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Keltenwelten

Ab Mai 2011 zeigt neues Museum am Glauberg 2500 Jahre alte Funde

(bo/dapd-hes). Für eine 2.500 Jahre alte, von Archäologen in Mittelhessen gefundene Feige wird das neue Museum "Keltenwelt am Glauberg" zur letzten Station einer langen Reise. "Das Früchtchen war Gegenstand internationalen Handels, an dem die Kelten seinerzeit teilhatten", erläutert Archäologe Thomas Lessig-Weller, der das am Montag vorgestellte Ausstellungskonzept mit erarbeitet hat.

Anfang Mai 2011 soll die Keltenwelt in ihrem Neubau am Glauberg eröffnet werden und zeigt dann die Funde, die Archäologen aus dem Boden des Wetterauhügels in den letzten 15 Jahren zutage förderten. Die Schau will Besuchern auch Gegenwartsbezüge vermitteln.

Das kantige, dreistöckige Museumsgebäude wurde in Anlehnung an den Bauhausstil errichtet und ragt fast schwebend aus dem Hang über der Gemeinde Glauberg heraus. 1998 seien für den Neubau und den Erwerb umliegender Grundstücke umgerechnet rund sechs Millionen Euro kalkuliert worden, am Ende seien es acht Millionen Euro geworden, berichtet die Leiterin der Keltenwelt, Katharina von Kurzynski. "Ein so mäßiger Anstieg in zwölf Jahren ist heute eigentlich vorzeigbar", sagt die Archäologin.

Archäologen suchen "Andockpunkte"

In dem in die Landschaft hinausragenden Gebäudeflügel sieht die Archäologin ein verbindendes Element, durch das die Keltenwelt Anschluss an die Umgebung findet. Von Kurzynski sucht "Andockpunkte", die das keltische Leben im fünften vorchristlichen Jahrhundert - aus dieser Ära stammen fast alle Funde - mit der heutigen Zeit verbinden. Einer dieser "Andockpunkte" könne etwa das keltische Verständnis einer ethnischen Zugehörigkeit sein, erläutert die Archäologin mit Blick auf die aktuelle Integrationsdebatte. Man spreche heute stets von "den" Kelten, obwohl sich die Menschen in ihren Stammesverbünden seinerzeit nicht über ganz Europa verteilt sahen. Trotzdem hätten sich die lokalen Gruppen weiträumig ausgetauscht, "und sie konnten sich mit einer Sprache verständigen". Zum Beispiel über den Preis und die Herkunft einer Feige.

Bei Grabungen auf dem Glauberg stießen Archäologen schon vor 80 Jahren auf Spuren früher keltischer Besiedlung. Inzwischen ist anhand von Funden belegt, dass auf dem Plateau auf dem Hügel bereits vor 6.000 Jahren, zu vorgeschichtlicher Zeit, Menschen lebten. Intensive Grabungen seit 1994 förderten Fundamentreste von Häusern auf dem Glauberg zutage, die von einer Besiedlung bis ins Hochmittelalter hinein zeugen. Das neue Museum wird fast ausschließlich die rund 2.500 Jahre alten Funde aus der Keltenzeit zeigen.

Auch "Mystery-Funde" zu sehen

Ein besonders wichtiges Objekt wird die als einmalig geltende Sandsteinstatue eines Keltenfürsten sein, der 1996 aus seinem Grab am Glauberg gehoben wurde und im Museum im Original zu sehen sein wird. "Aber wir stellen auch Objekte aus, die uns selbst noch Rätsel aufgeben", sagt Museumspädagoge Lessig-Weller. Der Archäologe spricht von "Mystery-Funden" und will mit ihrer Präsentation im nächsten Jahr Besucher ermuntern, mit eigenen, fantasievollen Ideen über den Zweck der antiken Stücke an die Wissenschaftler heranzutreten.

Das Museum wird zudem ein kleines Forschungslabor bereithalten mit einem Instrumentarium zur Untersuchung verschiedener Materialien, darunter auch - als Nachbildung - ein in 2.500 Jahren etwas verschrumpeltes Feigenfrüchtchen. Lessig-Weller hofft, die Ausstellungskonzeption der Keltenwelten wird die Fantasie der Besucher wecken können. Denn nur die "materielle Kultur" der Kelten könnten die Archäologen zeigen. "Interessant sind aber immer alle Aspekte des Menschseins."

(dapd )


 


 

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