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Atelierhaus Basis bietet jungen Künstlern auch im teuren Frankfurt Ort zum Arbeiten

(bo/ddp-hes). In einer Ecke des Ateliers von Mai Braun stapeln sich blaue Müllsäcke. Aus ihnen quellen lange dünne Streifen aus Zeitungspapier heraus, einige von ihnen bunt eingefärbt. So voll es in der Ecke ist, so leer ist der größte Teil des Ateliers.

Mai Braun hat Platz hier. Platz, den sich die freischaffende Künstlerin auch leisten kann. Die Warmmiete für ihren 30 Quadratmeter großen Raum im Atelierhaus Basis im Zentrum von Frankfurt am Main ist mit rund 250 Euro, wie sie sagt, «konkurrenzlos günstig».

Dass es so günstig ist, liegt daran, dass das Land Hessen dem Trägerverein von Basis das fünfgeschossige Gebäude billig vermietet. Die Politik habe erkannt, dass die Kreativen «ein wichtiger Standortfaktor für eine Metropolregion wie Frankfurt» seien, sagt Basis-Leiter Jakob Sturm.

Erst vor kurzem hat die Landesregierung den Mietvertrag mit Basis für das Gebäude der ehemaligen Landesbildstelle an der Gutleutstraße bis Ende 2012 verlängert. «Der Verein und die jungen Existenzgründer leisten hier eine hervorragende Arbeit, die auf jeden Fall unterstützenswert ist», sagte Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) zur Begründung. Dann freilich werde das Land prüfen, ob «die wertvolle Immobilie nach Ablauf der Zwischennutzung bei verbesserter Marktsituation veräußert werden kann».

Das Geschäftsmodell von Basis ist einfach: Der Verein mietet leerstehende, renovierungsbedürftige Häuser in öffentlichem Besitz und richtet sie in Eigenregie mit den Künstlern wieder her. Die Maler, Grafiker, Videokünstler, Skulpteure und Designer erhalten Orte zum Arbeiten, für die sie nur etwa ein Drittel der ortsüblichen Miete zahlen müssen und die noch dazu zentral liegen.

Der Stadt und dem Land wiederum bleiben junge Kreative erhalten, die früher nach ihrem Studium an der Städelschule oder der Hochschule für Gestaltung Offenbach nach Berlin abgewandert wären: Weil es dort billiger war und die Szene einen größeren Zusammenhalt hatte. «Langfristig junge Künstler an Frankfurt binden und anderen den Weg nach Frankfurt weisen», ist das erklärte Ziel des städtischen Kulturdezernenten Felix Semmelroth. Die Stadt unterhält selbst einige Ateliers und fördert neben Basis das Atelierhaus Atelierfrankfurt.

«Manche Künstler sagen uns, Basis sei der Grund, warum sie nicht nach Berlin gezogen sind», sagt Jakob Sturm. Sein Partner in der Basis-Leitung, Felix Ruhöfer, fügt an, dass selbst die Mieten für die subventionierten Ateliers in der deutschen Hauptstadt auch nicht mehr billiger seien.

Ebenso wichtig sei, dass bei Basis eine innovative und kreative Szene unter einem Dach zusammenkomme, betont Ruhöfer. Die beiden Basis-Häuser böten Platz für rund 130 Ateliers. «Das sind die Hälfte von allen Ateliers, die es in Frankfurt gibt.» Die räumliche Nähe begünstige den Austausch und die Vernetzung, wovon die Künstler profitierten. «Sie können Synergien nutzen, weil es im Haus auch Leute gibt mit anderen Qualifikationen», erläutert Sturm. «So ein Haus entwickelt eine Dynamik: Manche starten hier richtig durch.»

Der junge Grafik-Designer Adam Zawadzki teilt sich seinen Atelierraum mit zwei anderen: «Das ist besser, als allein hier zu sitzen. Wir geben uns gegenseitig Anregungen.» Der Austausch mit anderen Künstlern im Haus habe ihm bereits den einen oder anderen Job eingebracht. «Wir haben hier alles, was wir brauchen», sagt Zawadzki, entsprechend begehrt seien die Ateliers.

Felix Ruhöfer und Jakob Sturm sprechen davon, dass Basis «ein in ganz Deutschland einzigartiges Angebot» sei. Atelierhäuser gebe es in anderen Städten auch. Doch nirgends sonst seien Produktionsorte und Ausstellungsort derart gebündelt: Im Erdgeschoss zeigt Basis pro Jahr acht bis neun Ausstellungen international aufstrebender Künstler. Bewusst würden dafür Leute von außen geholt, der Verbindung und des Austauschs wegen, sagt Ruhöfer. «Mit ihnen kommen Galeristen, die dann auch auf die Künstler hier aufmerksam werden.»

Einen ähnlichen Fördergedanken verfolgt Basis mit einem Atelier, das ein Jahr lang einem Hochschulabsolventen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. «Wenn es uns hier nicht mehr gibt, bleibt ein Krater in der Frankfurter Kunstszene zurück», sagt Jakob Sturm mit Blick auf den befristeten Mietvertrag. Daher versuchen er und Ruhöfer, die Wertschätzung der Politik für Basis noch zu steigern.

Bis 29. November zeigt Basis die Gruppenausstellung «Videotape is not Television» mit Video-Arbeiten von US-amerikanischen Künstlerkollektiven aus den 1970er Jahren. Am 21. und 22. November öffnen sich bei «Open Doors» die Türen der einzelnen Ateliers für die Öffentlichkeit.

(Redaktion)


 


 

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