Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Aktuell News
Weitere Artikel
Fluglärm

Streit über Fluglärm in Hessen und Rheinland-Pfalz

Fünf Monate vor Eröffnung der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen erhitzt das Thema Fluglärm sowohl in Hessen als auch in Rheinland-Pfalz weiter die Gemüter.

Im Hessischen Landtag gab es am Mittwoch über die geeigneten Maßnahmen zur Verringerung der Lärmbelastung mit Blick auf die Ausbaupläne und geänderten Flugrouten neuen Streit zwischen Regierung und Opposition. Und in Mainz schloss der neue Innenminister Roger Lewentz (SPD) weder eine Klage der Landesregierung noch die Unterstützung einer Klage betroffener Kommunen gegen aus.

Der hessische Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) wies im Landtag die Kritik der Opposition zurück, die Landesregierung kümmere sich nicht um diese Belastung der Bevölkerung. Die Regierung sei sich ihrer Verpflichtung bewusst, die Bürger vor übermäßigem Lärm zu schützen. Die Oppositionsfraktionen kritisierten unter anderem, das mit dem Flughafenausbau versprochene Nachtflugverbot werde nicht umgesetzt.

Posch warf den Kritikern kleinkariertes Denken vor, weil in ihren Überlegungen die Wettbewerbsfähigkeit Hessens nicht vorkomme. Der Flughafen habe nämlich "unmittelbare Auswirkungen auf die Entwicklung des Landes". Ferner sei es falsch, dass durch die Änderung der Flugrouten seit März die Lärmbelastung zugenommen habe. Der Lärmpegel sei seitdem lediglich anders über die Rhein-Main-Region verteilt worden.

Die Grünen forderten erneut ein Nachtflugverbot für den Flughafen. Es sei jetzt an der Zeit, dass die Regierung nun endlich ihr Versprechen halte und die Bevölkerung vor übermäßigem Lärm schütze, sagte der Abgeordnete Frank Kaufmann . Ferner monierte er, dass sich durch die Änderung der Flugrouten im Rhein-Main-Gebiet die Anzahl der von Fluglärm betroffenen Menschen deutlich erhöht habe, anders als dies Posch darstelle.

Kaufmann verlangte zudem, dass bei künftigen Änderungen von Flugrouten die Öffentlichkeit stärker eingebunden werden müsse. Ähnlich wie bei Planfeststellungsverfahren sollten die Bürger dann beispielsweise Einwendungen vortragen könnte und die Möglichkeit für Klagen gegen die Festlegung der Routen zu haben.

Der FDP-Abgeordnete Stefan Müller warf den Grünen vor, in ihren Konzepten der Reduzierung des Lärms eine höhere Priorität eingeräumt zu haben als der Sicherheit im Flugverkehr. Der Ausbau der Flughafens mit der neuen Nordwest-Bahn sei für die Sicherung von Arbeitsplätzen äußerst wichtig, schließlich sei der Flughafen "das Tor zur Welt der Rhein-Main-Region".

Die Sozialdemokraten forderten die bereits bestehenden Möglichkeiten zu nutzen, um die Lärmbelastung für die Menschen zu verringern. Gernot Grumbach wies darauf hin, im Mediationsverfahren habe man sich darauf geeinigt, dass es den Ausbau nur mit einem Nachtflugverbot gebe. Hermann Schaus von der Linkspartei monierte, der Lärmschutz für die Menschen dürfe nicht hinter den ökonomischen Interessen etwa des Flughafenbetreibers rangieren. Die "Aushebelung der Nachtruhe" sei nicht akzeptabel.

Der CDU-Wirtschaftsexperte Walter Arnold betonte, die Entwicklung der hessischen Wirtschaft hänge nicht zuletzt vom Frankfurter Flughafen ab. Die seit März erprobten Flugrouten seien in Zusammenarbeit unter anderem mit der Deutschen Flugsicherung entwickelt worden.

Unterdessen wächst die Empörung in Rheinland-Pfalz über den mit neuen Flugrouten verbundenen Lärm. Die Bezirksärztekammer Rheinhessen forderte ein komplettes Nachtflugverbot, da lärmbedingter Stress zu Schlafstörungen und somit zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führen könne. Die CDU-Fraktionschefin im Mainzer Landtag, Julia Klöckner, rief die rot-grüne Landesregierung "zum Kampf gegen den Fluglärm" auf. Derweil prüft der Landkreis Mainz-Bingen eine Klage gegen den Flughafen. Innenminister Lewentz forderte, dass die Vorgaben für ein striktes Nachtflugverbot und weitere Ergebnisse der Mediation durchgesetzt werden.

Die neue Nordwest-Bahn des Frankfurter Flughafens soll im Herbst 2011 in Betrieb gehen. Die Zahl der Flugbewegungen wird nach Einschätzung von Projektgegnern dadurch fast verdoppelt.

(Michael Winckler und Claudia Pietsch/dapd)


 


 

Flugrouten
Flughafen
Fluglärm
Lärm
Nachtflugverbot
Regierung
Klage
Frankfurter Flughafen
Landesregierung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Flugrouten" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: