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Wertvolles Altarbild für Städel Museum

Hauptwerk des «Meisters von der Grooteschen Anbetung» von Frankfurter Mäzenatin gestiftet

(bo/ddp-hes). Jochen Sander erinnert sich noch gut an den Moment, als vor einigen Jahren ein aufgeregter junger Mann im Foyer des Frankfurter Städel Museums vor ihm stand. Kurz zuvor hatte der Städel-Sammlungsleiter für niederländische und deutsche Malerei vor 1800 einen Katalog zum Museumsbestand veröffentlicht. Darin tauchte auch ein Foto vom Hauptwerk des bis heute namentlich unbekannten «Meisters von der Grooteschen Anbetung» auf. «Verbleib unbekannt», stand unter der Abbildung. Doch der 20-Jährige sagte: «Das Bild ist nicht verschollen, das hängt bei uns über dem Sofa.»

Unter Kunsthistorikern galt das Werk zu diesem Zeitpunkt aber als
verschollen. Nach einer Ausstellung 1903 in Düsseldorf hatte sich die
Spur des dreiteiligen Altarbildes aus dem ersten Drittel des 16.
Jahrhunderts verloren. Mit dem Auftritt des jungen Mannes war es
wiedergefunden. Nun gehört der dreiflügelige Altar dank Mäzenatin
Dagmar Westberg dem Städel.

Der «Meister von der Grooteschen Anbetung» gilt als einer der
führenden Maler der sogenannten Antwerpener Manieristen des 16.
Jahrhunderts. Der Kunsthistoriker Max J. Friedländer hatte den
anonymen Künstler im Jahre 1915 nach einem früheren Besitzer des
Triptychons benannt.

Der Altar zeigt auf der Mitteltafel die Anbetung der Heiligen Drei
Könige und auf den Seitenflügeln zwei Szenen aus dem Alten Testament:
die Übergabe des Wassers aus Bethlehem an König David sowie die
Königin von Saba vor König Salomon. Es sei «nicht irgendein Bild» aus
dem Antwerpen des frühen 16. Jahrhunderts, sagt Kurator Sander. Es
sei «besonders hochkarätig, besonders aufregend und besonders
interessant».

Der unbekannte Künstler habe bei diesem Werk «einen neuen Ansatz»
verfolgt, erläutert Sander. Es sei keine Auftragsarbeit gewesen,
sondern quasi auf Vorrat gemalt worden. Und: Obwohl das Werk wie ein
Altarbild aufgebaut sei, sei es «von Anfang an nie für die Liturgie
gedacht gewesen». Es sei also vielmehr Kunstwerk denn Altarbild. Die
Altmeistersammlung des Städel ist damit nun um ein äußerst wertvolles
und kunsthistorisch bedeutendes Werk erweitert worden. Ab Dienstag
(9. Dezember) ist das Werk im Städel ausgestellt.

Möglich gemacht hat diesen bedeutendsten Neuzugang seit vielen
Jahren die Frankfurter Mäzenatin und längjährige Städel-Förderin
Dagmar Westberg anlässlich ihres 94. Geburtstages am Montag (8.
Dezember). Sie kaufte das Werk zu einem nicht näher bezifferten,
siebenstelligen Betrag an und vermachte es dem Museum als Schenkung.
Westberg selbst sagte bei der Übergabe des Werks, es sei «am besten
so etwas zu Lebzeiten zu machen, damit man selbst noch Freude daran
hat». Sie fühle sich der Stadt und dem Städel als langjährige
Wahl-Frankfurterin verbunden. Ihr sei es wichtig, «auch ältere Kunst»
für zukünftige Generationen zu erhalten.

Westberg stammt aus einer baltisch-hamburgischen
Unternehmerfamilie und arbeitete mehrere Jahrzehnte für die
US-amerikanischen Generalkonsulate in Hamburg, Berlin und nach dem
Zweiten Weltkrieg in Frankfurt am Main. Bereits ihr Großonkel Oskar
Troplowitz, Erfinder von Produkten wie Hansaplast, Tesa-Klebeband und
Nivea, die das Unternehmen Beiersdorf erfolgreich machten, war Mäzen
und förderte vor allem die Hamburger Kunsthalle. Seine Nichte hat -
seiner Tradition folgend - die Dagmar-Westberg-Stiftung gegründet,
die seit Jahren das Städel Museum unterstützt.

Das Altarbild des niederländischen Meisters war bereits vor
einigen Jahren als Leihgabe in einer Sonderausstellung des Städel zu
sehen. Die Familie des jungen Mannes, in deren Besitz sich das Werk
rund 100 Jahre befunden hatte, stellte es damals zur Verfügung. Nun
hat es die Familie an Dagmar Westberg verkauft. Städel-Direktor Max
Hollein bezeichnete die folgende Schenkung als «großartige Tat»: «Wir
hätten uns das Bild mit unserem Etat niemals leisten können.»

(rheinmain)


 


 

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