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Vorstellung «Schwarzweißbuch»

IG Metall fordert Mindestlöhne für Leiharbeiter

(bo/ddp-hes). Die IG Metall verlangt allgemein verbindliche Mindestlöhne für Leiharbeiter. Gewerkschafts-Vize Detlef Wetzel forderte die Politik am Mittwoch bei der Vorstellung des «Schwarzweißbuchs Leiharbeit» in Frankfurt am Main auf, die Leiharbeit in das Entsendegesetz mit aufzunehmen, um Lohndumping zu vermeiden. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warf der IG Metall vor, mit ihrer Kampagne den Menschen zu schaden, die über eine Zeitarbeit Beschäftigung gefunden hätten.

Die IG Metall hat in ihrem «Schwarzweißbuch Leiharbeit» die
Zustände beim Einsatz von Leiharbeitern dokumentiert. Wetzel
kritisierte, täglich werde das Menschenrecht auf gleiche Bezahlung
für gleichwertige Arbeit missachtet. «Wir wollen zeigen, dass es
möglich ist, Leiharbeit fair zu gestalten», betonte er. Deshalb
würden in dem Buch neben den Missständen auch Beispiele dargestellt,
in denen die Besserstellung von Leiharbeitskräften erreicht wurde.

Bisher habe die IG Metall im Rahmen ihrer Kampagne «Gleiche Arbeit
- gleiches Geld» 380 «Besser-Vereinbarungen» in Betrieben
abgeschlossen, sagte Wetzel. Diese sähen unter anderem eine bessere
Bezahlung bis hin zur Gleichstellung mit der fest angestellten
Stammbelegschaft vor. Die IG Metall kündigte außerdem an, die
Leiharbeiter in der bevorstehenden Tarifrunde der Metall- und
Elektroindustrie mit einzubinden und sich «dauerhaft» für
Leiharbeiter einsetzen zu wollen.

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Ulrich Brocker verwies dagegen
darauf, dass die IG Metall ein Bild der Zeitarbeit zeichne, «das
weder qualitativ noch quantitativ zutrifft». Eine einheitliche
Bezahlung von Zeitarbeitnehmern und Stammarbeitnehmern würde der
«Attraktivität der Zeitarbeit schaden». Konsequenz könnte sein, dass
Tätigkeiten in andere Betriebe oder ins Ausland verlagert würden.
«Das alles nimmt die IG Metall in Kauf, um Mitglieder zu gewinnen»,
sagte Brocker.

Zeitarbeit sei zur Verbesserung der Flexibilität wichtig, stelle
«aber eine Ausnahme» dar. Seinen Angaben zufolge liegt der Anteil der
Zeitarbeitnehmer an allen Beschäftigten unter fünf Prozent. Rund zwei
Drittel aller Zeitarbeitnehmer seien vorher arbeitslos gewesen, sagte
der Gesamtmetall-Chef. Zeitarbeit habe sich immer mehr zu einer
Tätigkeit entwickelt, die für die «Übernahme in Stammarbeitsplätze»
qualifiziere.

Der DGB Hessen forderte unterdessen Ministerpräsident Roland Koch
(CDU) in einem offenen Brief auf, sich für eine stärkere Regulierung
der Leiharbeit einzusetzen. Koch solle am Freitag im Bundesrat dafür
stimmen, dass die Zeitarbeit in das Arbeitnehmerentsendegesetz
aufgenommen werde.

Die Zahl der Leiharbeiter hat sich laut DGB von 326 000 im Jahr
2004 auf 850 000 im Juni dieses Jahres erhöht. Gegen Leiharbeit sei
nichts einzuwenden, wenn sie Auftragsspitzen abfange, heißt es in dem
Brief. «Lohndumping durch Leiharbeit» sei aber generell einzudämmen.
Da Leiharbeiter schlechter bezahlt würden, trage der gegenwärtige
Trend zur Ausweitung des Niedriglohnsektors bei.

(rheinmain)


 


 

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