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Tierhandel

Herrchen per Mausklick

Tierheime in Hessen klagen über florierenden Internethandel mit Hunden. Auch Weihnachtsgeschenke landen oft im Heim.

Drei, zwei, eins, Mops: Der Internethandel mit jungen Hunden boomt. Allein in der Kleinanzeigen-Rubrik des Online-Auktionshauses "Ebay" findet man derzeit rund 4.000 Angebote für Hundewelpen. In den hessischen Tierheimen verfolgt man diesen Trend mit Sorge.

"Der Handel im Internet hat extrem zugenommen", sagt Karsten Plücker, Leiter eines Kasseler Tierheims. Es sei dadurch viel einfacher geworden, sich einen Hund zuzulegen. "Oft gibt es nicht einmal Kaufverträge", beklagt er. Die Herkunft der Hunde, die in vielen Fällen im Tierheim landeten, sei dadurch nur schwer nachzuvollziehen. In vielen Fällen hätten sie keine Impfungen und seien verhaltensauffällig, sagt Plücker.

Auch die zweite Vorsitzende des Frankfurter Tierschutzverein, Marina Koralewski, kennt die Probleme des Internethandels. Erst vor kurzem habe sie einen Anruf von einer Frau bekommen, die sich einen Hund aus Afrika im Internet bestellt und auch nach mehreren Wochen noch darauf gewartet habe. Sie riet der Frau, das Tier mit den süßen Kulleraugen zu vergessen und den Händler anzuzeigen.

Insgesamt habe der Andrang auf das Tierheim in den vergangenen Jahren stark zugenommen, betont Koralewski. Wenn die Herrchen die Haltungskosten nicht mehr bezahlen könnten, setzten sie die Tiere aus oder brächten sie ins Tierheim. "Es geht immer nur ums Geld", sagt Koralewski.

Ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Tiere

Auch die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin hält den Verkauf von Hunden im Internet für fatal. "Es führt dazu, dass sich Leute Hunde kaufen, ohne Ahnung davon zu haben. Manchmal nur, weil sie gut zum Auto oder dem Mantel passen", sagt Martin. Es gebe auch einzelne Privathändler, die mithilfe des Internets ein blühendes Geschäft mit Welpen betrieben, ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Tiere. Ein Gesetz, das den Internethandel eindämmen könnte, sei derzeit nicht in Sicht. "Meine Juristen machen mir da nicht die geringste Hoffnung", sagt Martin.

Neben den Auswirkungen des Internethandels müssen sich die Tierheime mit den Folgen des Weihnachtsgeschäft arrangieren. In den ersten Wochen des neuen Jahres hätten sie mit einer erhöhten Tieraufnahme zu kämpfen, erklärt der Deutsche Tierschutzbund. Insbesondere kleine Tiere wie Meerschweinchen, Ratten oder Reptilien seien vermehrt abgegeben worden.

"Trotz aller Erfolge, die wir in der Beratung vor einer Aufnahme eines Tieres in die Familie haben, gibt es immer wieder Menschen, die ohne notwendige gründliche Beratung ein Tier anschaffen", erklärt der Präsident des Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Jedem der sich dennoch ein Tier anschaffen möchte, rät er, zuerst ins örtliche Tierheim zu gehen und sich zu erkundigen. "Da warten viele Mitgeschöpfe auf ein gutes, neues Zuhause."


 


 

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