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Mit Waschmittelenzymen zum Umweltpreis

Holger Zinke hat den Werkzeugkasten der Natur für die Industrie nutzbar gemacht

(bo/ddp-hes). In der Biotechnologie können 15 Jahre eine Ewigkeit sein. «Aus heutiger Sicht war 1993 die Steinzeit», sagt Unternehmer Holger Zinke. Damals gründete er mit einem Partner das mittelständische Biotech-Unternehmen Brain, das industrielle Verfahren durch biologische Prozesse verbessert oder ersetzt. So entwickelte das Unternehmen etwa ein Waschmittelenzym, dass bereits bei 40 Grad dieselbe Waschkraft entfaltet wie gewöhnliche Waschmittel erst bei 60 Grad. Für diesen umweltfreundliche Ansatz bekommt Zinke von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt nun den Deutschen Umweltpreis.

Gemeinsam mit dem in den USA tätigen Umweltwissenschaftler Ernst
Ulrich von Weizsäcker erhält Zinke am Sonntag (26. Oktober) die mit
500 000 Euro höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas aus den Händen
von Bundespräsident Horst Köhler. «Holger Zinke erkannte die
zunehmende Bedeutung, den Werkzeugkasten der Natur für industrielle
Zwecke nutzbar zu machen», heißt es in der Preisbegründung der Jury.
Allein durch das Waschmittelenzym könnten jährlich 1,3 Millionen
Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

Die Urteilsbegründung der Jury hat Zinke sehr gefreut: «Für viele
Anwendungen in der Industrie hat die Natur schon lange eine Lösung
gefunden. Die gilt es zu finden und zu nutzen.» Die nachwachsenden
Rohstoffe stammen von Mikroorganismen im Boden, deren Gensequenzen
Brain entschlüsselt. Derzeit entwickeln die Forscher beispielsweise
für ein Nahrungsmittelunternehmen biologische Süßstoffe, die in
Zukunft die chemisch hergestellten Süßungsmittel in Limonaden
ersetzen sollen. «Das Interesse der Industrie an der 'weißen
Biotechnologie' ist groß, Degussa und BASF investieren dreistellige
Millionenbeträge in deren Entwicklung. Denn bekanntlich sind ja die
meisten unserer Ressourcen endlich», sagt Zinke.

Für Zinke bedeutet unternehmerische Verantwortung, dass
«ökonomische, ökologische und soziale Interessen im Gleichgewicht
sein müssen, um Erfolg zu haben». Den Nachhaltigkeitsgedanken des
Unternehmens spiegelt auch die Architektur der Büroräume wider. 1995
hat Brain ein denkmalgeschütztes Bauhaus-Gebäude in Zwingenberg
gekauft und behutsam revitalisiert. Zinke legt Wert auf eine
freundliche und offene Arbeitsumgebung, die Konferenzräume sind nur
mit Glas abgetrennt, alle Räume sind lichtdurchflutet.

Darüber hinaus schließt Brain keine Zeitverträge, alle Personen
sind fest beschäftigt. «Unsere Mitarbeiter sind auch unser Kapital,
deswegen bieten wir langfristige Perspektiven», sagt Zinke. Der
Teamgedanke wird sowohl im Unternehmen als auch im Geschäft mit den
Kunden groß geschrieben: Mit dem Konsumgüterkonzern Henkel kooperiert
Brain beispielsweise schon seit zehn Jahren.

Zinke schätzt die Zukunft der «weißen Biotechnologie» in
Deutschland als überaus vielversprechend ein. «Die Mikrobiologie ist
hier sehr gut aufgestellt und auch die Ingenieurwissenschaften sind
in Deutschland extrem stark.» Im Gegensatz zu den USA sei Deutschland
auch beim Thema Ressourceneffizienz «vorsensibilisiert». Seiner
Meinung nach sind das «optimale Ausgangsbedingungen».

Im nächsten Jahr soll die an den Firmensitz in Zwingenberg
angrenzende Halle in eine Produktionsstätte umgewandelt werden. Die
Firma will sich vom Technologie- zum Industrieunternehmen entwickeln,
sagt Zinke. Er selbst werde sich jedoch nicht ins Labor stellen: «Ich
bin schon zu lange aus der Forschung raus.»

(rheinmain)


 


 

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