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Pkw-Umrüstung auf Gasbetrieb

Eine Frage der Kalkulation

(bo/ddp.djn). Die Benzinpreise fallen, und zumindest für die nächsten Wochen dürfte sich daran wenig ändern. Gleichwohl wächst das Angebot an gasbetriebenen Pkw und an Nachrüstlösungen. Das ist sinnvoll, denn längerfristig - da sind sich die Fachleute einig - wird der Preis für Benzin und Diesel wieder anziehen. Sparfüchsen, die ihr Auto mit Gas antreiben, kann zwar der Benzinpreis egal sein, doch ob sich ihre Energieentscheidung wirklich rechnet, ist ungewiss. Denn eine Umrüstung auf Autogas ist deutlich unrentabler geworden, weil die Preise für Autogas im Gegensatz zu Benzin kaum gesunken sind.

«Bis die Umbaukosten von 2000 bis 3000 Euro wieder eingefahren sind, muss ein Auto im Durchschnitt 73 000 Kilometer zurücklegen», rechnet Jochen Oesterle vom ADAC vor. Bei einem Kostencheck des Autoclubs vor drei Jahren waren es 60 000 Kilometer, im Sommer 2008 aufgrund der überdurchschnittlich hohen Spritpreise nur 51 000 Kilometer bis zur Rentabilitätsgrenze. Sollte der Benzinpreis wieder steigen, «kann die Umrüstung für Vielfahrer im Einzelfall aber wieder eine günstige Alternative zum Benziner sein», sagt Oesterle.

So ähnlich sehen es wohl auch viele Autobesitzer und so bescherten die hohen Spritpreise den Werkstätten im zu Ende gehenden Jahr einen wahren Umrüstboom. Wurden beispielsweise in den Service-Centern von TÜV Süd in den ersten sechs Monaten 2007 bei 2140 Autos Gas-Nachrüstanlagen begutachtet, war die Zahl im ersten Halbjahr 2008 mit 4890 mehr als doppelt so hoch: «Ein Ende dieses starken Trends ist nicht absehbar», sagt TÜV-Süd-Experte Johann Meyer.

Bis 2018 will sich der Fiskus beim Gas zurückhalten. Bei der Kfz- Steuer gelten die im Vergleich zum Diesel deutlich günstigeren Sätze für Benzinmotoren. Zudem fördern in fast allen Regionen Deutschlands örtliche Erdgasversorger den Kauf eines Erdgasautos. Manche zahlen einen direkten Zuschuss. Andere geben eine bestimmte Menge Gas kostenlos ab. Es handelt sich um durchaus nennenswerte Beträge von nicht selten 500 bis 1000 Euro, in Einzelfällen sogar bis zu 2000 Euro.

Unter erdgasfahrzeuge.de oder gibgas.de gibt es Informationen zu Modellen, Förderung und vor allem eine Übersicht der Tankstellen. Über Flüssiggas informiert die Seite autogastanken.de.

Beide Gassorten, Erdgas wie Autogas/Flüssiggas, sind als Kraftstoff gebräuchlich. Weil man ein Auto aber nur mit einem von beiden betreiben kann, muss man sich vorher entscheiden: CNG (Compressed Natural Gas) bezeichnet Erdgas, das auch im Haushalt verwendet wird. An ausländischen Tankstellen steht oft auch nur Methan, abgekürzt: M. Die Abkürzung LPG (Liquified Petroleum Gas) steht für Flüssiggas, meist Autogas genannt. Dabei handelt es sich um ein Nebenprodukt, das bei der Erdölraffination entsteht.

Für Erdgas gilt das Gewicht als Grundlage für die Preisauszeichnung. Ein Kilogramm dieses Gases bringt das Auto ungefähr so weit wie 1,5 Liter Superbenzin. Wegen der großen Preissprünge beim Benzin sind exakte Vergleiche schwer. Im Schnitt kostet das Fahren mit Erdgas im Vergleich zu Benzin aber rund die Hälfte. Autogas scheint an der Preistafel zunächst noch preiswerter zu sein. Es wird allerdings wie Benzin per Liter berechnet, und der Autofahrer muss nahezu zwei Liter Autogas kaufen, um die gleiche Energiemenge wie bei einem Kilogramm Erdgas zu erhalten. Unter dem Strich ist Autogas nach den Erkenntnissen von TÜV Süd deshalb rund 30 Prozent teurer als Erdgas.

Die Umrüstung auf Autogas ist einfach und kostet normalerweise zwischen 1800 und 3500 Euro, je nach Modell, sagt TÜV-Fachmann Meyer. Inzwischen bieten Umrüster Gaslösungen für alle gängigen, auch ältere Fahrzeugtypen an. Grundsätzlich lassen sich alle Benziner - selbst solche mit Vergaser - umrüsten. Je nach Modell können die Kosten aber stark steigen, weil beispielsweise Spezialanfertigungen nötig werden. Mit Kosten bis zu 5500 Euro ist die Umrüstung auf Erdgas aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu empfehlen. Viele Hersteller bieten inzwischen Neufahrzeuge mit Erdgasbetrieb an. Sie sind rund 2800 bis 5500 Euro teurer als Benziner. Vereinzelt sind sie aber zum gleichen Preis erhältlich wie ein Diesel.

Wer auch im Gasbetrieb auf vollständige Gewährleistung nicht verzichten will, sollte werkseitig umbauen lassen. Hierzulande bieten vor allem Ford, Opel und VW solche Umbauten in eigens gegründeten Tochterunternehmen an. Das gilt für beide Gasarten. Motoren und andere Komponenten sind bei diesen Fahrzeugen für den Gasbetrieb optimiert. So sorgen härtere Kolben und Ventilsättel für ausreichende Stabilität bei der (mit 105 Oktan) heißeren und trockeneren Gasverbrennung. Bei freien Umrüstern hingegen ist die Gewährleistungslage eher unübersichtlich, weiß TÜV-Fachmann Meyer. Fahrzeughersteller schlössen nach einem solchen Umbau oft jegliche Gewährleistung aus.

(Redaktion)


 


 

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