Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Aktuell News
Weitere Artikel
  • 14.08.2017, 13:46 Uhr
  • |
  • Rhein-Main
Gepflogenheiten des Mittelalters

Messen im Wandel der Zeit

Der Begriff „Messe“ für ein großes Treffen von Händlern an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit ist auf die Gepflogenheiten des Mittelalters zurückzuführen. Da gab es die allseits beliebten Jahrmärkte, die nicht nur bei den Kaufleuten und Handwerkern den Höhepunkt des Jahres darstellten, sondern auch beim Volk äußerst beliebt waren. Boten sie doch eine willkommene Abwechslung zu dem oft gleichtönigen, anstrengendem Alltag.

Die Jahrmärkte fanden häufig vor wichtigen kirchlichen Feiertagen statt. Daher bildete eine große Messe den Auftakt zu diesen  Jahrmärkten. Diese wurde von führenden Kirchenobersten der Region gehalten und hob sich damit von der normalen Sonntagsmesse ab. Aufgrund des Stellenwerts der Kirche im Mittelalter setzte es sich im Sprachgebrauch durch, „zur Messe“ statt „zum Markt“ zu fahren. Heute bringt keiner mehr die internationalen Messen in Frankfurt, Hamburg oder Leipzig mit einer kirchlichen Veranstaltung in Zusammenhang – geblieben ist nur der Name.

Merkmale einer Messe

Eine Messe laut Definition des Gabler Wirtschaftslexikons ist eine Veranstaltung mit Marktcharakter, auf der ein oder mehrere Wirtschaftszweige ihr Angebot umfassend präsentieren. In der Regel finden Messen in gleichmäßigem Turnus mehrmals am gleichen Ort statt.

Diese Definition traf bereits vor Jahrhunderten auf die Jahrmärkte zu. Bis heute haben sich die charakteristischen Merkmale einer Messe nicht verändert:

  • Es treffen sich die großen und kleinen Händlern / Hersteller / Dienstleister einer Branche oder Themengebiets.
  • Das Einzugsgebiet einer Messe ist deutlich größer als das normale Einzugsgebiet der Händler in der Region (teils international).
  • Die Messebesucher sind (oft) ein bunter Mix aus Fachpublikum, Kaufinteressenten und Schaulustigen.
  • Das Rahmenprogramm gilt ebenso als Besuchermagnet wie die eigentlichen Angebote.
  • Die Messe findet in festen Zeitabständen (oft jährlich) an einem bestimmten Ort statt.

Messen als Wirtschaftsfaktor der Städte

Neben der eigentlichen Messe haben die Messestädte eine besondere Bedeutung erlangt. Im Mittelalter konnten die von Herrschern verliehenen Privilegien über Aufschwung oder Untergang eines Ortes entscheiden.

Die Marktprivilegien sicherten den jeweiligen Orten meist das Monopol auf einen Jahrmarkt in einem bestimmten Umkreis. Kaiser Maximilian I. verlieh Leipzig zum Beispiel drei wichtige Marktprivilegien: Er bestätigte drei Jahrmarktstermine pro Jahr, erließ reichsweiten Schutz der anreisenden Kaufleute und verbot weitere Jahrmärkte im Umkreis um 112 Kilometer um Leipzig. Dadurch bekamen nicht nur die lokalen Händler und Handwerker einen wirtschaftlichen Vorsprung vor den Konkurrenten der Nachbarregionen, auch das Gastgewerbe, Bäcker, Fleischer, Schmiede, Apotheker und sonstige Versorger des täglichen Bedarfs profitierten von den hohen Besucherzahlen an den Markttagen.

Messestädte zeichneten sich aufgrund der Sonderstellung frühzeitig durch einen überdurchschnittlichen Wohlstand der Bürger im Mittelalter aus und haben sich teils bis heute ihre wirtschaftliche Bedeutung erhalten (z.B. Leipzig, Frankfurt, Hamburg).

Information und Unterhaltung

Heute geht es meist weniger darum, dass Messen bestimmter Städte miteinander konkurrieren, sondern dass die Messe als solche möglichst viele Besucher verzeichnen kann. Je mehr Publikum erwartet wird, desto attraktiver ist die Teilnahme für die Aussteller und umso höhere Standgebühren lassen sich durchsetzen.

Bei den bedeutenden Messen ist es heutzutage Standard, dass zusätzlich zur eigentlichen Ausstellung ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten wird. Auch das ist allerdings keine Erfindung der Neuzeit. Bereits zu Zeiten der Ritter zogen Gaukler, Musiker und Geschichtenerzähler über die Jahrmärkte und erfreuten ihr Publikum mit allerlei Tricks, Künsten und Possen. Im Gegensatz zu heute wurden die Gaukler allerdings nicht gezielt vom Jahrmarktsbetreiber engagiert, sondern eher geduldet.

Heute wird von der Messeleitung – teilweise in Zusammenarbeit mit den Ausstellern – das Rahmenprogramm organisiert. Je nach Ausrichtung der Messe ist das Programm eher fachlich (Kongresse, Podiumsdiskussionen, Vorträge) oder eher auf Show ausgelegt. Auch ein Mix aus beidem ist insbesondere bei großen Messen, die sich sowohl an Gewerbetreibende als auch an Verbraucher richten, mittlerweile etabliert. Bei Verbrauchermessen kann das Show- und Rahmenprogramm sogar ein Hauptmagnet für die Besucher sein. So stimmen z.B. viele Messegäste der Pferd & Jagd in Hannover ihre Messeplanung auf das umfangreiche Show- und Vorführungsprogramm ab und kommen teils nur wegen der qualifizierten Fachbeiträge zu bestimmten Themen. Das „Shoppen & Schauen“ wird zur Nebensache in den Pausen.

Von der Wiese in die Hallen

Der Umzug der Messen in feste Gebäude bzw. Messehallen ist im Vergleich zur Geschichte der Jahrmärkte noch relativ jung:

  • Die Frankfurter Messe eröffnete 1909 ihre Festhalle auf dem Messegelände. Sogar das Kaiserpaar war anwesend.
  • In Leipzig wird 1913 zur Internationalen Baufachausstellung der „Kreis’sche Kuppelbau“ eingeweiht, das heute älteste Gebäude auf dem Messegelände.
  • 1970 wird in Hannover die „Halle 1“, die damals größte Messehalle der Welt, eröffnet. Heute hat das Messegelände fast 500.000 Quadratmeter überdachte Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche.

Mit der Zunahme der Ausstellungen und Messen an einem Ort, der Gründung der Messegesellschaften zur Planung, Leitung und Organisation der Veranstaltungen und der stetigen Vergrößerung der Ausstellungsfläche etablierten sich im Zeitablauf feste Messegelände in den Messestädten. Heute könnte sich keiner die CEBIT oder die Leipziger Buchmesse in Zelten vorstellen, vor noch 100 Jahren waren feste Messehallen historisch bedeutsame Bauwerke.

Die Digitalisierung auf dem Vormarsch

Eine noch wesentlich jüngere Veränderung ist die Digitalisierung der gesamten Messeplanung und –abwicklung. Gewohnheitsrecht im Mittelalter und dicke Formulare im vergangenen Jahrzehnt sind digitalen Anmeldungen gewichen, die sowohl Ausstellern als ach Messeleitungen das Leben und die Verwaltung deutlich erleichtern. Unter dem Leitgedanken „Service“ werden die Buchungssysteme immer weiter ausgebaut und verfeinert, um Aussteller nicht nur durch Standmieten und Besucherzahlen, sondern auch durch besonderen Komfort in der Messeabwicklung zu binden.

Neben den Ausstellern profitieren auch Messebesucher von der Digitalisierung. Fortschrittliche Ticketing-Systeme, Online-Buchungen und Eintrittskarten als PDF auf dem Smartphone garantieren nicht nur einen Einlass ohne Wartezeiten, sondern sorgen zudem für eine papierlose Abwicklung, wie beispielsweise miovent.de. Außerdem eröffnen die digitalen Ticketsysteme einen automatisierten Datenaustausch zwischen Ausstellern und Messe bezüglich Besucherzahlen und –statistiken. Diese Daten können von den Ausstellern unter anderem für eine detaillierte Kapazitätenplanung am Messestand genutzt werden – das fördert den Erfolg (mehr Umsatz / Beratungsgespräche) auf der einen und den Servicenutzen (bessere Betreuung / geringe Wartezeiten) auf der anderen Seite.

Fazit: Messen waren und sind seit Jahrhunderten der Ort, an dem Neuheiten vorgestellt und publik gemacht werden, ein breites Spektrum an Angeboten herrscht, Konkurrenten sich gegenseitig beobachten und Verbraucher mit einer Vielzahl von Eindrücken konfrontiert werden. Sowohl damals als auch heute bieten Messen das Potential zum Schauen, Staunen, Lernen, Ausprobieren und natürlich zum Erwerben von Produkten. Rahmenprogramme unterschiedlichster Art sorgen für Unterhaltung – damals die Gaukler, heute die Show-Acts. Gewandelt haben sich in erster Linie die Rahmenbedingungen, die größe der Einzugsgebiete, die Ausstellungsflächen und die Abwicklung eines Messeauftritts bzw. einer Messeorganisation.

(Redaktion)


 


 

Messehallen
Messegelände
AlltagJahrmärkte
Mittelalter
Leipzig
Rahmenprogramm
Händler
Messeleitung
Gaukler
Abwechslung
Verbrauchermessen
Marktprivilegien
Einzugsgebiet
BauwerkeDigitalisierung
Bedeutung

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Messehallen" - jetzt Suche starten:

Entdecken Sie business-on.de: