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IG Metall bangt um Zukunft von VAC

Gewerkschaft kritisiert ungewöhnliches Kreditgebaren des Investors der Hanauer Vacuumschmelze

(bo/ddp-hes). Die IG Metall sorgt sich um die Zukunft des Hanauer Spezialwerkstoffherstellers Vacuumschmelze (VAC) nach dem Einstieg des Finanzinvestors «One Equity Partners» (OEP). Die Beteiligungsgesellschaft OEP habe beim Kauf der VAC seinerzeit Bankbedingungen vereinbart, zu deren Erfüllung sich das Hanauer Unternehmen sozusagen freiwillig mit dem Rücken an die Wand stellen müsse, so der hessische IG-Metall-Vorsitzende Armin Schild. Der Kreditvertrag zwischen dem Investor und der geldgebenden Bank verpflichte die VAC zu ganz ungewöhnlichen Gewinnsteigerungen. «Und das hat Methode», sagt Schild.

Was Schild als «Methode» bezeichnet, nennt ein Sprecher des
Investors OEP «ganz gewöhnliche Vertragsauskleidung». Den Kauf der
VAC im Jahr 2005 habe seine Gesellschaft zwar zu 66 Prozent
kreditfinanziert, doch seien die Bankbedingungen «die üblichen»
gewesen. Ob üblich oder nicht - für Schild nützen sie allein dem
Investor und nicht dem Unternehmen, den 1500 Beschäftigten schon gar
nicht. «Diese Kreditbedingungen verschlechtern sich, wenn die VAC
nicht Jahr für Jahr große Gewinnsteigerungen erzielt.»

Nach Recherchen der Gewerkschaft bedeutet das: Selbst respektable
Erträge verteuern die Kreditbedingungen, wenn die vereinbarte
Gewinnsteigerung nicht erreicht wird. Die Steigerungsrate, die
zwischen Kreditgeber und Investor möglicherweise vereinbart ist,
behält Schild für sich. «Aber die Vacuumschmelze wird im laufenden
Geschäftsjahr Verlust ausweisen.» Grund sei der verteuerte Kredit,
der vorhandene Erträge ins Minus «drehe». Ob die Analyse des
Gewerkschaftlers Hand und Fuß hat, wollte die VAC-Geschäftsführung am
Mittwoch nicht kommentieren.

Schild und seine Gewerkschaftsleute haben die fraglichen
Kreditverträge nach eigener Auskunft von Fachleuten prüfen lassen.
Die VAC, so das Urteil der Experten, würde schwarze Zahlen schreiben,
wenn die Kreditbedingungen die Bezeichnung «üblich» tatsächlich
verdienten. So aber, erklärt Schild, habe das Unternehmen nun Grund,
von den Beschäftigten «Beiträge» zur Sicherung des Firmenstandorts in
Hanau zu fordern. Aus dem Flächentarifvertrag war die VAC bereits
ausgestiegen und kehrte erst nach den zurückliegenden Streikaktionen
der Beschäftigten in die Tarifbindung zurück.

Mit dem heiklen Kreditvertrag in den Händen hat Gewerkschaftler
Schild am Mittwoch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) seine
Aufwartung gemacht. Der amtierende Chef der Landesregierung hatte
überraschend Geschäftsführung und Betriebsrat der VAC zum Gespräch
geladen, um gemeinsam mit Schild über die Zukunft des Unternehmens zu
beraten. Vereinbart ist nun ein Mediationsverfahren, das bereits
kommenden Montag mit ersten Gesprächen vorbereitet werden soll. Ein
ehemaliger Arbeitsrichter soll die Mediation leiten.

Eines der Ziele, das sich die Gewerkschaftsseite im
Mediationsverfahren gesetzt hat, ist eine Ablösung der seinerzeit
geschlossenen Kreditverträge. Dass Koch dieses Vorhaben unterstützt,
ist nun wahrscheinlich, wird aber von seinem Sprecher nicht
bestätigt. Bleiben die Kreditbedingungen, wie sie sind, hätte die
«Methode» nach Einschätzung Schilds am Ende Erfolg: ein Unternehmen
an den Markt zu bringen, das mit niedriger Lohnstruktur profitabel
arbeitet. «Investoren nennen das, den Unternehmenswert steigern»,
sagt Schild.

(rheinmain)


 


 

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