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Frauen in der Politik

Frankfurt ist die Stadt der Frauen

In keiner deutschen Stadt sind die Frauen in der Politik so mächtig wie in Frankfurt. Dieses Ergebnis einer Studie der den Grünen nahe stehenden Heinrich-Böll-Stiftung präsentierte selbstredend eine Frau: Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Grüne).

43 Prozent der Stadtverordnetenversammlung sind Frauen, im Magistrat sitzen elf Frauen und 13 Männer; unter den acht hauptamtlichen Dezernenten sind vier Frauen, den Vorsitz im Magistrat führt mit Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) ebenfalls eine Frau. Ihr Amt gab bei der Wertung den Ausschlag zugunsten Frankfurts. Denn im an zweiter Stelle liegenden München ist der Frauenanteil im Stadtparlament mit 47,5 Prozent der höchste unter allen deutschen Großstädten. München wird aber mit Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) von einem Mann regiert. Auf dem dritten Platz landete das fränkische Erlangen, auf dem 79 und letzten Platz Salzgitter. Dort sind nur 15,1 Prozent der Gemeindeparlamentarier Frauen.

Als Ursache für die starke Frauenpower in Frankfurt nannte Ebeling die Quotenregelung von Parteien. Bei den Grünen ist jeder ungerade Listenplatz mit einer Frau besetzt, bei den Linken ebenfalls jeder zweite Platz, bei der SPD sind 40 Prozent der Plätze für Frauen reserviert. Das seit 2001 auch in Hessen geltende kommunale Wahlrecht, dass die Wahl von Einzelkandidaten auch über verschiedene Listen hinweg ermöglicht, bringe Frauen gezielt nach vorne. Bei den beiden Wahlen nach Einführung der Regelung haben Frauen besonders gut abgeschnitten. Dieses Wahlrecht gilt auch in Bayern und Baden-Württemberg mit dem Ergebnis, dass dort ebenfalls Frauen stärker vertreten sind als in Nordrhein-Westfalen, das nur die Listenwahl kennt.

Die Studie mit dem Titel «Unterrepräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik» unterstützt daher auch das von Ebeling formulierte Ziel: Wer an der mangelnden Anwesenheit von Frauen in Kommunalparlamenten etwas ändern will, muss bei den Parteien ansetzen und an ihrer Bereitschaft, Quoten umzusetzen. Elke Wiechmann, Mitautorin der Studie, verweist auf das französische Paritätsgesetz. Im Nachbarland dürfen bei Gemeindewahlen nur Listen antreten, die zur Hälfte Frauen als Kandidaten ausweisen. Dadurch sei der Frauenanteil unter den Gemeinderäten zwischen 1995 und 2008 von 25 auf knapp 50 Prozent gestiegen.

Auch Ebeling bestätigte, dass sie über die bei den Grünen übliche Quote in die Politik gekommen sei. «Ich musste aktiviert werden», sagte die Quotenfrau. «Ich habe gar nicht gedacht, dass Politik ein interessantes Tätigkeitsfeld ist.» Die Bürgermeisterin feiert am 15. Juni dieses Jahres ihr 20. Dienstjahr als Dezernentin. Eine Quote sei immer noch nötig. Ebeling betonte, dass auch die Frankfurter Stadtverwaltung mit einem Frauenanteil von 34,5 Prozent unter den Amtsleiterinnen relativ gut da stehe. Geschlechterübergreifend hat die Wissenschaftlerin Elke Wiesmann aber festgestellt, dass Männer wie Frauen unter dem hohen Zeitaufwand für das Ehrenamt leiden.

Quelle: Rhein-Main.Net GmbH

(Redaktion)


 


 

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