Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Finanzen Finanz-News
Weitere Artikel
Europa in der Rezession

Gemeinsamer Währungsraum gleitet erstmals in eine längere Abschwungphase - Weitere Eintrübung erwartet

(bo/ddp.djn). Nicht nur Deutschland, sondern die gesamte Eurozone ist im dritten Quartal in die Rezession abgeglitten. Wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag mitteilte, fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des gemeinsamen Währungsraums von Juli bis September gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent und damit etwas stärker als erwartet. Bereits im zweiten Quartal war die Wirtschaft um diesen Wert geschrumpft. Bankvolkswirte erwarten nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung auf breiter Front. Das Schlimmste stehe dabei noch bevor.

Nach den bislang vorliegenden Länderdaten enttäuschte nach Angaben der Statistiker im dritten Quartal vor allem die Entwicklung in Deutschland und Italien, beide Volkswirtschaften stehen am Anfang einer womöglich ausgeprägten Rezession. Erst am Donnerstag hatte das Statistische Bundesamt für Deutschland einen Rückgang des BIP von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal bekanntgeben. Da die Entwicklung damit bereits im zweiten Quartal in Folge rückläufig war, liegt damit nach allgemeiner Definition eine Rezession vor. Für die Eurozone ist es sogar die erste seit Einführung der Gemeinschaftswährung.

Volkswirte gehen davon aus, dass die Schwäche der Wirtschaft in der Eurozone bis weit in das kommende Jahr hinein reichen wird und sich zu einem ernsten Abschwung entwickelt. Sowohl der Internationale Währungsfonds ( IWF ) als auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sehen für 2009 einen BIP-Rückgang in der Eurozone um 0,5 Prozent. Die EU-Kommission rechnet hingegen mit einem leichten Wachstum um 0,1 Prozent. Eine Erholung der wirtschaftlichen Entwicklung wird gegenwärtig nicht vor der zweiten Hälfte des kommenden Jahres gesehen.

Bankvolkswirte blickten nach der Veröffentlichung der Daten pessimistisch in die Zukunft. «Es wird wohl noch schlimmer kommen», sagte Christoph Weil von der Commerzbank. Er verwies auf die weiter gesunkenen Frühindikatoren, die für das vierte Quartal sogar ein Schrumpfen des BIP auf Jahressicht erwarten ließen. Martin van Vliet von ING Bank meinte, «nachdem die Rezession bestätigt wurde, wird sich die Debatte nun darauf konzentrieren, wie lang und schwer diese Rezession sein wird». Es sehe dabei so aus, dass der Abschwung schmerzhafter ausfallen werde als die Entwicklung nach dem Platzen der Technologieblase 2001/2002, so van Vliet.

Unterdessen rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin für Deutschland mit einer wirtschaftlichen Stabilisierung zum Jahresende. Seine Prognose für den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im vierten Quartal verringerte das DIW nur leicht von plus 0,3 auf plus 0,2 Prozent. Das leichte Plus im laufenden Quartal führt das DIW maßgeblich auf die stabilisierenden Kräfte im Dienstleistungsbereich zurück. Deutliche Rückgänge seien hingegen bei der Industrieproduktion zu erwarten.
DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths sagte dem Nachrichtensender n-tv,
er rechne damit, dass die Wachstumsrate im nächsten Jahr relativ moderat sein werde. «Man kann ja auch eine Krise herbeireden», sagte er.

(rheinmain)


 


 

Europa Rezzession

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Europa Rezzession" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: