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Historisches Museum Frankfurt

"Zum Glück war mein Vater Bankier"

Das Historische Museum Frankfurt eröffnet weltweit einzigartige Stiftergalerie. In der Ausstellung kann man Sammlerstücke von Altar bis Nilkrokodil bewundern.

Der Besucher im Historischen Museum der Stadt Frankfurt am Main nähert sich im Eingangsbereich des neuen Ausstellungsteils einer Stele. In der geht das Licht an, und plötzlich beginnt die Büste des Afrikaforschers, Stifters und Sammlers Eduard Rüppell zu sprechen: "Zum Glück war mein Vater Bankier. Wir waren reich..." Der Mitbegründer der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft von 1818 erzählt von seinen Reisen nach Äthiopien und in den Sudan sowie den von dort mitgebrachten Raritäten. Seinen Vortrag beendet er mit den Worten: "Früher wohnte ich in der Hochstraße am Eschenheimer Turm, heute findet man mich auf dem Hauptfriedhof."

Der 1794 geborene Rüppell ist einer von zwölf bedeutenden Stiftern der Frankfurter Bürgergesellschaft aus den vergangenen drei Jahrhunderten, denen in dem Museum ab Samstag (18. August) je ein Raum mit ganz unterschiedlichen Exponaten gewidmet ist: Von Münzen aus dem Altertum, Messgeräten aus dem Mittelalter, Ritterrüstungen, Fayencen, kostbaren Gemälden bis hin zu Tierschädeln, Muscheln und Elfenbein reicht die Palette der Sammlerstücke. Sie zeugen in der neuen und weltweit einzigartigen Stiftergalerie des Historischen Museums vom kulturellen Engagement des Frankfurter Bürgertums in der Stadtgeschichte, ohne das es in der freien Reichsstadt wohl kaum Museen gegeben hätte.

"Andernorts ist die Geschichte des Sammelns weitgehend von Fürstenhöfen geprägt. Hier stammen die ältesten erhaltenen Sammlungen von Bürgerinnen und Bürgern", heißt es im Begleitheft "Frankfurter Sammler und Stifter". Drei Monate nach Wiedereröffnung der vier historischen Bauten des Museums präsentiert dessen Direktor Jan Gerchow stolz das neue Prunkstück des Hauses.

Auf drei Etagen zeigt die Stiftergalerie teils im Burnitzbau von 1842, teils im mittelalterlichen Stauferbau des Historischen Museums die Sammlungen. Gut betuchte Kaufleute, Fabrikanten, Bankiers, Syndizi, ein reicher Konditor und ein Fürstbischof haben sie zusammengetragen. Ihre Schätze schenkten sie seit dem 16. Jahrhundert der Stadt Frankfurt und seit 1878 bevorzugt dem in diesem Jahr gegründeten Historischen Museum.

Globus im zweistelligen Millionenwert

Davor aber war es vor allem die Stadtbücherei, die derartige Schenkungen aufnahm. Auch der einst in der Barfüßerkirche an der Stelle der heutigen Paulskirche untergebrachten Einrichtung ist ein Raum der neuen Stiftergalerie mit dem ersten Stadtbibliothekar Johann Martin Waldschmidt gewidmet. Neben Gemälden, historischen Sextanten und anderem Sammlergut wird dort auch das mit Abstand teuerste Stück der Ausstellung zu sehen sein: Der Globus des fränkischen Wissenschaftlers Johannes Schöner aus dem Jahr 1515, auf dem erstmals auch der neu entdeckte Kontinent Amerika als solcher bezeichnet wurde. Das seinerzeit auf der Frankfurter Messe verkaufte Stück ist laut Gerchow heute einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag wert und wird streng gesichert.

Eindrucksvoll ist in den neuen Räumlichkeiten des Historischen Museums indes gerade die Mischung der Sammlerstücke. Dazu gehören etwa die vom Mainzer Erzbischof, Frankfurter Großherzog und späteren Regensburger Bischof Carl Theodor von Dalberg unter anderem aus Frankfurter Kirchen gekauften Tafelgemälde aus dem 15. und 16. Jahrhundert samt dem gerade vervollständigten Annenaltar und die 800 Miniaturbilder des Konditormeisters Johann Valentin Prehn. Von den Afrika-Mitbringseln des Bankierssohns Rüppell sind etwa der Schädel eines Nilkrokodils und äthiopische Schriften zu sehen.


 


 

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