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Girls‘ Day:

Einblicke in den Alltag eines Bestatters

Girls‘ Day auf dem Hauptfriedhof?! – Für Bestattermeister Harald Hübener eine Selbstverständlichkeit. In fünfter Generation engagiert sich der junge Familienvater für einen natürlicheren Umgang mit Sterben und Tod.

Im Gespräch mit rhein-main.business-on.de gab der designierte Geschäftsführer der ältesten Pietät Frankfurts Einblicke in seinen Berufsalltag.

Herr Hübener, Ihrer Familie gehört das älteste Bestattungsinstitut Frankfurts. Sie selbst sind der erste und bis dato einzige Bestattermeister der Stadt. Was zeichnet einen `Bestattermeister´ aus?

Harald Hübener: Gegenüber dem `geprüften Bestatter´ oder Bestattern ohne Ausbildung, verfügt ein Bestattermeister über ein umfangreicheres Wissen.
Als großen Mehrwert meiner Ausbildung sehe ich auch das Netzwerk, das sich aus der gemeinsamen Zeit und Erfahrung heraus unter Bestattermeistern in ganz Deutschland entwickelt hat. Hier tauscht man sich untereinander verstärkt aus. Man hilft sich gegenseitig in der Klärung komplexer Fragen, steht anderen mit Rat und Tat zur Seite. Dazu muss man wissen, dass der `Bestatter´ erst seit wenigen Jahren ein Ausbildungsberuf ist.

Was sind wesentliche Inhalte der Ausbildung zum `Bestattermeister´?

Harald Hübener: Zur Ausbildung gehören juristisches Grundwissen zum Bestattungs- und Friedhofsrecht, das Gebiet der Trauerpsychologie wie auch die Themenbereiche Gesprächsführung und Öffentlichkeitsarbeit. Von wachsender Bedeutung ist das Fachwissen im Bereich der Thanatopraxie, über das ein Meister Kenntnis hat. Gemeint sind damit alle Tätigkeiten und Fertigkeiten zur ästhetischen und hygienisch einwandfreien Aufbahrung von Verstorbenen. Dazu zählt auch die optische Wiederherstellung von Unfallopfern. Vor allem aber ermöglicht die Thanatopraxie den Hinterbliebenen auch dann ein Abschiednehmen am offenen Sarg, wenn dies unter normalen Umständen nicht mehr möglich gewesen wäre. Das kann erheblich zur Trauerbewältigung beitragen.

Herr Hübener, Ihre Branche ist für Zurückhaltung und ein „Arbeiten im Hintergrund“ bekannt. Worin besteht Ihre Arbeitsphilosophie; was unterscheidet Sie von anderen Pietäten?

Harald Hübener: Grundsätzlich bietet jeder Bestatter die gleichen Leistungen an. Eine Pietät organisiert Beisetzungen, überführt Verstorbene oder erledigt Formalitäten. Was uns von anderen unterscheidet, ist nicht so sehr das, was wir, sondern wie wir es tun.
Unser Handwerk ist unsere Leidenschaft, wir arbeiten mit Herz und garantieren gleichzeitig eine hohe fachliche Kompetenz. Qualität in der Ausbildung, eine umfassende persönliche Betreuung der Hinterbliebenen und der respektvolle Umgang mit Verstorbenen zeichnen uns aus. – In erster Linie hören wir zu, fühlen mit und helfen dort, wo man Dinge nicht selbst erledigen oder bewältigen kann – so persönlich und diskret als irgend möglich. Wir drängen uns nicht auf und behandeln jeden Verstorbenen so, wie wir selbst nach unserem Tod behandelt werden möchten. Denn wir sind uns bewusst, dass wir Menschen vor uns haben – mit ihrer eigenen Würde, die mit guten und schlechten Erfahrungen, Wünschen, Träumen und Sehnsüchten durchs Leben gegangen sind. So erweisen wir jedem Verstorbenen den Respekt, bei allen Trauerfeierlichkeiten und Beisetzungen von Anfang bis Ende anwesend zu sein – es sei denn, es ist uns nicht gestattet oder seitens der Hinterbliebenen nicht erwünscht.

Heute ist `Girls‘ Day´. Der jährlich stattfindende bundesweite Berufsorientierungstag richtet sich an Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren. Was hat sie dazu bewogen, Ihren Beruf und Alltag als Bestatter einem so jungen Interessentenkreis zugänglich zu machen?

Harald Hübener: Insgesamt besuchen uns drei Mädchen, die von sich aus Interesse an einem Tag bei uns signalisiert und bei uns angefragt haben, ob wir für den Girls‘ Day zur Verfügung stünden. Wir veranstalten zwar regelmäßig Tage der offenen Tür, und man kennt uns in Frankfurt; aktiv angeboten haben wir uns für den Tag allerdings nicht.
Umso mehr haben wir uns über die Neugierde und Unbefangenheit der Mädchen gefreut. Denn nach wie vor gibt es in der Gesellschaft große Hemmungen, uns zu besuchen oder anzusprechen – wenn es nicht gerade aus einem konkreten Anlass heraus ist. Dabei sind wir Berater in allen Trauerfragen und pflegen seit Jahren ein offenes Haus – mit hellen Räumen, warmen Farben und einem wohnlichen Ambiente.

Was dürfen die Mädchen von Ihnen erwarten? Wie sieht das Programm des heutigen Tages aus?

Harald Hübener: Dazu habe ich mich im Vorfeld mit meiner Familie beraten. Ich bin selbst Vater von zwei Mädchen und mir bewusst, dass so etwas wohl überlegt sein will. Zunächst möchte ich den Girls unsere Räumlichkeiten zeigen und habe im Anschluss eine kleine theoretische Einführung in unsere Arbeit geplant. Danach werden wir gemeinsam den Hauptfriedhof in Eckenheim besuchen, wo Leichenhalle und Arbeitsräume besichtigt werden können. Wenn es sich ergibt, setzen wir uns für einen Augenblick in eine gerade dort stattfindende Trauerfeier. Auch einen Gang durch das Krematorium haben wir vorgesehen. Dabei können die Mädchen jederzeit individuell „pausieren“, wenn sie Räume nicht sehen möchten. Für Fragen und kleinere Gesprächsrunden ist ausreichend Zeit eingeplant. Ein abschließender praktischer Exkurs mit Mitarbeit in unserer Sarg-Werkstatt bietet Raum, das Erlebte gemeinsam Revue passieren zu lassen.

Was ist Ihre Botschaft an die jungen Mädchen? Was würden Sie sich als `Mitnahme-Effekt´ für den heutigen Tag seitens der Mädchen wünschen?

Harald Hübener: Wenn es uns in der Kürze der Zeit gelingen würde, Tod und Sterben als natürliche Sache und Ereignis im Leben eines jeden Menschen zu vermitteln, wäre das sehr schön. Das Thema `Sterben´ ein Stück weit weniger abstrakt erscheinen zu lassen und die Mädchen ansatzweise damit vertraut zu machen, liegt uns ebenso am Herzen. Denn nicht alles, was mit dem Tod zusammenhängt, ist schlecht oder schrecklich. Und wir Bestatter sind keine hageren Leichengräber mit einem Geier auf der Schulter, wie man es noch in manchen Comics zu sehen bekommt, sondern normale Menschen, die für andere Menschen da sind und ihr Handwerk lieben.
Als `Mitnahme-Effekt´ oder -Botschaft würde ich mir wünschen, dass man uns als Ansprechpartner in allen Fragen von Tod, Sterben und Trauer begreift, zu dem man jederzeit mit persönlichen Anliegen kommen kann.

(Redaktion)


 


 

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