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Der Eintracht-Abstieg und seine wirtschaftlichen Folgen

(bo/dapd). Im Dortmunder Westfalenstadion spielt die Fußballmannschaft von Eintracht Frankfurt am Samstag um den Verbleib in der Ersten Bundesliga. Die Chancen, dass sie sich mit einem kleinen Wunder ausgerechnet beim diesjährigen Meister Borussia Dortmund doch noch den Klassenerhalt sichert, gelten als gering. Doch neben Zehntausenden Fans haben auch viele Geschäftsleute in der Stadt die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben: Ein Abstieg in die Zweite Liga würde für sie auch weniger Geld in der Kasse bedeuten.

Das fängt beim Stadionbetreiber, der Stadion Frankfurt Management GmbH, an. Die Profiabteilung des Vereins Eintracht Frankfurt zahlt an ihn als Stadion-Miete und für weitere Infrastrukturkosten pro Erstligasaison rund 8,5 Millionen Euro. Im Fall eines Abstiegs in die Zweite Liga reduziert sich dieser Betrag auf weniger als die Hälfte, wie die Betreibergesellschaft mitteilt. Und natürlich würde auch Eintracht Frankfurt selbst mit deutlich geringeren Einnahmen aus TV-Vermarktung und dem Verkauf von Eintrittskarten auskommen müssen.

Vom Stadionbetreiber kassiert wiederum die Stadt Frankfurt über die städtische Gesellschaft Sportpark Stadion Frankfurt eine Pacht. Das sind derzeit sieben Millionen Euro im Jahr. "In der Zweiten Liga wären das drei Millionen Euro weniger", sagt die Referentin des Sportdezernenten Markus Frank (CDU), Andrea Brandl.

Weniger Fans haben weniger Durst

In der zu Ende gehenden Saison kamen im Schnitt zu jedem Heimspiel der Eintracht rund 47.000 Fans. Die Zahlen würden in der Zweiten Liga klar zurückgehen. Das Ausbleiben prestigeträchtiger Spiele wie gegen den FSV Mainz 05, den 1. FC Kaiserslautern oder den FC Bayern München kann auch ein in Aussicht stehendes Derby gegen den zweiten Proficlub der Stadt, FSV Frankfurt, nicht kompensieren.

Weniger Fans haben insgesamt weniger Hunger und Durst. Das wird sich zuallererst in den Büchern des Caterers Aramark niederschlagen, der die Getränke- und Essenskioske im Stadion und auf dem Stadiongelände betreibt. Fragen zu den erwarteten Mindereinnahmen in einer Zweitligasaison wollte das Unternehmen aus Neu-Isenburg allerdings nicht beantworten.

In der bei Eintracht-Fans beliebten Kneipe Backstage im Frankfurter Nordend und in der von Fans der Gästemannschaften gern angesteuerten Bierwirtschaft Moseleck nahe des Frankfurter Hauptbahnhofs stellt man sich - bei aller Hoffnung auf ein wundersames Erreichen des Relegationsplatzes am letzten Spieltag und der damit verbundenen Chance auf den Klassenerhalt - auf weniger Gäste in der nächsten Saison ein.

Unattraktivere Anstoßzeiten

"Das liegt dann aber eher an den unattraktiveren Anstoßzeiten in der Zweiten Liga etwa am frühen Sonntagnachmittag", sagt eine Mitarbeiterin des Backstage: "Unsere Fans sind treu. Viele wollen auch die Eintracht-Spiele in der Zweiten Liga bei uns gucken, das haben sie zuletzt beteuert." Jedoch müsse das Lokal dann eben seine Öffnungszeiten ausdehnen.

Moseleck-Geschäftsführer Harald Statt glaubt an ein Wunder von Dortmund bei gleichzeitigen Punktverlusten der ebenfalls abstiegsbedrohten Vereine aus Mönchengladbach und Wolfsburg. Für den Abstiegsfall erwartet er samstags zwar weniger Gäste. "Aber dann isses halt so - einmal Eintracht, immer Eintracht", sagt Statt.

Der Geschäftsführer der Apfelweinwirtschaft Wagner, Harald Rudorf, rechnet im Fall einer Zweitligasaison mit halb so vielen Fußballfans an den Spieltagen wie bisher: "Ein HSV bringt einfach mehr Fans mit als Erzgebirge Aue." Viele Anhänger der Gästemannschaften kämen vor und nach den Spielen auf einen Apfelwein in die auch überregional bekannte Sachsenhäuser Gaststätte, ihr Verhältnis zu den Eintracht-Fans beziffert Rudorf mit 40 zu 60.

Geringere Absatzchancen für Fotos

Dass ein Abstieg auch finanzielle Folgen für die im Stadion tätigen Sportfotografen haben wird, davon geht Eberhard Krieger aus, der für die "Frankfurter Rundschau" Fotos bei Eintracht-Spielen schießt. "Das Interesse für die Zweite Liga ist einfach geringer. Wer ohne Agentur im Rücken auf eigene Rechnung seine Fotos verkauft, wird über andere Bereiche berichten müssen, um die Verluste auszugleichen", sagt er. Einige Kollegen hätten da durchaus Sorge.

Die macht sich der Geschäftsleiter des Eintracht-Fanshops in der Frankfurter Innenstadt, Andreas Hornung, erklärtermaßen nicht. Zu einem möglichen Abstieg und dessen Folgen möchte er sich vor dem Dortmund-Spiel nicht äußern. Nur so viel: "Wenn die Fans zu ihrer Mannschaft stehen, kaufen sie auch Fanartikel, egal in welcher Liga die Eintracht spielt." Ein Abstieg könne auch als eine Chance zur Runderneuerung des Vereins verstanden werden. Und so hoffen sie in Frankfurt - so oder so.

Stephan Loichinger

(dapd )


 


 

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