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Renaissance der Urbanität

Frankfurt schafft mehr öffentlichen Raum für das Stadtleben

Die europäische Stadt erfährt derzeitig eine Renaissance. Unter dem Titel "New Urbanity" zeigt das Architekturmuseum ab 6. Dezember, wie die Stadtzentren als Orte des Wohnens, Arbeitens und des Zusammenlebens wieder entdeckt werden. Konkrete Beispiele gibt es aber nicht nur im Museum - sie finden sich in Frankfurt am Main auch vor der Haustür.

Die Stadt lebt - nachdem in den vergangenen Jahrzehnten zuweilen ihr Niedergang beschworen wurde, erlebt das "Städtische" derzeit eine Renaissance. Dieser widmet das Deutsche Architekturmuseum (DAM) vom 6. Dezember bis zum 22. Februar 2009 eine Ausstellung: "New Urbanity - Die Europäische Stadt im 21. Jahrhundert" ist der Titel der Schau über den aktuellen Stand der Stadtentwicklung. Sie zeigt 17 Beispiele, wie sich innerstädtische Industrie- und Hafenareale zu lebenswerten Stadtquartieren gewandelt haben - darunter Hamburgs Hafencity, Londons südliches Themseufer oder die nach der Zerstörung durch ein IRA-Bombenattentat im Jahr 1996 wieder aufgebaute Manchester City. Fotografien, Pläne und Originalmodelle spiegeln den aktuellen Stand des europäischen Städtebaus wider und bilanzieren die jüngste Entwicklung.

Städtischer Raum für ein lebendiges Miteinander

"Heute findet in der Stadtplanung eine lebhafte Diskussion um den öffentlichen Raum statt, in dem sich das städtische Leben abspielt", berichtet Dr. Karen Jung, eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung im DAM. Statt wie bisher die Lebensäußerungen fein säuberlich nach Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Vergnügen zu trennen, geht es in der neuen Urbanität darum, dem lebendigen Miteinander Raum zu geben. So atmosphärisch die Bilder und anregend die Modelle und Pläne der Ausstellung im DAM auch sein mögen - am besten lassen sich die Spielarten und Themen der zeitgenössischen europäischen Stadtentwicklung am lebenden Beispiel erkunden. Und das liegt in Frankfurt direkt vor der Tür.

Piazzaflair am ehemaligen Schlachthof

Ein Spaziergang zu den Stätten der neuen Frankfurter "Stadtlichkeit" könnte am Walther-von-Cronberg-Platz im Deutschherrnviertel beginnen. Auf der großzügig gestalteten "Piazza" am östlichen Mainufer, den Fluss im Blick, bei Tapas und spanischem Wein, mag man kaum glauben, dass hier vor 20 Jahren die Mauern eines riesigen Schlachthofs die freie Sicht verstellten. Das Deutschherrnviertel gehört zu den ersten Projekten Frankfurts, bei deren Planung der öffentliche Raum ins Zentrum gestellt wurde. Hier können nun die Bewohner der schicken Wohnblocks östlich des Platzes zu Fuß ihre Einkäufe erledigen und abends noch auf einen Sprung in die Kneipe gehen. Tagsüber stöckeln die Damen der Werbeagenturen, die das ovale Architekturprachtstück Colosseo bezogen haben, über das Kopfsteinpflaster des Platzes im Schatten von Hans Kollhoffs Backsteinturm "Main Plaza".

Maritimes Flair im ehemaligen Industriehafen

Gen Westen führt der Weg weiter am Main entlang. Einst war der Fluss reiner Funktionsträger als Verkehrsweg und Abwasserkanal, jetzt hat man ihn zurückerobert für das Leben und Wohnen am Fluss - ein weiteres wichtiges Thema der "New Urbanity". Der kreisrunde Westhafentower steht am Eingang in das Wohn- und Büroquartier auf ehemaligem Hafengebiet. Wo noch vor knapp hundert Jahren der Schiffsgüterverkehr des Industriezeitalters abgewickelt wurde, schaut man heute bei Cocktail und Oliven den modernen Matrosen einer Segelschule beim Kreuzen gegen den Mainwind zu. Noch mögen manche Ecken sehr blank geputzt und wenig belebt wirken - mit dem Westhafen gönnt sich Frankfurt ein Stück maritimes Flair. Und vielleicht lässt sich die funktionale Verzahnung, ein wichtiges Merkmal der neuen Urbanität, nirgendwo so originell bestaunen wie hier: Weil das Kohleheizkraftwerk West durch die Quartiersumwandlung quasi im Hinterhof eines Bürokomplexes zu stehen kam, sicherte man sich das "Wegerecht" für die Kohle. Und so pumpt ein Saugrüssel am Quai die Kohle vom Schiff quer durch das dreigeschossige Parkhaus des Bürokomplexes in die Kraftwerksöfen.

Im neuen Europaviertel fände der Vatikanstaat zweimal Platz

Kehrt man dem Main den Rücken, gelangt man nordwärts auf das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs - hier wächst ein neuer Stadtteil, das Europaviertel. "Das ist eines der größten europäischen Bauvorhaben", sagt Mark Gellert, Pressesprecher im Frankfurter Planungsdezernat. Auf den 90 Hektar des künftigen Quartiers fände der Vatikanstaat gleich zweimal Platz. Die Europa-Allee, Hauptschlagader des Viertels, ist seit Sommer 2006 planiert. Das erste Gebäude, ein Hotel am Ostende der Allee, ist bereits in Betrieb. Drumherum herrscht allerdings statt urbanem Leben noch Baustellenbetriebsamkeit. Unweit des Hotels laufen die Vorbereitungen für das Mega-Projekt "Skyline Plaza" auf Hochtouren - neben einem von dem Frankfurter Architekten Jochem Jourdan entworfenen Einkaufszentrum entsteht dort auch ein Kongresszentrum. Dahinter schaufeln die Bagger zurzeit das Fundament für den 50-geschossigen Büroturm "Tower 185" des ebenfalls in der Mainstadt ansässigen Architekten Christoph Mäckler. Im Westen mündet die Europa-Allee in einen neuen großen Stadtpark, um den herum neuer Wohnraum entwickelt wird - von der Stadtvilla bis zum Passivhausblock mit integrierter Kindertagesstätte.

Das Wohnen erobert sich die Innenstadt zurück

Auf der letzten Etappe durchquert der Spaziergang das Bahnhofsviertel, Frankfurts internationalsten Stadtteil, dem urbanes Leben keinesfalls erst eingehaucht werden muss. An seinem Rand, in der Nähe des Frankfurter Schauspiels, wird ein weiteres Stück öffentlicher Raum zurückerobert: Auf dem ehemaligen Firmengelände der Degussa werden sich voraussichtlich ab 2013 gut 2.000 Menschen niederlassen, neben Büros, Cafés und Läden. Auch hier kehrt das Wohnen in die Innenstadt zurück.

Quelle: Stadt Frankfurt

(rheinmain)


 


 

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