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Frankfurter Pharmalabor knackt Modedroge „Spice“. Wirkstoff in berauschender Kräutermischung erstmals nachgewiesen

(bo/pia) Seit einigen Wochen sind die Medien voll mit Berichten über "Spice". Aus einer bislang wenig bekannten Kräutermischung für Insider ist so innerhalb weniger Monate eine "Modedroge" geworden. In Deutschland ist das ursprüngliche Spice in seinen drei Abstufungen mittlerweile ausverkauft, der Hersteller "Psyche Deli" aus London kommt mit der Produktion offenbar nicht mehr nach. Dafür gibt es inzwischen unter den phantasievollsten Namen zahlreiche Nachfolgeprodukte konkurrierender Hersteller, die von dem Boom profitieren wollen. Auf dem Markt ist Spice schon seit 4 Jahren, aber erst der Medien-Hype hat es zu einem begehrten Produkt gemacht. "Am Phänomen Spice lässt sich sehr gut beobachten, wie Drogentrends entstehen", sagte Gesundheitsdezernentin Dr. Manuela Rottmann am Montag auf einer Pressekonferenz. Die Medienberichterstattung sei mitunter auch dann werbewirksam, wenn sie eigentlich warnen oder abschrecken wolle.

Spice - zu Deutsch - "Gewürz" wurde zunächst vor allem von Insidern aus der Kifferszene und Kunden von Headshops konsumiert, also jungen Erwachsenen mit regelmäßigem und intensivem Cannabiskonsum. Für diese Gruppe ist Spice deshalb attraktiv, da es ähnlich wie Haschisch oder Marihuana zu wirken scheint, aber bei Urinkontrollen nicht nachgewiesen werden kann - folglich droht auch kein Führerscheinverlust. Sogenannte "Headshops" oder Internetanbieter verkaufen die "Kräutermischungen" für 20 oder 30 Euro pro Tütchen, viel Geld für drei Gramm angebliche Räucherware. Tatsächlich wird die Mischung meist geraucht, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Viel spekuliert wurde bisher über die Zusammensetzung, zumal bislang unklar war, auf welchen Inhaltsstoff der Mischung die Rauschwirkung überhaupt zurückzuführen war: Die verwendeten Kräuter nämlich weisen keine entsprechenden Wirkstoffe auf. Bundesweit haben verschiedene Institutionen und Behörden auch schon Analysen in Auftrag gegeben, doch konnte die Wirkung noch nicht erklärt werden. "Die Frage, was in Spice drin ist, ist jedoch wichtig, um gesundheitliche Folgen des Konsums einschätzen zu können", sagte Stadträtin Dr. Rottmann.

Diese Überlegung hat das Drogenreferat der Stadt Frankfurt am Main bewogen, einige Proben analysieren lassen. Dem beauftragen Frankfurter Pharmaunternehmen THC-Pharm ist es erstmals gelungen, diesen Wirkstoff nachzuweisen und so das Geheimnis der Modedroge zu knacken; das Unternehmen verfügt als Hersteller von Cannabis-ähnlichen Wirkstoffen zu medizinischen Therapiezwecken über beträchtliche Erfahrung mit diesen Substanzen

Demnach werden die berauschenden Wirkungen keineswegs von den natürlichen Kräutern selbst hervorgerufen. Vielmehr wurde in den untersuchten Proben von "Spice Gold", "Arctic Synergie" und "Yukatan Fire" die Substanz JWH-018 in unterschiedlicher und stark schwankender Konzentration gefunden. JWH-018 ist ein auf chemischem Wege hergestelltes Cannabinoid, das ähnlich dem in der Cannabispflanze enthaltenen Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) vom den Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn aufgenommen wird. JWH-018 besitzt eine ähnliche Wirkung wie THC, ist aber deutlich potenter. Eine Aufnahme des Wirkstoffs durch Rauchen ist möglich. Letztlich handelt es sich bei Spice also um eine Kräutermischung mit einem chemischen Zusatz, der ähnliche Wirkungen wie Cannabis hervorruft. geschickt mit Kräutern getarnte psychoaktive Chemikalie. Nur sie ruft die von "Kiffern" geschätzten Rauschzustände hervorruft.

Unklar ist noch die rechtliche Bewertung bis hin zu einem möglichen Verbot der Substanz im Sinne des Arzneimittelrechts und des Betäubungsmittelgesetzes. Die entsprechenden Bundeseinrichtungen wurden über die Entdeckung des Wirkstoffes unterrichtet. Ebenso ist über mögliche gesundheitsschädigende Nebenwirkungen und Langzeitfolgen von JWH-018 bislang so gut wie nichts bekannt. THC-Pharm bezeichnet den Konsum von Spice als einen unkontrollierten und riskanten Feldversuch. Gesundheitsdezernentin Dr. Rottmann empfiehlt deshalb, sich gut zu informieren, bevor man legale und psychoaktiv wirksame Substanzen konsumiert. Dass eine Substanz legal erhältlich sei, bedeute nicht, dass sie harmlos sei.

Quelle: Drogenreferat Stadt Frankfurt am Main

(Redaktion)


 


 

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