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China-Festival zur Partnerschaft

Frankfurt am Perlfluss – Guangzhou am Main

So fern und doch nah. Zwar trennen neuntausend Kilometer Frankfurt und das chinesische Guangzhou, aber trotzdem gibt es eine Fülle von kulturellen, wirtschaftlichen und auch persönlichen Kontakten zwischen den beiden Handels- und Finanzmetropolen am Perlfluss und am Main. In diesem Jahr kann das zwanzigjährige Bestehen der Partnerschaft zwischen den zwei Städten gefeiert werden, ein Anlass für das erste Frankfurter "China-Festival" unter dem Motto "China in Town".

Goethe im Liu Hua Park

Ein vielseitiges Programm mit über dreißig Veranstaltungen will dabei von September bis Dezember das gegenseitige Verständnis und die Freundschaft vertiefen und "chinesisches Lebensgefühl" an den Main bringen. Oberbürgermeisterin Petra Roth eröffnet den Festival-Reigen am 26. September in den Römerhallen des Rathauses mit einer Ausstellung von Werken des Künstlers und Kunsttheoretikers Chen Tong, der in seiner Heimat als herausragende Persönlichkeit der modernen Kunstszene gilt und sich vorzugsweise mit den Themen "Macht" und "Erotik" beschäftigt. Im April dieses Jahres hatte sich Frankfurt schon seinerseits in Guangzhou mit einem Jubiläumsprogramm vorgestellt. Zur offiziellen Delegation unter Leitung der Oberbürgermeisterin zählte damals auch Goethe, allerdings in Gestalt einer Büste, die als Gastgeschenk im Frankfurt-Garten des Liu Hua Parks in Guangzhou ihren Platz fand. Auch die Palmengarten-Ausstellung "Goethe und die Pflanzenwelt" lud dort zur Beschäftigung mit Leben und Werk des deutschen Dichters.

Fünf-Ziegen-Stadt

Am 11. April 1988 wurde der Partnerschaftsvertrag zwischen Guangzhou und Frankfurt geschlossen, in dem beide Städte den gemeinsamen Willen erklärten, ihre Beziehungen zu vertiefen. Und es blieb nicht bei solchen Verlautbarungen, wie die Bilanz der Aktivitäten beweist. Denn trotz der geographischen Distanz finden jedes Jahr bis zu zwei Dutzend Austauschprojekte statt, an denen sich bisher rund fünftausend Menschen beteiligten: Das Spektrum reichte von Frankfurter Kulturwochen und einer deutschen Bücherausstellung am Perlfluss, über Löwentanz am Main, die prächtige Präsentation des Grabschatzes von König Zhao Mo oder ein Großfeuerwerk als Geschenk der Bürger von Guangzhou zum damaligen Stadtjubiläum Frankfurts. Im Gegenzug verehrten die Frankfurter ihren Partnern einen Rosengarten zum Geburtstag der so genannten "Fünf-Ziegen-Stadt". Diese seltsame Bezeichnung geht - wie vieles in China - auf eine Legende zurück. Es heißt, in der Vorgeschichte des rund dreitausend Jahre alten Kanton (des heutigen Guangzhou) ritten fünf Götter auf Ziegenböcken an Land. An einem Ort am Perlfluss beschlossen sie, dort sollten die Menschen niemals Not leiden und warfen fünf Ähren auf den Boden. So entstand das Wahrzeichen der Stadt: fünf Ziegen mit Ähren im Maul.

Zwei Städte – zwei Tore in die Welt

Die seit nunmehr zwanzig Jahren miteinander verbundenen Städte weisen eine ganze Reihe wichtiger gemeinsamer Merkmale auf, die ihre jeweilige Bedeutung als internationale Handels- und Kommunikationszentren begründen. So gilt Guangzhou traditionell als das Tor Chinas zu den Märkten der Welt und Frankfurt am Main als einer der bedeutendsten Finanzplätze Europas mit einer langen Messetradition und mit seinem Weltflughafen für Besucher aus allen Kontinenten, insbesondere auch für den stark gestiegenen Tourismus aus dem Reich der Mitte. Schwerpunkte der Zusammenarbeit auf Expertenebene sind Wirtschaft, Umwelt, Flugverkehr und kommunale Dienste. Im Jahr 2005 haben die Messe Frankfurt und Guangya Exhibition nach Jahren der Zusammenarbeit ein Joint Venture gegründet. Rund 60.000 Übernachtungsgäste und ein Mehrfaches an Tagesgästen aus China sorgen hier für wichtige wirtschaftliche Impulse. Im Raum Frankfurt leben derzeit etwa 6.500 Chinesen, und rund dreihundert chinesische Unternehmen haben hier ihren Standort. Eine auf die Ansprüche der Chinesen abgestimmte Infrastruktur sorgt dafür, dass sie sich fast wie zu Hause fühlen. Mindestens zwei Ergänzungsschulen machen die Kinder mit Sprache und Kultur des Mutterlandes vertraut. Ein Buchladen hält Lektüre bereit, die in Frankfurt erscheinende und bundesweit verbreitete "Chinesische Handelszeitung" aktuelle Informationen.

Liu Fang spielt die Pipa

Zu den Jubiläumsveranstaltungen dieses Herbstes zählt unter anderem die Fachtagung "'Kritik - Theorie - Kritische Theorie' - Die Frankfurter Schule in China". Sie fragt danach, was die die Kritische Theorie im chinesischen Kulturraum zu leisten vermag. Als "Botschafterin der chinesischen Klassik" kommt die Pipa-Spielerin und internationale Preisträgerin Liu Fang nach Frankfurt. Die Künstlerin hat im Alter von sechs Jahren mit dem Spielen der viersaitigen chinesischen Laute begonnen und später sowohl Pipa als auch Guzheng (21-saitige chinesische Zither) am Musikkonservatorium in Shanghai studiert. Inzwischen hat Liu Fang international Karriere gemacht, mit Konzerten als Solistin, aber auch mit Orchester, Streichquartett oder Musikern verschiedener Musiktraditionen. In dem vielfältigen Jubiläumsangebot gibt es auch einen Workshop und eine Ausstellung mit geistig behinderten Künstlern aus Guangzhou und Frankfurt. Ein Vortrag geht den unterschiedlichen deutschen und chinesischen Kulturstilen am Beispiel von Imagebroschüren nach. Und in nur zwei Stunden blickt die Frankfurter Volkshochschule mit einem "Schnupperkurs" auf das China von heute, seine Kultur und vor allem seine Sprache. Schließlich ist auch der Palmengarten dabei: mit einer "Chinesischen Woche" vom 18. bis 26. Oktober.

Das ausführliche Programm von "China in Town" findet sich im Veranstaltungskalender unter www.guangzhou-am-main.de

Quelle: Stadt Frankfurt

(rheinmain)


 


 

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