Energie und Strom
Atomausstieg nagt nach wie vor am Energieriesen EnBW
Rhein-Main. (bo/dapd). Der drittgrößte deutsche Energieversorger EnBW hat nach dem beschlossenen Atomausstieg das Tal der Tränen noch nicht überwunden, aber die Geschäfte laufen ganz ordentlich.
Der Ausstieg aus der Atomwirtschaft beeinträchtigt noch immer Deutschlands drittgrößten Energieversorger, der allerdings mit Deinvestitionen erfolgreich versucht das Ruder wieder auf Kurs zu lenken.
Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag im ersten Quartal 2012 mit 914,8 Millionen Euro um 4,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums, wie der Konzern am Dienstag in Karlsruhe mitteilte.
Mit über 16 Prozent war der Rückgang im Geschäftsfeld "Strom-Erzeugung und Handel" besonders deutlich. Grund dafür waren den Angaben zufolge die Abschaltung von zwei der vier Atomkraftwerke des Konzerns sowie rückläufige Preise auf den Großhandelsmärkten.
Hohes Wachstum erzielten dagegen die Geschäftsfelder Gas sowie Energie- und Umweltdienstleistungen, die um mehr als ein Viertel beziehungsweise über ein Fünftel zulegten. Ein um mehr als 27 Prozent gesteigerter Absatz ließ das Ebitda im Geschäftsfeld Gas um 3,1 Prozent auf 104,4 Millionen Euro steigen. Bei den Energie- und Umweltdienstleistungen legte das Ebitda um 9,1 Prozent auf 77,9 Millionen Euro zu.
"Auch wenn die Zahlen für die ersten drei Monate des aktuellen Jahres ermutigend sind, unterliegt die Geschäftsentwicklung der EnBW weiterhin erheblichen Belastungen", sagte der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis.
Desinvestitionsprogramm wirkt sich positiv auf Ergebnis aus
Der lange Zeit stark von der Atomkraft abhängige Konzern versuchte im vergangenen Jahr mit einer Reihe von Gegenmaßnahmen, das Ruder herumzureißen. Insbesondere ein Desinvestitionsprogramm zeigt jetzt erste Wirkung und ließ den Überschuss für die ersten drei Monate um fast die Hälfte auf 561,5 Millionen Euro steigen. Allein durch die Trennung von Beteiligungen erwirtschaftete EnBW 96,1 Millionen Euro. Rechnet man diesen und andere Sondereffekte heraus, verringerte sich der Überschuss leicht um 1,7 Prozent auf 470,3 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 1,4 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro.
EnBW hatte im vergangenen Jahr einen Konzernfehlbetrag von 867 Millionen Euro eingefahren, nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2010. Vor allem die Energiewende und die Kernbrennstoffsteuer schlugen ins Kontor des Energieversorgers. Um das Unternehmen zu stabilisieren, setzt EnBW unter anderem auf Deinvestitionen von rund 500 Millionen Euro und eine Hybridanleihe von einer Milliarde Euro. Außerdem stehen Effizienzsteigerungen bis Ende 2014 von jährlich 750 Millionen Euro auf dem Programm.
Das wirkt sich auch auf die Beschäftigtenzahl aus. Sie sank bis Ende März um vier Prozent auf 20.347 Mitarbeiter.
Der Ende September aus dem Vorstand scheidende Villis sieht den angeschlagenen Konzern erst in zwei Jahren wieder auf der Erfolgsspur. Er rechne für das laufende Jahr mit einem um 10 bis 15 Prozent reduzierten operativen Ergebnis, sagte Villis auf der Hauptversammlung im April. Dieser Trend werde sich noch 2013 fortsetzen. Dann verantwortet der neue Vorstandsvorsitzende Frank Mastiaux die Entwicklung. Der von E.on kommende Manager löst Villis im Oktober ab.
(Matthias Jekosch)
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