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Western-Autor

Alfred Wallon hat zwölf historische Western-Romane und 150 Heft-Romane veröffentlicht

(bo/ddp-hes). Ein wenig erinnert Western-Autor Alfred Wallon an Karl May. Auch er ist vorher noch nie Amerika gewesen. Er kennt weder Little Big Horn noch Wounded Knee aus eigener Anschauung. Selbst den Rio Concho, an dem seine Saga um eine Familie von Texas-Rangern im Wilden Westen spielt, hat er nie gesehen.

 «Dafür habe ich nie Zeit gehabt», sagt der 53-Jährige aus Hachborn bei Marburg. Dabei ist Alfred Wallon einer der bekanntesten Western-Autoren Deutschlands: Er hat allein zwölf historische Western-Romane sowie mehr als 150 Heft-Romane veröffentlicht. Und er legt Wert darauf, dass die historischen Fakten stimmen: «Helden-Epen, die nichts mit den geschichtlichen Tatsachen zu tun haben», findet er grauenvoll. Wallon recherchiert Schlachten, Landschaften, Kleidung, Waffen, Pferde und Gebräuche sehr genau.

Nur die Hauptfiguren sind teilweise erfunden. «Das sind anspruchsvolle Western», urteilt Wilfried Busch vom Verlag Persimplex. Und: «Sie verkaufen sich gut.» Dabei hat Wallon mit dem Wilden Westen wenig zu tun: Er stammt aus dem kleinen Dorf Hachborn, wo er bis heute in seinem Elternhaus lebt. Westernstiefel oder Cowboyhüte gibt es dort keine, nicht mal Pferde: «Ich will vor allem schreiben», sagt Wallon. Sein Vater, ein Zimmermann, weckte in ihm die Begeisterung für den Wilden Westen. Schon als Schüler verschlang er die damals populären Western-Hefte und begann, die ersten 40 Kurzgeschichten für die Schublade zu schreiben.

Noch während seiner Lehrzeit zum Industriekaufmann versuchte er, seinen ersten Roman zu veröffentlichen. Und er hatte Glück: Ein Lektor mit einer Schwäche für historische Western nahm ihn als Autor an. Seitdem hat er bei diversen Verlagen 150 Heft-Romane veröffentlicht, darunter etwa ein Drittel Western, aber auch Liebes-Romane, Science Fiction, Heimat-, Fernfahrer-, Horror- und sogar Jerry-Cotton-Romane. In Auflagen zwischen 10 000 und 30 000 pro Heft gab es seine Geschichten an Kiosken und in Bahnhofsbuchhandlungen zu kaufen. Ganz vom Schreiben leben wollte Alfred Wallon allerdings nie.

«Dann müsste ich jede Woche ein Heft schreiben», sagt der 53-Jährige. Er schafft jeden Monat eines - und ist auch damit ein echter Vielschreiber. Obwohl er einen vollen Job als Mediaberater hat, tippt er jeden Tag fünf Seiten in seinen Computer: «Ich habe kein anderes Hobby», sagt Wallon. Sein Herz hängt vor allem an den Geschichten um Indianer und Cowboys. Als die Western-Reihe des Verlages Bastei-Lübbe eingestellt wurde, verlegte sich Wallon auf richtige Bücher. Allein innerhalb der letzten drei Jahre hat er zwölf Bücher veröffentlicht. Sein erster Hardcover-Roman dreht sich um die legendäre Schlacht von Wounded Knee. Aus der Sicht eines fiktiven Fährtensuchers schildert er die Verbrechen gegen die Indianer bis zu dem grausigen Kampf, bei dem US-Soldaten 150 Männer, Frauen und Kinder der Sioux massakrierten.

Ein Happyend hat die Story - wie viele seiner Geschichten - natürlich nicht. Für den Band «Mangas Colorados» versetzte er sich in die Figur eines Apachen-Häuptlings. «Untergang am Little Big Horn» lautet der Titel seines neuesten gemeinsam mit einem Schweizer Autor veröffentlichten Romans, der im Mai erschienen ist. Hauptfigur ist General Custer, der sich an die historische Figur der US-Kavallerieoffiziers Custer anlehnt, der in der Schlacht am Little Big Horn im Juni 1876 fiel und dessen Einheiten dort von Indianerkriegern vollständig aufgerieben wurden.

«Viele glorifizieren ihn, weil er im Kampf gegen die Indianer gefallen ist», sagt Wallon: «Ich sehe in ihm einen egoistischen, cholerisch veranlagten Menschen, der nur seinen eigenen Vorteil und seine eigene Karriere im Auge hatte.» Im Juli wird der Bürgerkriegsroman «Quantrill» erscheinen, in dem es um eine berüchtigte Partisanen-Gruppe geht. Innerhalb der nächsten drei Jahre will Wallon nun doch nach Amerika reisen. Schließlich drängen ihn die Freunde aus dem renommierten amerikanischen Schriftsteller-Verband der «Western Writers of America» schon lange. Dort ist er als einer von ganz wenigen Europäern aufgenommen worden.

Zudem schreibt er inzwischen sogar auf Englisch - gemeinsam mit David Whitehead veröffentlichte er die Co-Produktion «All guns blazing» (Rauchende Colts). Little Big Horn - «das ist nur ein Hügel, auf dem man sich den Wind um die Nase wehen lassen kann» - will er nicht besuchen. Neben den amerikanischen Western-Autoren interessieren ihn die Schauplätze des Bürgerkriegs. Und den Rio Concho, ein Nebenfluss des Rio Grande, an dem seine Familien-Saga spielt, will er sich anschauen.

(ddp/Redaktion)


 


 

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