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Pannenserie

Fernverkehrs-Chef der Bahn muss gehen

(bo/dapd). Der Vorstandschef der Bahn-Tochter DB Fernverkehr AG, Nikolaus Breuel, muss seinen Posten räumen. Das will der Aufsichtsrat des Unternehmens am Freitag in einer außerordentlichen Sitzung beschließen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd soll Berthold Huber, zurzeit Personalvorstand des Schwesterunternehmens DB Netz AG, Breuels Nachfolge antreten. Ein Konzernsprecher nahm zu dieser Nachricht am Mittwoch nicht Stellung. Die Personalie wurde als Konsequenz aus der Pannenserie der letzten anderthalb Jahre im Fernverkehr gewertet. In Managerkreisen der Bahn wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die Chemie zwischen Bahnchef Rüdiger Grube und Breuel nicht stimme.

Mit Breuel, dem Sohn der CDU-Politikerin Brigit Breuel, müssen auch zwei der drei weiteren Vorstandsmitglieder der DB Fernverkehr AG gehen. Breuel hatte den Posten seit 2004 inne. In seine Amtszeit fällt unter anderem die Politik der Werbung bei Zielgruppen, die bisher eher "bahnfern" waren, etwa in Form der "McDonald's-Tickets". Den dapd-Informationen zufolge bleibt lediglich Wolfgang Heinrichs im Vorstand der Fernverkehr AG. Er wurde erst vor wenigen Monaten berufen. Der künftige Fernverkehrs-Vorstand soll von bisher vier auf fünf Posten erweitert werden, deren Neubesetzung auch bereits festgelegt sei, hieß es.

Zwischen Grube und Breuel gab es den Angaben zufolge seit längerem "erhebliche Dissonanzen", wie ein Manager sagte. Breuel wurden etwa vor anderthalb Jahren, als der Stuhl von Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn wegen der Bespitzelungs-Affäre zu wackeln begann, Ambitionen auf den Posten des Bahnchefs nachgesagt. Inhaltlich gab es seit einigen Wochen heftige Auseinandersetzungen um das Qualitätsprogramm, mit dem im bevorstehenden Winter Ausfälle beim Fernverkehr vermieden werden sollen. Breuel habe den Standpunkt vertreten, dass ein höheres Qualitätsniveau nur mit einer Einschränkung des Angebots gehalten werden könne, hieß es. Das wäre aber auf Kosten der Einnahmen, also letztlich des Ergebnisses gegangen.

ICE-Betrieb "auf Kante"

Zurzeit fährt der ICE- und IC-Betrieb wegen der häufigen Untersuchungsintervalle der Radsätze "auf Kante". Das heißt, es gibt keinerlei Reserven bei Zugausfällen. Daraus folgt wiederum, dass immer wieder Züge mit kleinen Fehlern - wenn auch nicht im sicherheitsrelevanten Bereich, wie in den Bahnkreisen betont wurde - auf den Weg geschickt werden. Grube und sein Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg hatten unter anderem deshalb vor einigen Wochen bei der Präsentation des Qualitätsprogramms erklärt, sie wollten Züge von ausländischen Bahnen anmieten, um die Engpässe wenigstens teilweise abfedern zu können.

Die Fernverkehr AG ist eine 100-prozentige Tochter der DB Mobility and Logistics AG, in deren Vorstand Homburg für den gesamten Personenverkehr zuständig ist. Er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der DB Fernverkehr AG. Homburg war vor der Neubesetzung des Konzernvorstandes 2009 Chef von DB Regio, der Nah- und Regionalverkehrstochter der Bahn. Breuel wurde unter anderem mangelhaftes Handling der Pannenserie bei den ICE-Zügen angelastet. Die Passagiere im Fernverkehr haben seit rund anderthalb Jahren unter der Knappheit an Zügen durch die Materialfehler an Achsen der ICE-3-Züge zu leiden. Dazu kamen Empfindlichkeiten der Triebzüge durch Schnee im Winter sowie der spektakuläre Ausfall von Klimaanlagen im Sommer. All das hat dem Image des DB-Fernverkehrs schwer geschadet.

Das Geschäftsfeld Fernverkehr erbringt laut Bahn AG "nationale und grenzüberschreitende Fernverkehrsleistungen auf der Schiene". Dazu gehören neben den ICE- und IC-Zügen auch Autoreise- und Nachtzugverkehre sowie internationale Kooperationen.

(dapd )


 


 

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