Katja Apelt, Frankfurt
Marketing-Tipp vom Experten
Rhein-Main. Katja Apelt arbeitet als Food- & Weinjournalistin und berät Weingüter in Kommunikationsfragen. Sie ist Weinakademiker und Master of Wine-Studentin.
Welchen Markt-Herausforderungen müssen sich Weingüter in Deutschland heute stellen?
Der Markt für Wein ist sehr global und dadurch extrem konkurrenzgeprägt. Während beispielsweise kein Mensch auf die Idee käme, Dosensuppen, Orangensaft oder Toastbrot nach der Herkunft auszusuchen, stellen sich Konsumenten beim Kauf jeder Flasche Wein automatisch die Frage: Deutschland, Frankreich, Chile oder was? Immerhin rund 50 Prozent der Weine, die in Deutschland getrunken werden, kommen nicht von hier. Für unsere Winzer ist das ein extrem kompetitives Umfeld.
Eine außergewöhnliche Situation übrigens: In anderen weinproduzierenden Ländern wie Frankreich, Italien oder Spanien kommen über 90 Prozent der konsumierten Weine aus dem eigenen Land, stammen meist sogar direkt aus der Region, in der sie auf den Tisch kommen. Da machen wir es unseren Weingütern schwieriger. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Winzer nicht nur einen guten Wein herstellen, sondern auch die gegebenen Mittel nutzen, um auf ihn aufmerksam zu machen.
Welche Mittel sind das?
Sicherlich sind das alle klassischen PR-und Marketinginstrumente von guten Pressekontakten und –veranstaltungen über Tastings und Events für verschiedene Zielgruppen, Präsentationen am Point-of-Sale und neuen Produkten für neue Zielgruppen bis hin zu Sponsoring und Co. Sehr wichtig in der Kommunikation nach außen sind heute aber auch die Neuen Medien. 72 Prozent der Deutschen nutzen das Internet regelmäßig. Klar, dass eine Webseite da zum Standard gehört. Eine statische Präsenz, also eine bloße Visitenkarte reicht als Internetstrategie aber nicht mehr aus. Denn das Netz 2.0 ist interaktiv. An allen möglichen Stellen werden Meinungen verbreitet, ausgetauscht und weitergegeben, per mobilem Internet auf IPhone und ähnlichen Smartdevices überall abrufbar.
Die Weinkritik wird demokratisiert. Es wird getwittert und gebloggt, was das Zeug hält, die Facebook-Community zählt heute rund 500 Millionen Nutzer, Web-Wein-TV ist längst keine Nische mehr und auf Weinplattformen wie CellarTracker (www.cellartracker.com) kann jeder seine Weinbewertungen einstellen. 1,4 Millionen Weinbesprechungen sind so allein auf dieser US-Webseite bereits zusammen gekommen. Der Wille, sich über Wein auszutauschen, scheint unerschöpflich. Jeder hat eine Stimme und gezielt eingesetzt, verhallt sie im Web keinesfalls. Schließlich suchen Menschen angesichts der Vielfalt im Weinregal gerade auch im Internet nach Informationen.
In einer entpersonalisierten Welt, in der Wein im Web oder Supermarkt gekauft wird, mutieren Blogger zu Weinfachberatern. Dieser Gedanke ist in manches Geschäftsmodell bereits integriert: Im Online-Weinshop Naked Wines (www.nakedwines.com) mit seinen 80 000 Kunden geben 44 Prozent aller Kunden eine Bewertung des Weines ab, den sie gekauft haben, und helfen so anderen Kunden bei ihrer Entscheidung und Naked Wines bei der Zusammenstellung des Weinportfolios.
In diesem hochkommunikativen Umfeld ist es für Winzer wichtig, den Stimmen zuzuhören und selbst in die Kommunikation einzusteigen. Sichtbare Interaktion etwa auf Facebook oder Twitter ist essentiell, je persönlicher, desto besser. Denn auch diese beiden Social Media Plattformen sind keine reinen Verlautbarungsmedien, sondern leben vom interessanten Austausch. Darüber hinaus bietet das Internet viele andere Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen. Aktionen wie Wein 2.0 – ein Projekt bei dem eine Community den Weinwerdungsprozess mitbestimmt (und den Wein hinterher kauft) zeigen, wohin die Reise gehen kann.
Mein Marketingtipp für Winzer? Kümmern Sie sich um Ihre Web2.0-Strategie!
Kontakt zu Katja Apelt (Tel. 0173/6125561) über Facebook, Xing und Twitter.
(Tina Meyer)
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