Sie sind hier: Startseite Rhein-Main Aktuell News
Weitere Artikel
Wenig Licht, mehr Schatten

Herbst-Konjunkturumfrage verheißt nur wenige Lichtblicke bis zum Jahreswechsel

Die Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis können sich der allgemeinen konjunkturellen Talfahrt in Deutschland nicht entziehen. Betroffen sind die Bereiche Handel und teilweise Dienstleistungen, aber auch die Industrie.

Nach über drei richtig guten Jahren mit einem ordentlichen Wirtschaftswachstum gab die Konjunktur im zweiten Quartal 2008 erstmals deutlich nach. Dass dem Aufschwung um die Jahresmitte die Puste ausgehen würde, war nach dem starken Jahresbeginn zu erwarten. Ausschlaggebend für den deutlichen Rückgang waren aber weniger die medienwirksamen Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten oder die Immobilienkrisen in den USA und in Spanien als vielmehr die privaten Verbraucher in Deutschland.

Ein regelrechter Preisschock lähmt seit Monaten die private Nachfrage. Nicht nur die gestiegenen Kosten für Nahrungsmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs sind dafür verantwortlich, negativ ins Kontor schlagen vor allem die hohen Öl- und Energiepreise. Den Verbrauchern ist bewusst, dass die kommende Heizperiode teuer wird. Höhere Preise bei vielen Waren und Dienstleistungen stehen außerdem ins Haus. Die Hersteller sehen sich gezwungen, ihre gestiegenen Kosten weiterzureichen, und diese Zweitrundeneffekte trüben die Kauflaune weiter ein. Ungewiss ist auch, wie die gerade anlaufende Tarifrunde ausgehen wird. Das Angstsparen der privaten Haushalte deutet darauf hin, dass keine reale Lohn - und Gehaltssteigerung erwartet wird.

Geringe Erwartungen sind typisch für einen einsetzenden Abschwung der Konjunktur. In einer derartigen Lage kann die Politik nur mit einer deutlichen und vor allem schnellen Steuerentlastung das Ruder herumreißen. Doch woher soll die Politik das Geld nehmen, um den Mittelstand und die normalen Arbeitnehmer zum Konsum zu animieren? Der Schuldenstand in Bund, Ländern und Kommunen ist für teure Ausgabenprogramme viel zu hoch. Die hinter uns liegenden guten Jahre wurden nicht im nötigen Umfang für eine Haushaltskonsolidierung genutzt. Das wird sich in den kommenden Monaten bitter rächen.

Düstere Aussichten

Mit ihren Sorgen sind die Verbraucher übrigens nicht allein. Auch bei den von der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern befragten Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis wächst die Unsicherheit. Zwar bezeichnen 26,6 Prozent der antwortenden 188 Unternehmen ihre gegenwärtige Lage als gut und nur 13,3 Prozent als schlecht. Doch gegenüber den Vorjahreswerten ist das eine nicht unerhebliche Verschlechterung: Im September 2007 stuften noch 39,3 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation als gut ein und nur 9,8 Prozent als schlecht. Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage ist – glaubt man den Unternehmen insgesamt – nicht wirklich schlecht, könnte aber besser sein.
Das Stimmungsbild, das die IHK Ende August und Anfang September erhoben hat, verdunkelt sich, werden die Erwartungen mit hinzugezogen. Nur noch magere 12,8 Prozent der Unternehmen hoffen auf bessere Geschäfte, während 34,0 Prozent eine Verschlechterung kommen sehen. Der Saldo liegt bei ungewöhnlich schlechten -21,2 Punkten. Zum Vergleich: Vor zwölf Monaten waren 26,4 Prozent der befragten Betriebe optimistisch und nur 12,6 Prozent pessimistisch gestimmt, der Saldo lag bei überzeugenden + 13,8 Punkten. Dieser Zahlenvergleich dokumentiert den einsetzenden Konjunkturabschwung überdeutlich.
Werden die Antworten der Unternehmen zur gegenwärtigen und künftigen Lage gewichtet, dann stürzt der IHK-Konjunkturklima-Indikator auf nur noch 94,4 Punkte. Im Mai 2008 hatte die zentrale Kennzahl noch bei 106,1, im Januar bei 112,6 und im vergangenen September bei 121,4 Punkten gelegen. Jetzt erzielt der IHK-Indikator fast so schlechte Werte im Mai 2005. Damals ergaben sich die 92,5 Punkte aber aus einer Gewichtung von schlechter Lage und viel besseren Aussichten. Der Indikator schwankt theoretisch zwischen null Punkten bei einer ganz schlechten Lage mit düsteren Erwartungen und 200 Punkten bei einer exzellenten Wirtschaftsverfassung. Unter 90 Punkten beginnt der Abschwungbereich.

Einzelhandel besonders betroffen
Für den Handel im Main-Kinzig-Kreis scheint das Weihnachtsgeschäft schon fast vorbei zu sein, bevor es richtig begonnen hat. Die Lage in diesem Wirtschaftszweig ist – wie schon zuvor – wenig erfreulich. In den kommenden Monaten erwartet laut IHK-Umfrage fast die Hälfte der Einzelhändler eine weiter schlechte Marktentwicklung. Lediglich Teilbereiche des Großhandels können sich im Main-Kinzig-Kreis dem Abwärtstrend entziehen.
Wie das Statistische Landesamt berichtet, sanken im ersten Halbjahr 2008 die Umsätze im hessischen Einzelhandel real um ein Prozent. Vor allem die Supermärkte und Kaufhäuser waren vom Rückgang betroffen, während einige Fachgeschäfte vor allem im ersten Quartal noch gute Umsätze machen konnten. Grund für den generellen Abwärtstrend ist die hartnäckig schwache Nachfrage der Verbraucher in Deutschland, Hessen und auch im Main-Kinzig-Kreis.

Dienstleister uneinheitlich
Von der schwachen Nachfrage der Verbraucher und von den hohen Energiepreisen ist ein Bereich ganz besonders betroffen: die Verkehrsunternehmer. Hinzu kommen noch die angekündigten Erhöhungen bei der Lkw-Maut. Weil die bestehenden Frachtverträge kurzfristig keine höheren Preise erlauben, drohen dem Gewerbe viele Insolvenzen. Entsprechend schlecht fallen die Lagebeurteilung und die Angaben zur Geschäftsentwicklung dieser Unternehmen aus.
Bei den Hoteliers und Gastwirten kam im Sommer dank recht gutem Wetter und wohl auch durch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Rauchverbot eine bessere Stimmung auf. Für die vor uns liegenden Monate erwartet das Gastgewerbe einen deutlichen Nachfragerückgang nicht nur aus saisonalen Gründen. Viele Wirte befürchten, dass den Verbrauchern das Geld weniger locker in den Taschen sitzen wird.
Zwei weitere wichtige Dienstleistungsbereiche, die Banken und Sparkassen sowie die unternehmensnah arbeitenden Dienstleister, spüren vom konjunkturellen Abwärtstrend bislang nur wenig. Die Lage wird jeweils mit über 45 Prozent der Angaben noch als gut bezeichnet und nur vereinzelt als schlecht. Für die kommenden Monate wird mehrheitlich eine weitgehend unveränderte Geschäftsentwicklung vorhergesehen. Vergegenwärtigt man sich die Krisen auf den Finanzmärkten weltweit, so dürfte dieses recht rosige Bild im Main-Kinzig-Kreis im Kreditgewerbe vor allem daher rühren, dass vor allem Sparkassen und Volksbanken im Landkreis an der IHK-Umfrage teilnehmen – Geldhäuser, die bislang weniger von den Problemen an den Finanzmärkten getroffen wurden.
Die unternehmensnah arbeitenden Dienstleistern sind, das war schon früher zu beobachten, relativ wenig anfällig für das Auf und Ab der konjunkturellen Wechsellagen. Für den Wirtschaftsstandort Main-Kinzig-Kreis im Osten der Dienstleistungshochburg FrankfurtRheinMain ist das eine beruhigende Botschaft.

Industrie vor Abschwung

Lange Zeit erlebten die Industriebetriebe eine Sonderkonjunktur, die von Exporten und Investitionen getrieben war. Jetzt weisen deutlich weniger neue Aufträge aus dem Ausland und auch aus dem Inland auf eine Trendwende hin. Bewertete vor einem Jahr noch weit über die Hälfte der Industrieunternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis die aktuelle Lage als gut, so ist es jetzt nur noch knapp ein Viertel. Im Jahresvergleich stieg außerdem der Anteil der schlechten Bewertungen von 2,8 auf 10,8 Prozent. Während die gegenwärtige Lage als nicht mehr ganz so gut, aber noch nicht wirklich schlecht eingestuft wird, fallen die Erwartungen stark ab. Immerhin 40,5 Prozent aller Industriebetriebe im Main-Kinzig-Kreis befürchten eine künftig schlechtere Geschäftslage und nur noch 16,2 Prozent hoffen auf eine Besserung.
Nur die seit Jahren stark gebeutelte Bauwirtschaft darf einen Silberstreif am Horizont erkennen: Die hohen Energiekosten werden private und gewerbliche Verbraucher zu Investitionen zwingen.

Die Industrie leidet erneut unter der schwachen Binnennachfrage. Nach einem Aufschwung, der vorwiegend von den Investitionen getrieben wurde, sinken die Bestellungen wieder. Außerdem verteuert der noch immer recht starke Euro-Kurs den weltweiten Verkauf, die Exporte gehen zurück. Viele Auslandsmärkte sind zudem von der weltweit abflachenden Konjunkturentwicklung gebeutelt.
Jetzt schmelzen die hohen Auftragspolster der Industriebetriebe langsam weg. Das sind keine guten Aussichten für ein erneutes Durchstarten der Konjunktur nach einer kurzen Schwächephase. Es sieht ganz danach aus, dass ein markanter Aufschwung erst dann wieder einsetzen kann, wenn die Krise auf den internationalen Kapitalmärkten ausgestanden ist. Und dies dürfte frühestens im kommenden Jahr der Fall sein.

In diese Richtung deuten auch die Angaben der Unternehmen zu ihren Investitionsabsichten und zu den Beschäftigungsplänen hin: Das Budget für neue Maschinen und Anlagen wird gegenwärtig zurück gefahren und auch bei den Neueinstellungen handeln die Unternehmen deutlich verhaltener. Aber da der Arbeitsmarkt der Konjunkturentwicklung hinterher läuft, dürften sich die Beschäftigungszahlen vorerst noch nicht deutlich verringern. Vor allem für die Langzeitarbeitslosen wird es im Laufe der kommenden Monate aber immer schwerer werden, eine Beschäftigung zu finden.

(rheinmain)


 


 

Main-Kinzig-Kreis
Unternehmen
Handel
Dienstleistungen
Industrie
Hanau
Gelnhausen
Schlüchtern

Passende Artikel suchen

Finden Sie weitere Artikel zum Thema "Main-Kinzig-Kreis" - jetzt Suche starten:

Kommentar abgeben

Bei einer Antwort möchte ich per E-Mail benachrichtigt werden

 
 

 

Entdecken Sie business-on.de: