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Das "Stöffche" ist wieder in

Jahrelang hing dem Apfelwein das Image der TV-Show "Zum Blauen Block" nach: Ein Bembel auf dem Holztisch, dazu Schlagermusik, alles etwas angestaubt. Das herbe "Stöffche" war nicht mehr angesagt.

Der Absatz schrumpfte. Um die Abwärtsspirale zu stoppen, gehen die Keltereien mit dem Trend: Sie bringen mildere Sorten auf den Markt, füllen ihre Produkte in 0,3-Liter-Flaschen, mixen Grapefruitgeschmack oder Johannisbeersaft dazu und kleben moderne Etiketten drauf. Das Konzept scheint aufzugehen: Der Absatz sinkt nicht weiter. Die Keltereien hoffen sogar auf einen leichten Aufschwung. Das warme Frühlingswetter tut sein Übriges.

Die Branche spricht gerne von einer "Stabilisierung" des Absatzes. Die Sprecherin des Verbands der hessischen Apfelweinkeltereien betont: "Die Kelter sind zufrieden, dass sich der Absatz stabil entwickelt." Tendenz leicht steigend. Nach Angaben des Verbands wurden 2010 in Hessen rund 36 Millionen Liter abgesetzt, etwa so viel wie im Vorjahr. Außerhalb der Landesgrenzen ist "Ebbelwei" rar. Etwa 80 Prozent des Absatzes wird in Hessen verzeichnet.
Plus bei neuen Produkten

Auf Bundesebene zeigt sich der gleiche Trend: Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Apfel- und Fruchtweinhersteller (VdFw) deutschlandweit 40 Millionen Liter abgesetzt, auch hier gab es keine Veränderung zum Vorjahr. Bei neuen Produkten werde ein Plus verbucht, sagt eine Verbandssprecherin. Dadurch erschließe sich die Branche neue Zielgruppen. So werde zum Beispiel der "Fichtekranz" der Kelterei Heil - Apfelwein mit Kräuter- oder Maracujageschmack - inzwischen auch in Berliner Szenekneipen verkauft.

Insgesamt sei Apfelwein gefragt, der nicht zu herb sei. Fast jede Kelterei habe inzwischen auch mildere Sorten im Angebot. "Die Trinkkultur verschiebt sich etwas", sagt die Sprecherin. So werde der Apfelwein nicht mehr nur aus gerippten Gläsern getrunken, sondern auch "etwas schicker" serviert, in Glasflaschen oder Weingläsern. Auch die Kelterei Höhl aus Maintal setzt auf dieses Konzept. Seit vergangenem Jahr gibt es im Angebot einen Rosé, mit elegantem Schriftzug auf dem Etikett. Für das Getränk habe man einen gläsernen Bembel entwickelt, sagt Geschäftsführerin Johanna Höhl.
Apfelwein profitiert vom Zeitgeist

Der Apfelwein komme "nicht nur so derb" daher, sondern passe zu gehobenem Essen. "Wir sehen zum ersten Mal auch außerhalb Hessens eine Nachfrage", berichtet sie. So sei der Rosé auch in München oder Köln gefragt. Die Geschäftsführerin geht davon aus, dass der Apfelwein insgesamt von dem aktuellen Zeitgeist profitiert. Das Getränk sei "100 Prozent Natur". Regionalität stehe bei Verbrauchern hoch im Kurs, "noch höher als Bio", sagt Höhl. Die Absatzzahlen entwickelten sich positiv. Der Tiefpunkt sei bereits vor vier, fünf Jahren erreicht gewesen. "Jetzt geht es wieder aufwärts", sagt die Geschäftsführerin, auch wenn es wohl noch einige Jahre dauern werde, bis das Niveau von früher wieder erreicht werde.

Die Sprecherin des Verbands der hessischen Apfelwein- und Fruchtsaftkeltereien, Sonja Slezacek, berichtet, dass der Apfelwein zu Zeiten der Fernsehsendung "Zum Blauen Bock" seine Hochzeit erlebt habe. Damals habe es noch nicht so viele andere populäre Getränke gegeben, inzwischen ist die Konkurrenz durch Mixgetränke und Alkopops viel größer. "Das war früher nicht so. Da hat jeder in Hessen sein Stöffche getrunken", sagt sie. Doch die Keltereien hätten rechtzeitig auf den Trend reagiert und neue Produkte auf den Markt gebracht. Dadurch würden jüngere Zielgruppen angesprochen. So müsse sich niemand mehr schämen, Apfelwein mit Cola zu mischen.

Tatsächlich verziehen Zugezogene gerne das Gesicht beim ersten Schluck - oder mischen Apfelwein mit Limo, was unter Frankfurtern als verpönt gilt. So gibt es mittlerweile Buttons zu kaufen, gelb im Anti-AKW-Design, mit der Aufschrift: "Süßgespritzter? Nein Danke". Auch Hochglanzbände mit Fotos aus traditionellen Apfelweinkneipen, T-Shirts mit abstraktem Apfel-Aufdruck oder schwarze Wandtafeln in Form eines Bembels pflegen das Image des Stöffches.

(dapd )


 


 

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