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Sauerland-Gruppe

Frankfurter Dschihad-Angeklagter spricht von CIA-Folter

(bo/ddp-hes). Vor dem Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) hat einer der beiden mutmaßlichen Helfer der sogenannten Sauerland-Gruppe den US-Geheimdienst CIA der Folter bezichtigt. In «geheimen» Gefängnissen Pakistans sei er im Jahr 2007 von den Agenten angekettet und geschlagen worden, sagte am Dienstag der 28-jährige türkische Angeklagte Hüseyin Ö. aus. Die Bundesanwaltschaft wirft Ö. und dem gleichaltrigen Deutsch-Afghanen Omid S. in dem seit Juni laufenden Verfahren vor, die usbekische Islamische Dschihad Union (IJU) und auch die in Düsseldorf angeklagte Sauerlandgruppe unterstützt zu haben.

Ö. sagte in Frankfurt erstmals aus und gestand, im Juni 2007 aus dem südhessischen Langen abgereist zu sein, um sich in Pakistan zu einem Dschihad-Kämpfer ausbilden zu lassen. Vorher habe er diverse Ausrüstung, darunter ein Zielfernrohr, besorgt und später im Iran an Mittelsmänner übergeben. Die Anklage beschuldigt ihn daher der IJU-Unterstützung. Beim Vorbereiten der Reise habe ihm Adem Y., mutmaßlicher Anführer der Sauerlandgruppe, geholfen. Auch der in Frankfurt mitangeklagte S. aus Dietzenbach räumte vergangene Woche eine Kooperation mit der Sauerland-Gruppe ein.

Ö. berichtete, seinen damaligen Langener Nachbarn Y. regelmäßig in dessen Kleingarten getroffen zu haben. Bei den Reisevorbereitungen seien auch Ö.s jüngerer Bruder und Sadullah Kaplan dabei gewesen. Kaplan starb laut US-Medienberichten im Oktober 2007 23-jährig bei einem amerikanischen Raketenangriff auf ein pakistanisches Terrorcamp. Ö. sagte vor Gericht, er sei im Juni 2007 mit seinem Bruder und Kaplan nach Pakistan aufgebrochen. Sie hätten Kaplan zum «Emir», dem Anführer der Gruppe bestimmt.

Hinter der iranisch-pakistanischen Grenze sei die Gruppe von pakistanischem Militär verhaftet und getrennt worden. In einem «Geheimgefängnis» hätten ihn zunächst Pakistaner verhört und auch gefoltert. Während seiner dreimonatigen pakistanischen Gefangenschaft sei er dann auch mehrmals drei maskierten Männern vorgeführt worden, die Ö. als «blond und blauäugig» beschrieb. In akzentfreiem Englisch sei er inbesondere nach seinen Kenntnissen über US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland befragt worden. Es habe sich um CIA-Leute gehandelt, sagte Ö.

Die drei Männer hätten ihn mit «überraschenden» Kenntnissen über seine Vergangenheit in Deutschland konfrontiert, auch einer Sachbeschädigung von US-Fahrzeugen in Mainz, an der er beteiligt gewesen sei. In den Verhören sei er mehrfach an das «ungewisse» Schicksal seines Bruders erinnert worden. Er sei immer wieder an vier in die Zellenwand eingelassene Ringe gekettet und geschlagen worden, sagte Ö. «Ich bin verloren», habe er gedacht und sich bereits in Guantanamo gesehen.

Nach 92 Tagen aus pakistanischer Haft entlassen, sei er im Oktober 2007 über die Türkei wieder nach Deutschland gekommen, berichtete Ö. Nach seiner Verhaftung im Oktober 2008 habe ihm die deutsche Staatsanwaltschaft versichert, dass allein der Aufenthalt in einem islamistischen Ausbildungslager nicht strafbar sei. Ein entsprechendes Geständnis habe er zu Prozessbeginn widerrufen, weil ihn sein Anwalt über eine Strafbewehrtheit unterrichtet habe. Seiner mehrstündigen Aussage hatte Ö. die Worte «im Namen Allahs» vorangestellt.

Der Prozess wird am kommenden Freitag (10.00 Uhr) fortgesetzt.

(Redaktion)


 


 

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