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Ab Montag Streik

Fluggesellschaft vor größtem Arbeitskampf seit Jahren

(bo/ddp-hes). Passagiere der Deutschen Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings müssen ab Montag mit erheblichen Verspätungen und Flugausfällen rechnen.

Nach den gescheiterten Tarifverhandlungen will die Vereinigung Cockpit (VC) die Flugkapitäne zum Streik aufrufen, nachdem sich rund 94 Prozent der bei ihr organisierten Piloten in einer Urabstimmung für einen unbefristeten Arbeitskampf ausgesprochen haben. Die Lufthansa bezeichnete den Streik als «unverhältnismäßig». Das Unternehmen werde alles daran setzen, die Auswirkungen für Kunden und Fluggäste so gering wie möglich zu halten.

Der Streik soll am kommenden Montag um 00.00 Uhr beginnen und zunächst vier Tage dauern, also bis Donnerstag 23.59 Uhr. Für die Entscheidung zum Arbeitskampf war die Mehrheit von mindestens 70 Prozent der rund 4500 von der Gewerkschaft vertretenen Piloten notwendig. Cockpit hatte die Urabstimmung Mitte Januar eingeleitet. Der Streik betrifft die Lufthansa-Passagierflüge, das Frachtgeschäft und die Billigflieger-Tochter Germanwings.

Die im Mai 2009 begonnenen Tarifverhandlungen waren im Dezember für gescheitert erklärt worden. Dabei ging es nach VC-Angaben nicht in erster Linie um die Vergütung, sondern um die Sicherung von Arbeitsplätzen. Hier habe Lufthansa sich allerdings nicht auf verbindliche Zusagen eingelassen, kritisiert die Gewerkschaft.

Die Lufthansa wies am Mittwoch ihrerseits daraufhin, dass VC Forderungen nach Arbeitsplatzsicherheit zusätzlich mit weitgehenden Mitspracherechten bei unternehmerischen Grundsatzfragen und damit einem Eingriff in die Geschäftsführung verknüpft hat. Diese Verknüpfung könne nicht akzeptiert werden.

Bereits seit 2006 ist der Manteltarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen der Piloten regelt, gekündigt. Seit April 2009 ist auch der Vergütungstarifvertrag, in dem die Gehaltsstrukturen festgeschrieben sind, gekündigt und es besteht keine Friedenspflicht mehr.

Damit steht die Lufthansa vor einem der größten Arbeitskämpfe seit Jahren. Die Arbeitsniederlegung könnte für die größte deutsche Fluggesellschaft kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Wie alle Fluggesellschaften weltweit hatte auch die Lufthansa schwer unter dem Abschwung der Branche gelitten und Rückgänge bei Passagierzahlen und Frachtvolumen verzeichnet.

Das Unternehmen hatte zuvor erklärt, schon die Aussicht auf einen Streik werde zu einem Verlust an Buchungen führen, da einige Passagiere sicherheitshalber zur Konkurrenz wechseln. Demzufolge könne die Arbeitsniederlegung auch das Sparziel des Konzerns gefährden. Die Deutsche Lufthansa will bis Ende 2011 rund eine Milliarde Euro an Kosten einsparen. Die im DAX notierte Aktie zeigte sich unbeeindruckt und legte 0,9 Prozent auf 11,09 Euro zu.

(Ralf Beunink)


 


 

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