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Opel-Hilfe

IG Metall attackiert Brüderle - Merkel soll «Irrfahrt» des Ministers stoppen

(bo/ddp-hes). In ihrer Mittagspause haben rund 1000 Mitarbeiter des angeschlagenen Autoherstellers Opel vor der Frankfurter Börse ordentlich Krach gemacht.

Eine Musikgruppe in gelben T-Shirts marschierte vor dem Zentrum des Finanzmarkts auf und ab, dabei schlugen sie kräftig auf ihre Schlagzeuge. Sie trommelten am Montag für Staatshilfen für den US-Konzern Generals Motors (GM). Einige Banker im schicken Anzug guckten etwas irritiert. Doch Ruhe kehrte erst ein, als IG-Metall-Chef Bertold Huber und Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz die Bühne betraten.

Die Kollegen waren mit Bussen von den Opel-Standorten in
Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern angereist. Auf der
gemeinsamen Veranstaltung wollten Gewerkschaft und Betriebsrat der
Bundesregierung Druck machen, dem Mutterkonzern GM eine
Kreditbürgschaft über 1,1 Milliarden Euro zu erteilen.

«Unfassbare Summen mussten seit Beginn der Krise in den
Finanzmarkt gepumpt werden», kritisierte IG-Metall-Chef Huber.
Dennoch halte die Politik die Opelaner seit eineinhalb Jahren hin
oder verunglimpfe sie als Subventionsabzocker. «Es geht nicht um
Milliardensubventionen, sondern um eine Bürgschaft», sagte Huber. Mit
den kreditfinanzierten Investitionen könnten an den Opelstandorten
neue Modelle und Antriebe entwickelt werden.

Vertreter von Bund und Ländern planen für Mittwoch ein Treffen des
Lenkungsausschusses. Die Zusammenkunft des für die Entscheidung über eine Bürgschaft zuständigen Gremiums war vergangene Woche
überraschend verschoben worden. Bundeswirtschaftsminister Rainer
Brüderle (FDP) will eine Bürgschaft für GM verhindern. «So geht man
mit Menschen und deren Zukunftssorgen nicht um», erklärte Huber auf
der Demonstration. «Wir haben diese Krise nicht verursacht!»

Europäische Opel-Arbeitnehmer seien bei Urlaubs- und
Weihnachtsgeld zu einem Verzicht auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro
bereit und auch zu «schmerzhaften Einschnitten» bei der
Beschäftigtenzahl, betonte der IG-Metall-Chef. «Herr Brüderle,
springen Sie über den ideologischen Schatten Ihrer Partei!», rief
Huber Richtung Berlin. Jeder ordnungspolitische Dogmatismus sei von
vorgestern. «Frau Merkel, stoppen Sie die marktradikale Irrfahrt
Ihres Ministers», fügte der Gewerkschaftler an die Adresse von
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hinzu.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz beschuldigte in Frankfurt
Teile der CDU, eine Bürgschaft für GM absichtlich dem Verteilen von
Steuergeldern gleichzustellen. In Deutschland, «im Heimatland der
Stammmarke Opel», gebe es «interessierte Kreise», die eine Hilfe für
GM ablehnten. «Sollte Opel dann Marktanteile verlieren, profitieren
davon andere Konzerne», sagte Franz. Nach der Erfahrung, seit über 80
Jahren «unter ausländischer Fuchtel zu stehen», habe die
Opel-Belegschaft das Management in der Vergangenheit nicht immer
unterstützt. «Und jetzt, Frau Merkel, zählen wir auf Sie.»

Der FDP warf Franz in der Auseinandersetzung um die Bürgschaft
Eigeninteresse vor. Nach vergangenen Wahlniederlagen seien die
Freidemokraten nun auf «Profilsuche». Der Frankfurter
IG-Metall-Bezirkschef Armin Schild sagte am Rand der Veranstaltung,
er rechne am Mittwoch mit einer positiven Entscheidung des
Lenkungsausschusses. Für den anderen Fall kündigte Schild «weiteren
Widerstand» der Gewerkschaft an.

Foto: www.pixelio.de

(ddp-Korrespondent Ulrich Breitbach)


 


 

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