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Frankfurter Bibliothek

Hobbylyriker aller Altersklassen arbeiten an Frankfurts ,,Jahrbuch für das neue Gedicht"

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(bo/dapd). Das Zentrum der Volkspoesie befindet sich in einem unscheinbaren Büroraum in der Frankfurter Innenstadt. Nur die unmittelbare Nachbarschaft zum Geburtshaus Johann Wolfgang von Goethes erinnert an Lyrik. Und doch laufen hier die Fäden des "Jahrbuchs für das neue Gedicht" zusammen - ein Band mit gut 5.000, größtenteils von Hobbydichtern eingereichten Werken.

Die "Frankfurter Bibliothek" bündelt nicht vorrangig Werke der Hochliteratur, sondern vielmehr Zeugnisse der lyrischen Gesamtkultur, "Gedichte aus der Mitte der Gesellschaft", betont Markus von Hänsel-Hohenhausen, Begründer der herausgebenden Brentano-Gesellschaft. "Neben Spitzenleistungen drucken wir vor allem Gelegenheitsdichtungen und Verse aus dem Alltag ab."

Das Erzählgut des Volkes sei wichtig und sammelwürdig, zitiert der studierte Theologe den Namensgeber der Gesellschaft, Clemens Brentano. Von Hänsel-Hohenhausen betrachtet die "Frankfurter Bibliothek" als eine "Spiegelung der Volkskultur im Gedicht", einen "Querschnitt durch die Lebenswirklichkeit der Gegenwart" und daher als wichtiges authentisches Zeugnis für nachfolgende Generationen.

Am operativen Geschäft ist von Hänsel-Hohenhausen nicht beteiligt, das Lektorat und Korrektorat übernehmen vier Vollzeitkräfte. Sie sind damit beschäftigt, jährlich rund 10.000 Einsendungen zu sichten, gut die Hälfte davon wird abgedruckt. Ein Gedicht müsse nicht das Beste sein, sondern der Dichter sein Bestes geben, umreißt von Hänsel-Hohenhausen den Anspruch des Wettbewerbs.

Von der Raumpflegerin bis zum ehemaligen Staatsminister

Jeder Autor darf nur ein Gedicht im Jahr per Post oder online einreichen. Es muss in deutscher Sprache verfasst und darf nur 20 Zeilen lang sein. Werke, die die Höchstlänge überschreiten, werden von vornherein aussortiert, betont von Hänsel-Hohenhausen - außerdem Gedichte mit anstößigem, antisemitischem, sexistischem oder allgemein menschenverachtendem Inhalt. Der Name des Autors sollte angegeben werden, genauso wie der Geburtsjahrgang, "um das Gedicht besser verstehen und einordnen zu können".

Viele Menschen schrieben ihr Leben lang für die Schublade, "sie freuen sich, wenn sie ihren Namen gedruckt lesen", sagt von Hänsel-Hohenhausen. "Vom Sechs- bis 107-Jährigen und der Raumpflegerin bis zum ehemaligen Staatsminister - alle haben schon Gedichte eingesandt", freut sich der Begründer. "Wir geben noch unbekannten Autoren die Möglichkeit zu publizieren." Viele seien Wiederholungstäter und reichten im darauf folgenden Jahr wieder etwas ein. Zu gewinnen gibt es ein Stipendium für ein Autoren-Fernstudium an der von der Brentano-Gesellschaft betriebenen Cornelia-Goethe-Akademie.



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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Pixelio.de / Rainer Sturm


 

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