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Gedenkfeier

Grosser und Graumann reichen sich die Hand

(bo/dapd-hes). Ohne den vielfach erwarteten Eklat ist am Dienstag die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht in der Frankfurter Paulskirche zu Ende gegangen. Der deutsch-französische Publizist Alfred Grosser mahnte zwar in seiner Rede, auch das Leid der Palästinenser nicht zu vergessen, verzichtete aber auf Attacken gegen Israel.

Auch der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, der Grosser zuvor Hass gegen Israel vorgeworfen und als Redner eine Fehlbesetzung genannt hatte, hielt eine eher nachdenkliche Rede. Am Ende der Feier reichten sich die beiden vormaligen Kontrahenten versöhnlich die Hand.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten, die in der sogenannten Reichskristallnacht am 9. November 1938 in ganz Deutschland Synagogen angezündet und willkürlich Juden verhaftet hatten. In den Reden gab aber auch viele Bezüge zur Gegenwart. Graumann, der vor Grosser sprach, räumte zu Beginn seiner Ausführungen ein, schon unter günstigeren und entspannteren Umständen an dieser Stelle geredet zu haben. Die Bedenken der Jüdischen Gemeinden seien nicht ausgeräumt, fügte er hinzu, ohne Grossers Namen zu nennen. Zugleich warnte er aber, der Gedenktag sei "kein Spektakel". Es werde keinen Knall geben, wer auf einen Eklat warte, werde enttäuscht.

Den Großteil seiner Rede widmete der designierte Nachfolger Charlotte Knoblochs an der Spitze des Zentralrats der Juden aber ganz anderen Themen. Er forderte, das Verbot der rechtsextremistischen NPD wieder auf die Tagesordnung zu setzen, warf der deutschen Wirtschaft übereifrige Geschäfte mit Iran vor, dessen Präsident zur Vernichtung Israels aufrufe, und plädierte dafür, dass sich Juden nicht nur als Opfer, sondern auch mehr als lebensbejahende Menschen darstellen sollen. Grosser wiederum sprach viel über die demokratische Entwicklung Deutschlands nach dem Krieg und lehnte den Begriff der Kollektivschuld entschieden ab.

Erst gegen Ende seiner Ausführungen verteidigte er in sehr milden Worten seine kritische Haltung zu Israel, das er zur westlichen Gemeinschaft zähle. Gerade wenn man selbst Werte vermitteln wolle, müsse man sie aber auch vorleben. Grosser erwähnte die Palästinenser und sagte, man müsse immer auch an das Leid der anderen denken. Das sei eine wichtigere Voraussetzung für den Frieden als die Waffe, fügte der 85-Jährige hinzu.

(dapd )


 


 

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