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Asiatische Unternehmen wollen von der Euro-Schuldenkrise profitieren

Asiatische Unternehmen suchen angesichts der Euro-Schuldenkrise weitaus gezielter nach Investitionsmöglichkeiten in Europa als ihre Konkurrenten aus anderen Regionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des internationalen Beratungsunternehmens FTI Consulting

Die FTI-Studie zur Euro-Schuldenkrise basiert auf einer Umfrage unter mehr als 800 Unternehmenslenkern in Asien, Nordamerika und dem Nahen Osten, in der insbesondere nach den Reaktionen auf die anhaltenden Turbulenzen gefragt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass 45 Prozent der asiatischen Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten strategische Akquisitionen in Europa anstreben. Im Nahen Osten sowie in Nordamerika liegt der Vergleichswert hingegen nur bei 14 beziehungsweise sieben Prozent.

 Insgesamt zeigt die Untersuchung eine überaus zuversichtliche Stimmung in Asien auf: 67 Prozent der Unternehmen in dieser Region planen, in Innovationen zu investieren, 50 Prozent in organisches Wachstum. Europa wird von asiatischen Unternehmen als überaus attraktive Region für Akquisitionen gesehen - nur ein eher kleiner Teil akquisitionswilliger Unternehmen (35 Prozent) sieht sich nach strategischen Zukäufen außerhalb der Eurozone um.

   Unternehmenslenker in Nordamerika und dem Nahen Osten sehen sich im Vergleich zu asiatischen Konkurrenten selbst den wirtschaftlichen Problemen Europas eher weniger ausgesetzt. So geben 70 Prozent der Führungskräfte in Nordamerika an, ihre Geschäfte seien bisher von der Euro-Krise unbeeinträchtigt. Von den von der Krise Betroffenen stellen 25 Prozent einen negativen und nur sechs Prozent einen positiven Effekt fest. Ähnlich wird es im Nahen Osten gesehen, wo 38 Prozent der Befragten eine nachteilige und 16 Prozent eine positive Auswirkung verzeichnen. Im Gegensatz dazu sind 73 Prozent der asiatischen Unternehmen betroffen - jeweils etwa hälftig positiv und negativ.

   Mark Malloch-Brown, Chairman von FTI Consulting, EMEA:

"Unternehmen außerhalb Europas sind sicherlich in gewissem Maße erleichtert, dass sie sich nicht selbst im Zentrum der Krise befinden. Zugleich herrscht aber auch Sorge vor ansteckenden Auswirkungen auf die eigenen Märkte. In jeder Zeit systemischer Störungen gibt es aber Gewinner und Verlierer. Vermögenspreise sind deutlich gefallen, was bedeutet, dass findige Investoren eben hiervon profitieren können. Über die nächsten zwölf Monate wird es erhebliche Verschiebungen bei Eigentumsverhältnissen geben. Daraus resultieren Risiken und Chancen für Unternehmen innerhalb wie außerhalb der Eurozone. Unsere Studie zeigt dabei, dass vor allem asiatische Unternehmen die richtigen Voraussetzungen - und, vielleicht noch

wichtiger: die richtige Mentalität - mitbringen, um von den Veränderungen zu profitieren."

   Weitere Ergebnisse der Umfrage von FTI Consulting

   Aus für den Euro in 2012?

   Die FTI-Studie zeigt, dass die Mehrheit der Unternehmenslenker außerhalb der Eurozone davon ausgeht, dass der Euro überlebt. Dennoch glauben immerhin 31 Prozent der Befragten, der Euro werde das Jahr

2012 nicht überstehen. Und sogar 64 Prozent der Befragten halten es für möglich, dass mindestens eines der 17 Mitgliedsländer bis Ende

2012 aus der Währungsunion aussteigen wird. Diese Einschätzungen lassen sich in etwa gleichem Umfang in Nordamerika, Asien und im Nahen Osten finden. Vor diesem Hintergrund bereiten sich viele Unternehmen auf den Ernstfall vor: 63 Prozent der Befragten werden in ihren Geschäftsverträgen mit Euroländern Änderungen einfordern, die Ausstiegsszenarien berücksichtigen, oder haben dies sogar bereits getan.

   Deutschland soll den wirtschaftlichen Aufschwung anführen

   Die Erwartungen an Deutschland sind in der internationalen Geschäftswelt hoch. 83 Prozent der Befragten glauben, dass Deutschland den wirtschaftlichen Aufschwung innerhalb der EU anführen wird. Für die nächsten zwölf Monate gehen 31 Prozent der außereuropäischen Unternehmen davon aus, Geschäfte in Deutschland zu tätigen. Damit liegt Deutschland an der Spitze der Euroländer, vor Frankreich (28,3 Prozent) und Italien (22,7 Prozent).

   Bundeskanzlerin Angela Merkel wird für ihr Management der Euro-Schuldenkrise am besten bewertet. Sie erhält nach dem Urteil der Befragten 6,3 von möglichen zehn Punkten. Kein anderer europäischer Regierungschef wird positiver bewertet als sie. Zum Vergleich:

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron kommen jeweils nur auf 5,6 Punkte.

   Unternehmen erwarten von ihren Regierungen Unterstützung für die europäische Wirtschaft

   Über zwei Drittel (69 Prozent) der außereuropäischen Unternehmen wünschen sich die Unterstützung ihrer eigenen Regierungen für die EU bei der Bewältigung der Krise. Insbesondere in Asien zeigt sich diese Haltung (78 Prozent), was angesichts des hohen wirtschaftlichen Interesses an und in Europa nicht überraschend erscheint. Doch selbst in Nordamerika wird ein staatliches Eingreifen stark befürwortet - und dies obgleich sich die USA in der Vorbereitung der Präsidentschaftswahlen befinden. Dies signalisiert, dass Unternehmen in den USA und Kanada bei einer Vertiefung der Eurokrise auch für sich eine wirtschaftliche Abkühlung erwarten.

   Uneins sind die Ansichten darüber, ob die Lösung der Krise in wirtschaftlicher oder politischer Verantwortung liegt. Eine knappe Mehrheit von 56 Prozent favorisiert eine marktwirtschaftliche gegenüber einer politikgetriebenen Lösung. In Asien unterstützen dies

60 Prozent, in Nordamerika 56 Prozent und im Nahen Osten etwa 50 Prozent.

(FTI)


 


 

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