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Quo vadis, Ölpreis?

Experten sind sich uneinig über die Entwicklung im nächsten Jahr

(bo/ddp.djn). Quo vadis, Ölpreis? Diese Frage beschäftigt im Moment viele Marktakteure. Ist nach dem beispiellosen Einbruch der vergangenen Monate nun bereits das schwärzeste Rezessionsszenario eingepreist? Oder werden sich Autofahrer im kommenden Jahr über einen Benzinpreis von unter einem Euro freuen können? Die Deutsche Bank schließt einen weiteren Rückgang des Ölpreises bis auf 30 Dollar pro Barrel (159 Liter) nicht aus. Optimisten sprechen dagegen bereits wieder von 100 Dollar und mehr. Die Meinungen gehen weit auseinander, die Karten werden neu gemischt.

Zuletzt schien es beim Ölpreis kein Halten mehr zu geben. Am
Freitag fiel der Preis für ein Fass Leichtöl der Sorte Light Sweet
Crude auf 40,50 Dollar, ein Vierjahrestief. Zur Erinnerung: Noch
nicht einmal fünf Monate ist es her, da stieg der Preis auf das
Allzeithoch von mehr als 148 Dollar. Um mehr als 100 Dollar oder rund
70 Prozent ist der Preis für den nach wie vor wichtigsten
Energieträger seitdem eingebrochen. Das ist selbst in der bewegten
Geschichte des Öls einmalig.

Der Ölpreis spiegelt in erster Linie Konjunkturerwartungen, und
die sind auf einem Tiefpunkt angekommen. «Wann immer die globale
Industrieproduktion um weniger als zwei Prozent gestiegen ist, sind
die Rohstoffpreise in den folgenden sechs Monaten gefallen»,
konstatiert ein Experte der Bank Credit Suisse. Die
Industrieproduktion werde weltweit voraussichtlich noch bis April
2009 nachgeben. «Zumindest bis Mitte 2009 dürften die Rohstoffpreise
also nicht nachhaltig steigen», heißt es weiter bei der
schweizerischen Bank.

Einig sind sich Experten, dass vor allem die USA, China und die
Schwellenländer im kommenden Jahr weniger Öl nachfragen werden. «Die
Nachfrage der Emerging Markets wirkt derzeit noch stabilisierend,
könnte aber 2009 erstmals schwächeln», sagte Carsten Fritsch von der
Commerzbank. China und die Schwellenländer waren dank ihrer stark
expandierenden Wirtschaft die Preistreiber.

Offizielle Schätzungen lauten noch immer auf eine stagnierende
oder gar steigende Nachfrage. So rechnet die Internationale Energie
Agentur (IEA) damit, dass 2009 täglich 350 000 Barrel Rohöl mehr
verschifft werden als im laufenden Jahr. Das US-Energieministerium
ist vorsichtiger: «Die weltweite Ölnachfrage dürfte 2009 mehr oder
weniger unverändert sein.» In Washington rechnet man damit, dass die
Nachfrage der nicht der OECD angehörenden Staaten wie Russland,
China, Indien oder Brasilien den Nachfragerückgang der
OECD-Industrienationen ausgleicht.

Größter Ölverbraucher sind unverändert die USA. Laut Credit Suisse
ist die Nachfrage dort aber im November im Vergleich zum Vorjahr um 9
Prozent gefallen. Von der Spitze zu Beginn 2007 sei die Nachfrage
sogar um 16 Prozent eingebrochen. Im Gegenzug füllten sich bei den
Ölproduzenten die Lager. Die Produktion der OPEC werde demnächst um
mehr 5 Prozent unter ihren Möglichkeiten bleiben - und die
Förderleistung werde in den kommenden fünf Jahren auch auf diesem
gedrosselten Niveau verharren.

Befragte Experten von 32 Banken und Instituten rechnen für 2009 im
Mittel mit einem Ölpreis von 72,80 Dollar pro Barrel der Sorte Texas
Intermediate. Das wäre ein Anstieg von mehr als 40 Prozent. Am
Teminmarkt muss man aktuell für ein Fass zur Lieferung im Dezember
2009 knapp 58 Dollar zahlen. Der Markt preist also bereits wieder
steigende Preise zum Ende des nächsten Jahres ein.

Die Gründe hierfür liegen gerade im starken Preisverfall, auch
wenn dies auf den ersten Blick paradox erscheint. Bei einem Ölpreis
unter 50 USD dürfte das weltweite Angebot immer mehr ausdünnen. Die
OPEC, durch den Preisrutsch in Bedrängnis geraten, fördert seit dem
1. November täglich 1,5 Millionen Barrel weniger Rohöl. Bislang
scheinen sich die OPEC-Mitglieder laut Beobachtern im Großen und
Ganzen an die Kürzung zu halten. Und die OPEC dürfte am 17. Dezember
beim Treffen in Algerien die Produktion nochmals drosseln.

Quelle Foto: www.pixelio.de

(rheinmain)


 


 

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