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Stimmung in deutscher Wirtschaft

EZB bangt um Preisstabilität

(bo/ddp.djn) Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so schlecht wie nie zuvor. Der wichtigste Stimmungsindikator - der Ifo-Geschäftsklimaindex - sank von 85,8 Punkten im November auf 82,6 Punkte, wie das Ifo-Institut am Donnerstag in München mitteilte. Der Index setzte damit seine seit über einem Jahr anhaltende Abwärtsbewegung fort und erreichte den tiefsten Stand seit der Berechnung des gesamtdeutschen Index 1991. Auch aus Sicht des Bundeswirtschaftsministeriums haben sich die Aussichten «weiter verschlechtert». Unterdessen befürchtet das EZB-Mitglied Jürgen Stark angesichts der staatlichen Programme zur Eindämmung der Krise um die Stabilität des Euro.

Beim Ifo-Geschäftsklimaindex hatten Experten durchschnittlich lediglich mit einem Rückgang auf 84,1 Punkte gerechnet. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn verwies darauf, dass der Geschäftsklimaindex einen ähnlich niedrigen Wert in der zweiten Ölkrise Ende 1982 angenommen habe. Allerdings hatte es sich damals noch nicht um den gesamtdeutschen Index gehandelt. Im Dezember werde der Abschwung vor allem die Hersteller von Export- und Investitionsgütern, weniger den Einzelhandel und das Baugewerbe erfassen, erklärte Sinn. Das vierte Quartal dieses Jahres werde als das mit dem schlimmsten industriellen Zusammenbruch in die deutsche Geschichte eingehen, sagte ING-Volkswirt Carsten Brzeski. Es sei noch unklar, wie lange die gegenwärtige Rezession dauern werde. Nach Angaben des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) gibt es nur noch die Möglichkeit, die Entwicklung durch angemessene Konjunkturprogramme positiv zu beeinflussen. Ein Programm könne die Wirtschaft so weit beleben, dass statt der erwarteten Schrumpfung um 1,8 Prozent im kommenden Jahr ein Wachstum von 1,0 Prozent entstünde.

Dafür muss das Konjunkturpaket laut IMK ein Volumen von 50 Milliarden Euro haben. Ein Großteil davon müsse als öffentliche Investitionen verwendet werden. Weiterhin sollten alle Länder des Euroraums koordinierte Konjunkturprogramme auflegen. Rund 20 Milliarden sollten für Konsumgutscheine aufgewendet werden.

Das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Stark, sieht die Ausgabenprogramme der Regierungen hingegen kritisch. «Wir müssen sehr aufpassen, dass eine solche Politik nicht zu erneuten Übertreibungen und steigender Inflation führt», sagte er dem «Manager Magazin» und forderte, dass Notenbanken und Regierungen «auf einen restriktiveren Kurs umschwenken» müssten, sobald die unmittelbare Krise vorbei sei.

Nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministeriums wird diese jedoch andauern. Die von den Finanzmärkten ausgehenden Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung blieben wieter unklar, hieß es im Monatsbericht. Es zeige sich bislang keine Trendwende der derzeit schwachen Entwicklung. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vierten Quartal habe sich sogar verstärkt fortgesetzt.

Wie viele andere Einrichtungen sieht das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) Deutschland in einer tiefen Rezession. «Die Konjunktur- und Finanzkrise trifft Deutschland besonders hart, weil weltweit der Investitionsaufschwung gestoppt und die deutsche Wirtschaft damit trotz hoher Wettbewerbsfähigkeit an ihrer exponiertesten Stelle getroffen wird», hieß es. Das IWH erwartet für 2009 einen BIP-Rückgang von 1,9 Prozent.

(Redaktion)


 


 

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