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Banking-Start-ups – frischer Wind für eine angestaubte Branche

Erst vor kurzem geriet das neue Banking-Startup Number 26, auch N26 genannt, in die Kritik. Das Unternehmen, das ein kostenloses Girokonto mit Online-Banking für Smartphones entwickelte, hatte Hunderten Kunden ohne Vorwarnung gekündigt, weil diese zu oft Bargeld am Automaten abgehoben hatten. Number 26 ist eines der rund 200 neu gegründeten Start-ups im Finanzbereich, die von der Branche als Fintechs bezeichnet werden. Sie wollen mit innovativen Apps die Bankenwelt umkrempeln. Fintechs ist ein zusammengesetzter Begriff aus den englischen Begriffen Finanzdienstleistungen (fin) und Technologie (tech).

Weiterentwicklung bei Number 26

Number 26 hat sich für sein Fehlverhalten bei den Kunden entschuldigt und verfügt mittlerweile über eine Banklizenz. Zuvor war das Start-up eine Partnerschaft mit dem Bezahldienst Wirecard eingegangen. Mittlerweile haben über 160.000 Kunden ein Konto bei N26 eröffnet. Der Grund für die große Beliebtheit dieses modernen Girokontos ist schnell erklärt: Jeder Kunde kann sich innerhalb von wenigen Minuten registrieren, er muss in keine Bank oder Post, um sich auszuweisen. Das Konto läuft per App und sendet bei jeder Transaktion eine Nachricht auf das Smartphone, damit bleibt kein Geldeingang und Ausgang unbemerkt. Die Kredit- und EC-Karten lassen sich bequem per Fingertipp sperren, wenn es sein muss. Zudem können Geldeinzahlungen und Auszahlungen nicht nur am Bankautomaten, sondern auch in über 6.000 Shops erfolgen. Für Überweisungen sind Tan-Listen nicht mehr nötig. Kunden geben lediglich einen Code ein.

Fintechs sind erfolgreich

Auch andere Start-ups, wie das amerikanische Bankunternehmen „Simple“ zeigen, dass sie zu den Banken der Zukunft gehören. Mit einem modernen Konto für das Handy funktioniert die Nutzung leicht, transparent und ohne Gebühren. Die Fintechs wenden sich direkt an den Endverbraucher und seine Bedürfnisse. Sie entwickeln Lösungen, die den Kundenwünschen entsprechen. Die Produkte sind unkompliziert. Das zeigen auch andere Fintechs, wie Paymill, das unterschiedliche Zahlungsanbieter in einen Onlineshop integriert, sodass dieser von einem transparenten Gebührenmodell ohne hohe Kosten profitiert. Weiterhin gibt es Apps wie Numbrs, die Nutzern den Zugriff auf alle seine Bankkonten über eine Plattform ermöglicht. Sie ist mit einer Prognosefunktion künftiger Kontostände und einer Algorithmus-Analyse des eigenen Ausgabeverhaltens ausgestattet.

Banken versuchen mit den Startups mitzuhalten

Die angestaubte Bankbranche muss nachziehen, wenn sie in Konkurrenz zu den Fintechs treten will. Das hat sie zum Teil getan. Beispiel Kredit: Anstatt wie früher zur Bank zu gehen, haben Kunden heute die Möglichkeit, ohne viel Aufwand und Wartezeit bei einer online Kreditbörse Geld zu leihen. Und das auch noch schnell: Online-Portale unterbieten sich gegenseitig, die Auszahlung könne innerhalb von 24 Stunden oder sogar bereits nach 30 Minuten erfolgen. Die Wahl der Kreditsumme ist flexibel. Das Geld stammt von Banken, von Privatpersonen oder Firmen. Die Kreditmodelle sind leicht verständlich. Verbraucher profitieren zudem von niedrigen Zinsen.

Die Zinshöhe ist bei dem hohen Konkurrenzkampf ausschlaggebend. Ende letzten Jahres wurde erstmals gar kein Zins mehr verlangt: Die Summe von 1.000 Euro konnten Kreditnehmer für 0,0 Prozent Zinsen erhalten – das Angebot galt nur kurzzeitig.

Wie sieht die Zukunft der Banken aus?

Was tun die Banken noch, um mit den Start-ups mitzuhalten? Bisher hatten sie von Direktbanken spürbare Konkurrenz bekommen, die ihnen Marktanteile abnahmen. Mittlerweile sehen viele Finanzinstitute auch eine Gefährdung ihres Kundenstamms durch die Fintechs. Ob Geldüberweisung, oder Vermögensaufbau, sie müssen einfacher, günstiger und demokratischer werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Um die Kunden erneut in den Mittelpunkt zu stellen, vergeben viele Finanzinstitute wie die Deutsche Bank eigene Gründerförderungen für Fintechs. Damit wollen sich die Banken Ideen sichern. Für die Start-ups ist das interessant. Denn der Finanzsektor ist groß und um eine gewisse Marktpräsenz zu entwickeln, benötigen sie die Zusammenarbeit mit anderen Banken. Nur so können sie international bestehen.

Der Kapitalbedarf, der in der Start- und Wachstumsphase nötig ist, ist für die Startups das größte Problem. Möglicherweise lässt sich das Kapital über spezielle Fonds beschaffen. Der Vorteil eines solchen Finanzierungskonstruktes ist, dass Fintechs ihre Anteile und damit die Kontrolle über ihr Unternehmen behalten könnten. Der Überlebenskampf ist in der Finanzbranche noch nicht entschieden. Die Schnelleren und Kreativeren setzen sich langfristig durch. Die Finanzbranche ändert sich ständig und mit Sicherheit werden auch zukünftig erfolgreiche Banken am Markt agieren. Derzeit ist eine Welt ohne klassische Kreditinstitute nicht vorstellbar. Aber die Banken müssen moderner werden und ihren Kunden Komplettangebote anbieten. Und das ist gut so. Denn, wenn sich die gesamte Finanzbranche weiterentwickelt und innovativer wird, profitieren davon die Verbraucher. Tun sich Fintechs und traditionelle Banken zusammen, um ihre jeweiligen Stärken gewinnbringend einzusetzen, ist das eine begrüßungswerte Entwicklung für alle Beteiligten.

(Redaktion)


 


 

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