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Air Berlin, Alitalia, Malev, Spanair – Wer ist schuld an den Airline-Pleiten?

Die Nachrichten sind voll davon: Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, ist mit mehr als 1 Milliarde Euro verschuldet und hat Insolvenz angemeldet.



Bildrechte: Flickr D-ABQB DHC8 Air Berlin Maarten Visser CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Passagiere haben aber (noch) keinen Grund zur Panik: Alle im Reisebüro sowie online gebuchten Flüge und Pauschalreisen finden dank Brückenkredit der Bundesregierung bis November dieses Jahres weiterhin statt, müssen und sollten also nicht storniert werden.

Auch der Flugplan gilt weiterhin und aktuell sind Tickets besonders billig. Sollte man als Reisender trotzdem unsicher sein, steht die Konkurrenz ja bereits in den Startlöchern, weshalb es für die meisten Strecken alternative Angebote gibt, wie eine schnelle Online-Recherche zeigt. Aber was sind die Gründe, warum Fluggesellschaften immer wieder ins Trudeln geraten? Lassen sich bei einem Vergleich mit anderen Pleiten wie denen von Alitalia, Malev und Spanair Gemeinsamkeiten ausmachen?

Ein Sturzflug zum Zugucken

Der Konkurs von Air Berlin war schon seit Jahren absehbar. Die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge sind bekannt, aber reichlich komplex. Simpel gesprochen wurde dem Unternehmen folgender Problemzusammenhang zum Verhängnis: Als sogenannte "Hybrid-Airline" mit einem unklaren Geschäftsmodell hatte Air Berlin in den vergangenen Jahren übereifrig expandiert, Maschinen und Firmenstrukturen aufgekauft und das Flugnetz massiv ausgebaut.

Trotzdem blieben die Passagiere aus, denn an der einen Front wurden Business-Reisende von Lufthansa deutlich zuverlässiger bedient und an der anderen Front nahm die nahezu unschlagbare Billigflieger-Konkurrenz um Easyjet, Norwegian, Ryanair und Germanwings/Eurowings den Markt für sich ein. Zahlreiche Chef- und Strategiewechsel im überforderten Management konnten keine Verbesserung herbeiführen. Air Berlin musste das erweiterte Streckennetz wieder auf die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf zurückkürzen, Verspätungen und gestrichene Flüge wurden immer häufiger, der Schuldenberg wuchs und wuchs. Den endgültigen Todesstoß erhielt der Sinkflieger durch seinen arabischen Hauptfinanzier Etihad Airways, ohne den der Motor schon lange leergelaufen wäre.

Hoffnungslose Fälle

Trotz all der Voraussagen ist eine Airline-Pleite für die Medien und Fluggäste immer wieder eine Überraschung. Wie kann es sein, dass der finanzielle Totalausfall scheinbar binnen eines Tages eintritt? Da ist es kaum ein Wunder, dass manch einer eine verschleppte beziehungsweise vertuschte Insolvenz oder gar ein abgekartetes Spiel vermutet.

Schockiert waren auch die 23.000 Passagiere von Spanair, die im Jahr 2012 urplötzlich den Betrieb einstellte, obwohl wenige Stunden zuvor noch Tickets verkauft worden waren. Die Krise der spanischen Airline hatte 2008 mit einem Flugzeugabsturz mit 154 Toten begonnen. Infolge einer Umstrukturierung wurden 85 % des Kapitals an die katalanische Landesregierung verkauft, die damit den Flughafen Barcelona aufwerten wollte. Doch auch dort hatten sich die gefürchteten Billig-Airlines bereits breitgemacht. Nur eine Woche später folgte die ungarische Fluggesellschaft Malev, nachdem deren staatliche Finanzspritze dank EU-Verbot für nicht zulässig erklärt wurde.

Diagnose: Menschliches Versagen

Dieses Jahr hat bereits eine andere Airline Schlagzeilen gemacht: Die italienische Alitalia steht mit ganzen 3 Milliarden Euro in der Kreide. Auch sie konnte ohne eine tiefgreifende Reform nicht mit den Billig-Fluganbietern und deren cleverem Finanzmodell, strategischen Kosteneinsparungen und gewieften Marketingstrategien mithalten. Konkurrenzfähigkeit ist angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise, steigenden Treibstoffkosten, der Luftverkehrssteuer und dem Emissionshandel aber eine absolute Voraussetzungen im Preiskampf.

Was all diesen Fällen zuletzt gemein ist, ist die fehlende Fähigkeit des zuständigen Managements, auf die auftretenden Probleme zu reagieren, ihnen Rechnung zu tragen und den Mut aufzubringen, einen neuen Weg einzuschlagen. Die Führungsriege von Spanair zum Beispiel lehnte ein Low-Cost-Image vehement ab. Und auch Alitalia hatte seinen Spitznamen als "Eisenbahn der Lüfte" nicht umsonst. Somit hängt der Erfolg oder Misserfolg einer Airline – unabhängig vom Ausmaß und der Anzahl an Problemen – immer von demjenigen ab, der den Steuerknüppel in der Hand hält.

(Redaktion)


 


 

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