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Abschied vom Bahnhof

In Hessen sind 50 ehemalige Empfangsgebäude an Bieterkonsortium verkauft worden

(bo/ddp-hes). Einst war er für viele Kleinstädte das Tor zur Welt, für einige sogar repräsentatives Aushängeschild. Doch in den meisten Orten mit Zuganschluss ist das Bahnhofsgebäude mittlerweile ohne Funktion, die Station heißt heute «Bahnbetriebsstelle». Nun hat sich die Deutsche Bahn (DB) bundesweit von 450 weiteren Bahnhöfen endgültig getrennt, davon 50 in Hessen. In den betroffenen Gemeinden ist nicht jeder davon begeistert.

«Wie haben nur über die Nachrichten von dem Verkauf erfahren», sagt Wolfgang Erk, Bürgermeister im osthessischen Bad Camberg. Es hieß, die DB Station & Service AG habe die Kommunen gefragt, ob sie die Bahnhofsgebäude - viele davon Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut - selber kaufen wollten. Die Bad Camberger sind jedoch offenbar vergessen worden, denn «das war bei uns nicht der Fall», sagt Erk. Die Bahn hat sich für das Versäumnis schriftlich bei der Kommune entschuldigt.

Ein Kauf wäre «schon interessant» für die Stadt gewesen, sagt der Rathauschef. In dem Bahnhofsgebäude gebe es noch einen Kundenschalter, der aber zum Ende des Jahres von der Bahn geschlossen werde. Erk: «Wir haben ein großes Interesse, dass zumindest in der Nähe ein Bahnkartenverkauf stattfindet.»

Anders sieht die Situation in Schlüchtern aus, einem 7000-Einwohner-Städtchen zwischen Frankfurt und Fulda. «Wir hatten keine Verwendung dafür», sagt Hauptamtsleiter Alfred Perschbacher über den ausrangierten Stationsbau. Welche Pläne der Käufer mit der Immobilie habe, wisse er nicht. «Erstmal werde wohl nichts passieren», habe es von der Bahn geheißen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus glaubt, dass es sich bei dem Geschäft um einen «Aufkauf auf Vorrat» handelt. «Das Schlimme ist, die Gebäude verfallen dann total», sagt Wolfgang Klapdor vom hessischen Landesverband. Käufer des Immobilien-Portfolios ist ein Konsortium, bestehend aus der Londoner Patron Capital Ltd und der Hamburger Firma Procom Invest.

«Entweder sie entwickeln selber etwas oder sie suchen ihrerseits Käufer», sagt Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp über die neuen Besitzer. Den Verdacht, die meist historischen Gebäude als Spekulations-Objekte verkauft zu haben, weist er von sich. Es gebe Beispiele, wo bereits Gespräche über eine Nachnutzung der ehemaligen Bahnhöfe liefen. Und auch die Bahn ist selber oft mit an Bord: «Teilweise haben wir uns mit einem Verkaufsschalter wieder eingemietet», sagt Honerkamp.

Nutzbar bleiben müssen an vielen Haltestellen auch die Durchgänge von den Bahnsteigen, die oft durch die ehemaligen Stationsgebäude führen. «Das haben wir uns sichern lassen», betont der Bahn-Sprecher. Für das Verkehrs-Unternehmen ist der Verkauf betriebswirtschaftlich zwingend gewesen: Man wolle den Gebäudebestand durch die «Veräußerung von nicht mehr betriebsnotwendigen Immobilien auf ein Kernportfolio» reduzieren, heißt es.

Der Käufer habe zugesichert, innerhalb der nächsten fünf Jahre 15 Millionen Euro in die Gebäude zu investieren, teilt die Bahn in einer Erklärung mit - das sind im Durchschnitt 31 000 Euro pro Objekt. Weitere 500 Empfangsgebäude hat das Konsortium zudem von einer Firma erstanden, die das Paket vor sieben Jahren von der Bahn kaufte. Dieses Unternehmen ist mittlerweile insolvent.

(rheinmain)


 


 

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