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Kunstausstellung

Vanessa Beecroft stellt 20 nackte Frauen aus

(bo/dapd). Die 20 Frauen stehen in Reihen versetzt in einer großen Halle des Museums für Moderne Kunst und blicken starr ins Leere. Einige wenige tragen Kleidungsstücke: Bodys oder Hosen in leuchtenden Neonfarben.

"Wie ein Standbild stehen die jetzt für eine oder anderthalb Stunden da", erläutert eine Museumssprecherin. Seit Mittwochmorgen mussten die Frauen ausharren, um am Abend Teil der Perfomance der Künstlerin Vanessa Beecroft zu sein. Sie gastierte zum ersten Mal mit einer ihrer berühmten Arbeiten in Frankfurt.

Beecroft ist für ihre Arrangements von nackten Körpern zu "lebenden Kunstwerken" bekannt. Seit Anfang der neunziger Jahre stellt die Künstlerin mehr oder wenige bekleidete Frauen in Museen und Galerien zusammen. Die Frauen müssen manchmal bis zur Erschöpfung stehen, eine Interaktion mit dem Publikum ist ihnen untersagt. "Publikum und Kritiker schwanken zwischen Begeisterung und Ablehnung", heißt es in einer Rezension im Internet. Feministinnen hielten ihre Arbeiten für frauenfeindlich, bisweilen pornografisch.

Zwtl: In Frankfurt nichts von Kritik zu spüren

In Frankfurt ist von dieser Kritik am Mittwochabend nichts zu spüren. "Ich bin gekommen, weil ich Vanessa Beecrofts Arbeiten interessant finde", sagt eine 37-Jährige. Sie animierte eine Freundin, mitzukommen. Frauenfeindlich finden beide Freundinnen die Perfomance nicht. "Es geht nicht darum, die Frauen zu zeigen, sondern darzustellen, wie man auf Frauen guckt", sagt die 37-jährige Frankfurterin. Sie arbeitet als Dramaturgin, findet die Leiblichkeit der zur Schau gestellten Frauen faszinierend. Es gehe nicht um einzelne Körper, sondern um den Eindruck der vielen Leiber, findet sie.

Auch andere Besucher sind gekommen, weil sie Vanessa Beecroft kennen. Neugierig recken Männer wie Frauen ihre Hälse, bestaunen die nackten Frauen. Die sind mit Perücken und Highheels in intensiven Farben ausgestattet, ihre Augen stark mit Wimperntusche betont. Zwei Sängerinnen sind unter ihnen, ab und zu stimmt die eine einen langanhaltenden Ton an. Die andere spricht dazu: "Stand up, stand straight" und "be strong, be proud."

Die Zuschauer können um die Frauen herumgehen, sie von allen Seiten betrachten. Für den Job als "Nackt-Model" hatte das Museum eigens einen Anruf gestartet und Models von Agenturen gesucht. "Die Mädchen mussten über 1,75 Meter groß und schlank sein", sagt die Sprecherin des MMK. Die Künstlerin wählte sie anhand von Fotos aus. Viele Frankfurterinnen hatten sich beworben, aber auch junge Frauen aus ganz Deutschland.

Die Ausstellung lebendiger Körper ist selten in Museen. Beecroft führe durch ihre Perfomances die Macht der menschlichen Körper ebenso vor wie deren Zerbrechlichkeit, heißt es in einer Ankündigung des Museums. In der stillen Interaktion der zur Schau gestellten Frauen mit dem Publikum solle eine Spannung entstehen, "in der der Körper zum Anschauuungs- und Arbeitsmaterial" werde.

Beecroft dokumtiert ihre Arbeiten auf Fotos und mittels Videoaufnahmen. Sie veröffentlichte ihre Arbeiten unter anderem in Modemagazinen, wie auch andere Künstler der aktuellen Ausstellung im Museum für Moderne Kunst "Not in Fashion". Die Aufzeichnungen von Beecrofts Performance in Frankfurt sollen anschließend als Neuerwerbungen in die Museumssammlung eingehen.

(Karina Scholz)


 


 

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