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Freudentränen bei Obamas Anhängern

In Frankfurt feieren mehrere hundert US-Amerikaner eine der größten Wahlpartys in Deutschland

(bo/ddp-hes). Marie Davenport-Schneider bricht in Tränen aus. Es ist kurz nach 5.00 Uhr am Mittwochmorgen, als der US-Nachrichtensender CNN verkündet, dass der Demokrat Barack Obama die Präsidentschaftswahlen in den USA gewonnen hat. Es ist nicht der enorme Vorsprung Obamas vor dem Republikaner John McCain, der die Afro-Amerikanerin so bewegt. Es sei der historische Moment, sagt sie: «Ein Schwarzer zieht ins Weiße Haus!» Die ganze Nacht über sprang sie bei der «All Night Election Party» des US-Generalkonsulats Frankfurt für jede Obama-freundliche Prognose von ihrem Platz auf und schwenkte ein Obama-Plakat.

Auch Dennis Phillips hat nie an einem «deutlichen Sieg Obamas» gezweifelt. Monatelang hatte der 65-Jährige im Rhein-Main-Gebiet zig Buttons und T-Shirts verkauft und den Erlös schließlich für Obamas Kampagne gespendet. Als sich kurz nach 2.00 Uhr abzeichnet, dass der Kandidat der Demokraten einen Bundesstaat nach dem anderen gewinnt, ist Phillips erleichtert: «Die Leute sind nicht so dumm, wie die Republikaner gedacht haben.» Ein Sieg für McCain wären «vier Jahre Weiter-so gewesen - das wollten die Bürger nicht». Dass mit Obama erstmals ein Farbiger Präsident werde, erfülle ihn mit Stolz.

Stolze Demokraten gibt es am Mittwochmorgen im Frankfurter Westin Grand bei einer der größten US-Wahlpartys in Deutschland Hunderte. Nach Republikanern musste man jedoch schon vor dem Bekanntwerden der ersten Ergebnisse vor Mitternacht suchen. Die Buttons mit dem Obama-Schriftzug dominieren deutlich, nur selten blitzt ein McCain-Anstecker in der Masse auf. Eine Handvoll Republikaner trägt ihre Zustimmung besonders zur Schau: Mit handtellergroßen «Hockey Mom»-Buttons, auf der Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin zu sehen ist. Die Republikaner, die bis zum Schluss bleiben, nehmen die Buttons spätestens gegen 4.00 Uhr ab - man will nicht auffallen.

Der Republikaner Lars Thompson ist sogar nach Hause gegangen, noch bevor CNN das Ergebnis verkündete. Wenige Stunden zuvor war er sich noch «sehr sicher», dass McCain die Wahl trotz negativer Umfragen für sich entscheiden wird. «Die Medien», sagt Thompson gegen Mitternacht, hätten Obama «viel zu gut» und McCain zu schlecht dastehen lassen. Wenige Stunden später zeigt sich, dass es vielmehr andersherum war: In keiner der unzähligen Umfragen hatte Obama so klar vor McCain gelegen wie schließlich in der Wahlnacht selbst.

Elisabeth und Carsten van de Sande kann das Ergebnis Obamas unterdessen gar nicht gut genug sein. «Seit etwa drei Wochen» sei er sich sicher gewesen, dass der Demokrat «das Ding heimholt», sagt der mit einer US-Amerikanerin verheiratete Deutsche. Er verspricht sich von einem Präsidenten Obama wieder eine Annäherung zwischen den USA und Europa: «Ich glaube in Deutschland ist die Bereitschaft da, sich neu auf die Vereinigten Staaten einzulassen.» Vor allem der Ton der USA gegenüber ihren Verbündeten werde sich nun bessern, sagt er.

Das glaubt auch Marie Davenport-Schneider. «Alle meine Träume werden in dieser Nacht wahr», sagt die Afro-Amerikanerin, die schon seit 25 Jahren in Deutschland lebt. «Ich hatte von Anbeginn an das Gefühl, dass Barack Obama gewinnt», sagt sie, «weil er für Frieden und Gerechtigkeit steht». Er habe die Leute mit seinen Botschaften begeistert, allein seine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten habe das Bild Amerikas in der Welt «schon enorm verbessert».

Nach der langen Wahlnacht sehen die Anhänger der Demokraten am Mittwochmorgen trotz kostenloser Kaffeebar zerknittert aus - dafür aber glücklich. Von Republikanern fehlt mittlerweile jede Spur. Die Wahlanalyse mit Politologen und Amerika-Kennern wollen sie sich offenbar nicht mehr antun. Denn die ist hart und schonungslos. Der US-Politologe James Davis bringt es auf den Punkt: Obama habe zwar neue Wählerschichten erschlossen, so deutlich gewonnen habe er die Wahl aber vor allem dank Noch-Präsident George W. Bush. Denn dessen rundum ramponiertes Image habe klar auf McCain abgefärbt.

(rheinmain)


 


 

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