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Börsenkompass

Die tägliche Einschätzung der deutschen Börse

Die endlich erfolgte Einigung der Finanzminister des Euroraums auf ein neues Hilfspaket für Griechenland bleibt weiterhin das Topthema.

Rentenmarkt / Konjunktur

Die Rentenmärkte haben die Verabschiedung des neuen Griechenlandhilfspakets positiv aufgenommen; die risikofreudige Grundstimmung hielt an. Ablesbar ist dies nicht zuletzt am den rückläufigen Renditen italienischer Staatsanleihen, deren Risikoaufschlag gegenüber Deutschland sowohl im kurzen als auch im langen Laufzeitenbereich auf den tiefsten Stand seit Anfang September sank. Die Renditen von Bundesanleihen stiegen indes leicht an. Gemessen an der rückläufigen Risikoaversion und den aufgehellten Konjunkturaussichten haben sich diese aber ebenso wie US-Treasuries in den vergangenen Wochen gut behauptet; doch ist unverkennbar, dass die Luft sehr dünn geworden ist.
So zeigt ein Blick auf die Geldmarktfutures hier wie dort, dass der Rückenwind seitens der geldpolitischen Erwartungen nachlässt. Dies spiegelt auch die Entwicklung der dafür besonders empfänglichen 2-Jahresrenditen wider, die in den USA an den oberen Rand ihrer seit August herrschenden Handelsbandbreite (damals hatte die Fed ihr Versprechen niedriger Leitzinsen bis 2013 ausgedehnt) gestiegen sind. Dies ist im wesentlichen ein Reflex der zuletzt unerwartet günstigen US-Konjunkturdaten, durch die weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen der Fed unwahrscheinlicher werden und die einzelne regionale Fed-Gouverneure offenbar bestärkten, sich von dem im Januar abermals verlängerten „Niedrigzinsverprechen“ des FOMC zu distanzieren. Treasuries und Bunds bleiben anfällig.

Aktienmarkt

Die endlich erfolgte Einigung der Finanzminister des Euroraums auf ein neues Hilfspaket für Griechenland in der Höhe von 130 Mrd. Euro hat an den europäischen Aktienmärkten keine Euphorie ausgelöst. Insgesamt herrschte nach diesem erwarteten Zwischenschritt in der Schuldenkrise eher die Tendenz zu Gewinnmitnahmen. Während sich die in den letzten Tagen sehr festen deutschen Bankenwerte dabei noch relativ gut halten konnten (Deutsche Bank: -2,1%, Commerzbank: -0,6%), geriet ThyssenKrupp (-2,7%) nach einer Brokerherabstufung etwas stärker unter Druck. Fresenius (unver-ändert) und besonders FMC (-1%) konnten mit ihren Zahlen nicht vollends überzeugen. Besonders bemängelt wurde bei beiden Unternehmen der Ausblick. Im EURO STOXX 50 lagen bis auf den Pharmasektor (+0,4%) alle Branchen leicht im Minus. Auch hier konnten sich Banken (-0,5%) vergleichsweise gut darstellen, stärker traf es die zyklischen Branchen. An der Wall Street konnte die positive Grundstimmung den Dow Jones Industrial nur kurzzeitig über die Marke von 13.000 Punkten hebeln. Positiv trugen dabei die meisten Gewinnberichte aus dem Retailbereich (Home Depot, Macy’s) bei, lediglich Wal-Mart (-3,9%) enttäuschte mit seinen Zahlen. Am positivsten konnte sich angesichts der steigenden Ölpreise der Energiesektor (+0,8%) präsentieren. Im nachbörslich vorgelegten Zahlenwerk von Dell enttäuschte vor allem der Ausblick auf das laufende Quartal. Die Märkte in Fernost können auch heute Morgen wieder mehrheitlich fester schließen. Trotz dieser guten Vorgabe sollten die europäischen Börsen etwas schwächer eröffnen. Neben den Details des Hilfpakets dürften erneut zahlreiche Gewinnvorlagen im Fokus stehen.

Topthema des Tages

Rohstoffe sind Pflicht – Aktienpositionen eher die Kür
Ein Blick auf die Preistafeln der Tankstellen führt vor Augen, dass die Finanzmärkte auf Basis der Wirkungen des EZB-Langfristtenders aus dem Dezember die Rahmenbedingungen mittelfristig zu sorglos einschätzen. Mit knapp 130 $/brl. Ist der Rohölpreis der Sorte Brent seit Jahresanfang über 10% angestiegen und befindet sich – in EUR gerechnet – in der Nähe des Hochpunktes aus dem Herbst 2008. Die unorthodoxe Geldpolitik wirkt – solange die Finanzmärkte technisch funktionsfähig bleiben – mittelfristig inflationär. Dies schlägt sich zunächst und in erster Linie in einem fortgesetzten Anstieg der Rohstoffpreise nieder. Letztlich steigt damit das Risiko eines Stagflationsszenarios, da sich zum einen ein zentraler gesamtwirtschaftlicher Inputfaktor verteuert und darüber hinaus die Haushalte – zumindest in rohstoffimportierenden Ländern – an Kaufkraft verlieren. Während der Angebotseffekt längerfristig wirkt – Unternehmen sichern sich gegen Rohstoffpreissteigerungen zumindest teilweise und über einen gewissen Zeitraum ab und können Preissteigerungen ihrer Inputfaktoren zumindest teilweise an den Endverbraucher weitergeben – schlägt der Nachfrageeffekt zeitnah durch. Die Konjunktur, die in vielen Ländern gerade erst wieder et-was dynamischer läuft, könnte bei weiter steigenden Energie-preisen rasch neue Bremseffekte ausbilden. Der Aktienmarkt dürfte daher schon zeitnah sensibler werden und wieder stärkere Schwankungen zeigen. Vor diesem Hintergrund ist eine Rohstoffverankerung im Depot ein wichtiges strategisches Element, während die taktischen Entscheidungen am Aktienmarkt auch im weiteren Jahresverlauf eher die Kür darstellen.

(Commerzbank AG)


 


 

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