einer repräsentativen Umfrage unter 300 Unternehmen in Deutschland.

Digitale Kompetenz stärker gefragt

Demnach gehen 75 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass Verwaltungstätigkeiten automatisiert werden. 39 Prozent rechnen mit dem Wegfall akademischer Berufe und deren Ersatz durch Maschinen. McKinsey-Seniorpartner Jürgen Schröder erwartet allerdings weniger den Wegfall ganzer akademischer Berufe, sondern mehr die Veränderung der Berufsbilder durch digitale Unterstützung: „Akademiker benötigen mehr und tiefergehende digitale Kompetenzen als bisher, beispielsweise in der Auswertung von Statistiken oder in der digitalen Analyse und Beurteilung großer Datenmengen.“ Die Befragung zeige, dass Unternehmen zunehmend den Nachweis solcher Kompetenzen in den Lebensläufen forderten. Wichtig seien zudem Praxiserfahrung und Fremdsprachen; weniger relevant werden hingegen der reine Notenschnitt oder der Ruf einer Hochschule.

„Die meisten großen Arbeitgeber suchen Talente mit den relevanten digitalen Fähigkeiten bereits auch international, damit der knappe Talentpool für sie breiter wird“, beurteilt Solveigh Hieronimus, McKinsey-Partnerin und internationale Arbeitsmarktexpertin, die aktuelle Entwicklung. Damit steige auch der Wettbewerb für Studierende aus dem Inland.

Selbstständiges, kollaboratives Arbeiten statt akademischer Routine

„Unsere Hochschulen bereiten Akademiker nicht ausreichend auf die Arbeitswelt 4.0 vor“, sagte Volker Meyer-Guckel, der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes. Fallen in Zukunft vor allem akademische Routinetätigkeiten weg, dann werde mehr selbstständiges und kollaboratives Arbeiten verlangt. Deshalb sollten Hochschulen ihren Studierenden mehr Wahlmöglichkeiten und Raum für individuelle Schwerpunkte bieten. Wichtig für ein solches individuelles Studium sei die begleitende Einführung eines Kompetenzcoachings, das Studierende bei der Wahl von Modulen berät.

Schon heute gebe es erste Schritte in diese Richtung, beispielsweise das Studium Individuale der Leuphana Universität in Lüneburg oder auch das Modell der Technischen Universität Hamburg-Harburg mit der erweiterten Studieneingangsphase. Individuelleres und praxisorientiertes Lernen werde außerdem durch mehr Flexibilität bei der Wahl der Lernorte möglich.

Hochschulen sollten Meyer-Guckel zufolge deshalb künftig stärker mit anderen Hochschulen, Berufsschulen, privaten Bildungsanbietern und Unternehmen kooperieren. An die neuen Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 müsse sich auch die Didaktik an den Hochschulen anpassen, so Meyer-Guckel: „Wir müssen weg vom konsumierenden, hin zu einem aktiven, kreierenden und auch forschenden Lernen.“ Als Beispiele nannte er dafür interaktive Lernformate wie das „Blended Learning“, das verschiedene Medien und Methoden wie Präsenzunterricht und E-Learning kombiniert.

Auch die Diskussion um das lebenslange Lernen erhalte durch die Anforderungen der Arbeitswelt 4.0 eine noch stärkere Bedeutung. „Deshalb sollten Hochschulen auf dem Weiterbildungsmarkt eine viel stärkere Rolle als bisher spielen“, empfahl Meyer-Guckel. Aus Sicht von Arbeitnehmern seien Abschlüsse von Hochschulen – anders als Zertifikate aus innerbetrieblichen Weiterbildungen – auch über den aktuellen Job hinaus attraktiv.

Insgesamt untersucht der Hochschul-Bildungs-Index, den Stifterverband und McKinsey seit 2013 jährlich erheben, sechs Handlungsfelder: chancengerechte Bildung, beruflich-akademische Bildung, quartäre Bildung, internationale Bildung, Lehrer-Bildung und MINT-Bildung. Unterm Strich hat sich der Index nach Einschätzung der Initiatoren „im vergangenen Jahr zwar positiv entwickelt, aber nicht schnell genug“. Eine Punktlandung habe es beim Akademikerbedarf gegeben: Nach aktuellem Stand werde der für Deutschland notwendige Bedarf an Akademikern langfristig gedeckt werden können. Eine weitere positive Entwicklung gebe es bei der internationalen Bildung: Mittlerweile stammt jeder vierte Studienanfänger an ostdeutschen Universitäten aus dem Ausland. Die Hochschulen haben sich beispielsweise durch mehr englischsprachige Studiengänge und eine ausgeprägte Willkommenskultur attraktiv für ausländische Studierende gemacht.

Der Hochschul-Bildungs-Report ist zu finden unter www.hochschulbildungsreport2020.de

(Redaktion)


 


 

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