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Heidemarie Wieczorek-Zeul

Die "Rote Heidi" will mit 70 kürzer treten - Wieczorek-Zeul bleibt aber politisch aktiv

Woher ihr Rufname "Rote Heidi" kommt, kann Heidemarie Wieczorek-Zeul sofort beantworten. "Von meiner Haarfarbe und meinen Gedanken!" Die SPD-Politikerin und langjährige Bundesentwicklungsministerin wird am Mittwoch (21. November) 70 Jahre alt. Für den Bundestag kandidiert die Parteilinke und ehemalige Juso-Vorsitzende im kommenden Jahr nicht mehr. Aber politisch aktiv bleiben will sie natürlich trotzdem - und sich auch im Wahlkampf für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und eine wieder rot-grüne Bundesregierung engagieren.

Bei ihrem Ausscheiden aus dem Bundeskabinett im Oktober 2009 war Wieczorek-Zeul mit elf Jahren Amtszeit die mit Abstand dienstälteste Ministerin: Von Anfang an hatte sie seit 1998 der rot-grünen Bundesregierung Gerhard Schröder (SPD) angehört und dann bis zu deren Ende auch dem Kabinett der großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Und an der Entwicklungspolitik - das Wort Entwicklungshilfe kommt ihr nicht über den Mund - hängt auch heute noch ihr Herz. "Ich bin dankbar für diese Zeit, man konnte wunderbar viel bewegen", sagt sie stolz.

Als Beispiel nennt sie den unter ihrer Ägide gegründeten Freiwilligendienst "Weltwärts", bei dem zusammen mit privaten Trägern rund 10.000 junge Leute zwischen 18 und 28 für ein halbes bis zwei Jahre Umweltprojekte unterstützen und Straßenkindern helfen. Über ihren Nachfolger in der Bundesregierung, den FDP-Politiker Dirk Niebel, sagt Wieczorek-Zeul wenig. "Das Problem wird sich in einem Jahr erledigt haben", zeigt sie sich gewiss. Sie glaube fest an eine Mehrheit für Rot-Grün bei der Bundestagswahl im September 2013.

Forderung nach 5.000 Mark Einkommensgrenze

Mit ihrer eigenen Bilanz als Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wie es offiziell heißt, ist Wieczorek-Zeul zufrieden: "Wir haben dazu beigetragen, die ärmsten Entwicklungsländer zu entschulden und zugleich dafür gesorgt, dass die frei werdenden Gelder für Armutsbekämpfung, Bildung und den Kampf gegen HIV und Aids ausgegeben werden. Und es besuchen jetzt sehr viel mehr Kinder Schulen in diesen Ländern", hebt sie hervor. Mit Steinbrück als Finanzminister habe sie in der großen Koalition gut zusammengearbeitet. Die Mittel für Entwicklungspolitik seien wie vereinbart stetig erhöht worden. Man dürfe aber in den Anstrengungen nicht nachlassen, mahnt Wieczorek-Zeul. Entwicklungspolitik sei Teil von Friedens- und Präventionspolitik. "Heute darin zu investieren, heißt, morgen Klimakatastrophen und militärische Konflikte zu verhindern", zeigt sich die Sozialdemokratin überzeugt.

Längst hat sich die am 21. November 1942 in Frankfurt am Main geborene Politikerin Respekt über die Parteigrenzen hinweg verschafft. Das war noch anders, als die damalige Juso-Vorsitzende in den 1970er Jahren mit der Forderung nach einer Einkommenshöchstgrenze von 5.000 Mark Furore machte. "Es ging damals darum, die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen nicht zu weit auseinanderklaffen zu lassen" erinnert sie sich. Aber seinerzeit habe noch niemand an Bonus -Zahlungen oder daran gedacht, dass die obersten Einkommen die untersten einmal um das 350-fache übertreffen würden.

Scharping als SPD-Vorsitzende unterlegen

Jedenfalls hatte die Forderung den Bekanntheitsgrad als "rote Heidi" deutlich erhöht. Ihre politische Karriere begann Wieczorek-Zeul als Stadtverordnete in Rüsselsheim. Es folgten die Wahl ins Europaparlament und schließlich 1987 in den Bundestag. Bei einer Mitgliederbefragung unterlag sie 1993 Rudolf Scharping als SPD-Vorsitzende, stieg aber zu dessen Stellvertreterin auf.

Sie sei jedoch keine Berufspolitikerin und habe zehn Jahre als Lehrerin in Rüsselsheim gearbeitet, betont Wieczorek-Zeul. Im Übrigen sei sie auch als Englisch- und Geschichts-Studentin an der Frankfurter Uni in die Kolloquien des Generalstaatsanwalts und Anklägers im Auschwitz-Prozess, Fritz Bauer, gegangen und von diesem nachdrücklich geprägt worden. Auch ihr Engagement gegen Antifaschismus und gegen Waffenlieferungen als langjährige Vorsitzende des linken SPD-Bezirks Hessen-Süd rühre letztlich daher.

Doch jetzt sei es ander Zeit, ihr Bundestagsmandat an eine Juso-Frau oder einen Juso-Mann abzugeben, sagt die in Wiesbaden wohnhafte Wieczorek-Zeul. Was die Kandidatenlage in ihrem dortigen Wahlkreis angeht, stünden die Chancen dafür nicht schlecht.

Von Gerhard Kneier

(dapd)


 


 

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