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Ein bisschen Wärme für die Ärmsten - Frankfurter Katharinenkirche an der Hauptwache startet ihre jährliche Winterspeisung für Obdachlose

(bo/ddp-hes). Dieses Jahr ist es wieder besonders schlimm. «Der Winter verdient seinen Namen», sagt Volker. Während die meisten Menschen gerade mal über kalte Füße, zugefrorene Autoscheiben oder glatte Straßen klagen können, machen die zum Teil zweistelligen Minusgrade dem 49-Jährigen ganz anders zu schaffen. Bei ihm geht es ums nackte Überleben. Denn Volker ist seit 1986 «mit kurzen Unterbrechungen» obdachlos, erzählt er. Angebote wie die Winterspeisung in der Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache nimmt er deshalb gerne an: «Sonst taut man an diesen frostigen Tagen ja gar nicht mehr auf.»

Es ist Dienstagmittag, kurz nach zwölf Uhr. Im Eingangsbereich der
Kirche stehen sieben lange Tischreihen, alle hübsch gedeckt mit
grünen Tischdecken, Tulpensträußen und gelben Servietten. 140 Plätze
für hungrige Frankfurter, die keine Wohnung oder kein Geld für eine
ordentliche warme Mahlzeit haben. Der Andrang ist groß, kein Platz
bleibt lange leer. Junge Mütter mit ihren Kindern sitzen ebenso hier
wie ältere Herren mit Mantel und Hut. «Wir haben nicht den typischen
Gast», sagt Bernhard Klinzing von der Katharinengemeinde, die schon
seit mehr als 20 Jahren den Januar über kostenlos Essen ausgibt.

Heute gibt es Lasagne, die gut gefüllten Teller sind in Windeseile
leer. «So, jetzt bin ich aber satt», sagt Volker, steht auf und
bringt sein Geschirr zur Sammelstelle. Seine Tasse behält er noch
eine Weile. Denn Tee gibt es in der Katharinenkirche ebenfalls
kostenlos und soviel man will. Bis zu 300 Essen werden von den 30
ehrenamtlichen Helfern jeden Tag verteilt, erzählt Klinzing. 35 000
Euro kostet die Winterspeisung jährlich, finanziert wird sie allein
durch Spenden. Vier Wochen lang findet sie in der Katharinenkirche
statt, im Februar wird sie von der Hoffnungsgemeinde am Hauptbahnhof
für weitere vier Wochen übernommen.

Neben einer kostenlosen warmen Mahlzeit will die Gemeinde den
Hilfsbedürftigen zumindest für ein paar Stunden am Tag eine wärmende
Zuflucht bieten. Entstanden ist die Idee der Winterspeisung, nachdem
im Winter «vor etwa 21 Jahren» mehrere Obdachlose in Frankfurt wegen
der klirrenden Kälte erfroren, erinnert sich Klinzing. Ab 11.30 Uhr
hat die Katharinenkirche im Januar täglich geöffnet, zuerst gibt es
Mittagessen, «danach machen viele ein Nickerchen», sagt Klinzing.
Geschlafen wird auf den Kirchenbänken. Am frühen Nachmittag werden
ein paar belegte Brote und Obst ausgeteilt, um 16.00 Uhr gibt es für
jeden noch ein Vesperpaket, bevor die Kirche ihre Pforten schließt.

Maria Varvelli packt seit zwei Jahren als Helferin mit an. «Ich
habe Zeit und kann sie hier sinnvoll nutzen», sagt sie. Sie würde
sich schließlich auch freuen, wenn man sich Zeit für sie nähme, wenn
sie Hilfe bräuchte. «Wenn ich mitgeholfen habe, gehe ich mit einem
Glücksgefühl nach Hause», erzählt sie. Das habe sie früher nach elf
Stunden Büroarbeit nicht gehabt. Die Menschen hier seien so dankbar,
die beim ersten Besuch oft vorhandene anfängliche Scheu und
Schüchternheit lege sich meist schnell. «Es muss niemandem peinlich
sein, wenn er zu uns zum Essen kommt», betont Varvelli.

Volker sieht das genauso. «Klar, egal wo ich hingehe, werde ich
schief angeschaut und wie ein Kleinkrimineller behandelt», sagt er.
Entspannt durch ein Kaufhaus bummeln sei unmöglich, sofort werde er
von den Sicherheitskräften nach draußen gebracht. «Aber nur weil ich
keine Wohnung habe, bin ich doch kein schlechterer Mensch», sagt er.
Seit vielen Jahren zieht der gebürtige Frankfurter immer mal wieder
von einer Stadt in die nächste, immer wieder versucht er sein Glück
auf den jeweiligen Wohnungsämtern. Doch die Wartelisten für einen
Wohnheimplatz seien lang, sagt er. Es klingt ziemlich resigniert.

Im Moment schläft der 49-Jährige in der sogenannten B-Ebene der
Hauptwache, der unterirdischen Einkaufspassage. Seit mehreren Jahren
stellt die Verkehrsgesellschaft Frankfurt die B-Ebene in den kalten
Monaten den Wohnungslosen als Schlafplatz zur Verfügung. «Das ist
toll», sagt Volker. «Man friert nicht und wird sogar noch von den
U-Bahn-Sheriffs bewacht, dass einem nichts passiert.»

(Redaktion)


 


 

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